Der NRW-Landesvater kam direkt von der Karlspreis-Verleihung nach Bergneustadt. Dort warnte er vor Extremisten, die nur spalten wollten.
Gäste aus 20 LändernHendrik Wüst lobt Neustadttreffen als Beweis für lebendiges Europa

Den Kampf gegen Extremismus und Einsamkeit beschwor NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in seinem Grußwort beim Empfang der Neustädter.
Copyright: Michael Kupper
Die Neustädter sind angekommen, und zwar gleich jede Menge: Rund 600 Menschen aus 20 Neustädten in fünf Ländern sind der Einladung Bergneustadts zum 48. Treffen der Neustädte Europas gefolgt. Beim offiziellen Empfang für die Delegationen am Donnerstagabend machte es großen Spaß, einfach nur zuzuhören – wenn Österreicher etwa Niederländer begrüßten oder Neustädter aus Holstein unter den Titisee-Neustädter Bekannte erkannten.
Weiteste Anreise aus Rumänien nach Bergneustadt
Die weiteste Anreise nach Oberberg hatten die Gäste aus Cristian Neustadt in Siebenbürgen auf sich genommen. Die Stimmung war jedenfalls bestens und wie bei einem echten Familientreffen. Bergneustadts Bürgermeister Matthias Thul betonte bei seiner Begrüßungsrede im Festzelt: „Europa ist nicht irgendeine Idee, Europa lebt vom gegenseitigen ehrlichen Interesse aneinander.“

Gedanklich schon beim nächsten Neustadttreffen ist die Gruppe aus Nieuwstadt um Jos Hessels (3.v.r.), an die Bergneustadts Bürgermeister Matthias Thul (r.) den Staffelstab weitergab.
Copyright: Michael Kupper
In die gleiche Kerbe schlug auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der die Glückwünsche zum 725. Stadtgeburtstag mit einem Grußwort zum Neustadt-Treffen verband, und praktisch direkt aus Aachen von der Verleihung des Karlspreises anreiste. Wüst warnte: „Es gibt in unseren Ländern eine Menge Menschen, die Europa auseinanderschlagen und uns in Kriege verwickeln wollen.“ Radikale Kräfte, ob nun politisch oder religiös motiviert, hätten es aber immer dort am schwersten, wo der lokale Zusammenhalt besonders fest sei.
Radikale Kräfte, ob nun politisch oder religiös motiviert, haben es aber immer dort am schwersten, wo der lokale Zusammenhalt besonders fest ist.
Eine solche Bindung sah der Ministerpräsident gerade in Partnerschaften wie jenen der Neustädte. „Politiker kommen und gehen. Aber Städtepartnerschaften über Ländergrenzen hinweg stehen dafür ein, dass das Fundament immer in Ordnung ist.“ Einen zweiten Schwerpunkt setzte Wüst mit dem Thema Einsamkeit, die sich „wie eine stille Pandemie“ inzwischen alle Altersgruppen betreffe. „Die Gesellschaft braucht Menschen und manche Menschen brauchen mehr Gesellschaft“, warb er für die stärkere Einbindung bislang Außenstehender in die Ehrenämter.
Für die Einladung nach Bergneustadt bedankte sich stellvertretend Peter Mühle, Bürgermeister von Neustadt in Sachsen. Die stellvertretende Landrätin Heidrun Schmeis-Noack überbrachte die Glückwünsche des Oberbergischen zum Stadtgeburtstag. Zur vom Bergneustädter Musikzug gespielten Europahymne stand das Zelt geschlossen auf, bevor es zum Abschluss noch einmal richtig bunt wurde: Mit einem flammenden Appell warb die Delegation um Jos Hessels, Bürgermeister des niederländischen Nieuwstadt bereits für ihre Kommune, die 2027 Gastgeber des Neustadttreffens sein wird.
Kulturelle, kulinarische und musikalische Spezialitäten aus ihren jeweiligen Heimatregionen präsentieren die Neustädte Europas am Samstag, 11 bis 15 Uhr, auf dem Bergneustädter Rathausplatz.
