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Blutbuche in MorsbroichÄltester Baum Leverkusens ist umgefallen

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Die bekannte Blutbuche im äußeren Schlosspark von Morsbroich ist um Neujahr 2026 umgefallen. Sie könnte 251 Jahre alt sein, denn der Park wurde 1775 angelegt. Bild: Ralf Krieger

Die bekannte Blutbuche im äußeren Schlosspark von Morsbroich ist um Neujahr 2026 umgefallen. Sie könnte 251 Jahre alt sein, denn der Park wurde 1775 angelegt. 

Der Baum sollte schon 2010 gefällt werden, dagegen hatte sich Protest in der Stadt formiert.

Dass die große Blutbuche eines Tages umkippen würde, war klar, jetzt ist der vielleicht älteste Baum Leverkusens am Stamm abgebrochen. Wie alt der Baum war, ist nicht ganz sicher; ganz sicher war er der bekannteste Baum der Stadt.

Der älteste Baum Leverkusens in vier Jahreszeiten.

Der älteste Baum Leverkusens in vier Jahreszeiten.

Die Blutbuche im äußeren Schlosspark ist irgendwann um den Jahreswechsel umgefallen. Auf jeden Fall aber vor dem Schneefall am Freitag, denn unter dem umgekippten Baumstamm liegt kein Schnee. Der Baum mit dem extrem knorrigen, hohlen Stamm, an dem sich mit den Jahren immer mehr Pilzkörper zeigten, hatte eine besondere Geschichte. In seinen letzten Lebensjahren hatten sich eine Menge Bürger für den Erhalt starkgemacht, das war um das Jahr 2011. Damals hatte ein Mitarbeiter des Grünflächenamts festgestellt, dass der Stamm hohl ist, dass er von Pilzen befallen sei und dass er möglicherweise umfallen könne: Wegen der Verkehrssicherungspflicht sollte er gefällt werden.

Dagegen formierte sich Protest vieler Baumfreunde, der von Mai 2010 bis Mai 2011 dauerte. Die Initiative „Interessengemeinschaft zum Erhalt der Schlossbäume“ formierte sich. Dass deren Protagonist Rolf Müller mit einer schweren Lungenkrankheit kämpfte, verlieh seinen Argumenten für mehr Grün in der Stadt eine besondere Kraft. Müller starb 2021.

Leverkusen: Baumgutachten war fehlerhaft

Der renommierte Baumgutachter Peter Klug sagte: „Einen solch seltenen und prächtigen Baum auf Grundlage eines solchen Gutachtens einfach wegzunehmen, das geht gar nicht.“ Dem städtischen Gutachter warf er wissenschaftliche Schnitzer vor. Die für den Park zuständige Kulturabteilung wollte Fällen, ebenso wie das Grünflächenamt. Für die Fällung des 28 Tonnen schweren Baums hatte man 2000 oder 2500 Euro kalkuliert. Dazu kam es nicht. Stattdessen durfte der Baum, eines der immer rarer werdenden eingetragenen Naturdenkmäler der Stadt, in Ruhe weiterleben – zur Sicherheit hinter einem einfachen Zaun, den ein Leverkusener Garten- und Landschaftsbaubetrieb spendete. Der Zaun wirkte: Ein Trampelpfad an der Buche wuchs mit den Jahren zu.

In den Folgejahren staunten viele darüber, dass die Blutbuche mit ihrer schönen Krone viel vitaler wirkte als manch anderer Baum im Park. Er überstand den Sturm Friederike und weitere, besonders in den Dürresommern 2018 und 2019 fiel auf: Die Krone wirkte vital, der alte Baum hatte tiefe Wurzeln.

Nicht ganz klar ist, wann die Blutbuche gepflanzt wurde, die Ringe kann man nicht zählen, weil der Stamm hohl ist. Der Schlosspark wurde aber 1775 angelegt, sie könnte also 250 Jahre alt geworden sein, vielleicht sogar ein paar Jahre mehr, wenn sie in einer Baumschule vorgezogen wurde.

Fast alle Blutbuchen stammen von einem Baum ab

Zu der Zeit waren Blutbuchen offenbar in Mode. Die Blutbuche ist keine eigene Art, sondern eine Mutation der normalen Buche. Fast alle Blutbuchen sollen von einer Mutter-Blutbuche in Thüringen abstammen, die 1690 als Mutation gewachsen sein soll. Durch Pfropfreiser wurde der Baum vermehrt, auch die Morsbroicher Buche ist ein veredeltes Exemplar, die Veredelungsstelle am Stamm in etwa einem Meter Höhe war gut zu sehen.

Welcher Baum in Leverkusen jetzt der älteste ist, das lässt sich wohl nicht ganz sicher sagen. Es gibt alte Platanen und Eichen.

Die Blutbuche ist nach hinten ins Gebüsch gekippt, dort kann sie vermutlich liegen bleiben. Die Stadt pflanzt zurzeit keine Bäume nach, wegen der Schulden. Aber: Unter der Krone haben sich dicht Ahornbäume ausgesät, die jetzt viel Licht bekommen.