Abo

Verlust historischer SubstanzStadt sieht sich bei Manforter Bahnhofsdach unschuldig

2 min
Folgen
Generalsanierung der Eisenbahnstrecke Köln–Hagen. Hier im Bahnhof Manfort Bild: Ralf Krieger

Das historische Dach aus Holz am Bahnhof Manfort am Vorabend des Abbruchs.

Am 24. Februar 2026 wurde das Dach innerhalb von wenigen Stunden niedergelegt und mit einem Bagger zu Kleinholz verarbeitet.

„Wir sind nicht schuld daran“, so könnte man eine Mitteilung der Leverkusener Stadtverwaltung im Informationsportal „Z.d.A Rat“ auch überschreiben, in dem es um den Verlust des historischen Bahnhofsdachs geht. Politiker der Bezirksvertretung I hatten sich in der Sitzung im September 2025 für einen möglichen Erhalt des vielfach als schön empfundenen Holzdachs eingesetzt. Der Plan, dass sich die Bauverwaltung mit der Deutschen Bahn in Verbindung setzen sollte, um gemeinsam die Möglichkeiten einer Rettung des alten Dachs auszuloten, schlug fehl. Am 24. Februar 2026 wurde das Dach innerhalb von wenigen Stunden niedergelegt und mit einem Bagger vom Gleis aus zu Kleinholz verarbeitet.

Bahn schuf Tatsachen

Die Verwaltung schreibt: Nach dem Beschluss der Bezirksvertretung habe die Fachverwaltung bei der für die Generalsanierung der Hochleistungskorridore zuständigen DB InfraGo AG angefragt, ob die bestehende Dachkonstruktion erhalten werden könne und in die Planungen zur Modernisierung des Bahnhofs einbezogen werden könne. Möglicherweise hätte man sie an anderer Stelle wieder aufbauen können. Aber die Bahn habe sich in der Sache nicht bewegt, schreibt die Verwaltung. Trotz Nachfragen sei die Anfrage unbeantwortet geblieben. Als die Verwaltung erneut nachgefragt habe, habe man von der DB InfraGo AG die Antwort erhalten, dass die marode Dachkonstruktion zwischenzeitlich abgerissen sei.

Der Bahnhof Manfort, ehemals Bahnhof Schlebusch, wurde innerhalb weniger Stunden am Dienstag, 24. Februar 2026, innerhalb weniger Stunden zerlegt. Bild: Ralf Krieger

Das Dach am Bahnhof Manfort, ehemals Bahnhof Schlebusch, wurde am Dienstag, 24. Februar 2026 binnen weniger Stunden zerlegt.

Über den Abbruch hatte der Leverkusener Anzeiger berichtet.

Das verlorene Bahnsteigdach soll laut Recherche der Antragsteller im Jahr 1915 erbaut worden sein. Es war für das Alter äußerlich in einem perfekten Erhaltungszustand, war komplett aus Holz gezimmert und mit Dachpappe belegt.

Bahnhof Schlebusch, historische Postkarten Bild: Bergischer Geschichtsverein, Sammlung Braun

Auf dieser Postkarte vom Bahnhof Schlebusch ist das Dach am rechten Bildrand zu sehen.

Ob das Ansinnen der Leverkusener der Baumannschaft von der DB lästig war, lässt sich nicht nachprüfen. Tatsache ist aber auch, dass es in Leverkusen keinen reifen Plan gab, was mit dem Bahnsteigdach geschehen könnte und welche Kosten auf die Stadt zugekommen wären, wenn man es zum Beispiel eingelagert hätte. Dass die Bahn das Dach bei ihren Planungen für den neuen Bahnhof einbezogen hätte, ist eher unwahrscheinlich, denn der Bahnsteig wird derzeit höhergelegt.

In Opladen ist es 2016 gelungen, einen Teil der historischen Bahnsteigüberdachung zu retten. Die Stützen des Dachs bestanden aus gusseisernen Säulen; sie waren einfach zu wertvoll, um als Schrott oder Deko in privaten Gärten zu enden. Seit 2016 tragen sie eine Pergola über einem Spielplatz an der Grete-Hermann-Straße in der Bahnstadt-Siedlung.