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SchienenersatzverkehrWie fährt es sich mit dem Bus von Oberberg nach Köln?

4 min
Ein Bus auf der Straße.

Viele Schienenersatzbusse sind dank pinker Farbe schnell als solche erkennbar. 

Seit sieben Wochen ersetzen Busse die RB25. Wir sind mitgefahren und erlebten Pendler zwischen Frust und Pragmatismus.

Der Bus ruckelt stärker als die Bahn. Bei jeder Bodenwelle klappern die Fensterscheiben, irgendwo klingelt ein Handy. Zwei Stunden von Gummersbach nach Köln-Deutz können sich ziehen. Wer sich mit Arbeit beschäftigen kann, Musik hört oder am Handy spielt, bekommt die Zeit wenigstens etwas schneller um.

Seit sieben Wochen ist die Regionalbahnstrecke 25 wegen der Korridorsanierung zwischen Gummersbach-Dieringhausen und Köln-Frankfurter Straße gesperrt. Seither gehören Busfahrten für viele Pendler zum Alltag. Mehr als 100 Busse sind laut Bahn montags bis freitags als Schienenersatzverkehr im Einsatz. Neben normalen SEV-Bussen fahren auch Schnell- und Expressbusse über die A4 Richtung Köln. Insgesamt sei das Kundenecho „sehr positiv“, erklärt ein Bahnsprecher. Gerade die Expressbusse würden „eine sehr hohe Nachfrage“ verzeichnen.

Es ist besser als gar nicht vorwärtszukommen. Man kommt ans Ziel.
Michael aus Velbert nutzt den RB25-Schienenersatzbus

Für Michael aus Velbert ist der Schienenersatzverkehr mittlerweile fast Routine geworden. Der 59-jährige Krankenpfleger war wegen einer Reha im Oberbergischen unterwegs und nimmt die Situation pragmatisch. „Es ist besser, als gar nicht vorwärtszukommen.“ Natürlich sei die Fahrt mit der Bahn angenehmer, „aber es geht. Man kommt ans Ziel.“ Etwa 45 Minuten länger brauche er aktuell pro Strecke. Insgesamt verliere er am Tag zwei bis drei Stunden. „Aber was wir im Leben an Zeit verplempern, da kommt es da jetzt auch nicht mehr drauf an“, sagt er und lacht kurz.

Auch Kamina aus Dieringhausen nimmt die längeren Fahrzeiten in Kauf. Die 48-Jährige fährt nur gelegentlich nach Köln, etwa zum Shoppen oder zur Uniklinik. Mit dem Auto möchte sie wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der schwierigen Parkplatzsuche ungern nach Köln fahren. Trotzdem überlege sie inzwischen häufiger, ob sich die Fahrt überhaupt lohnt. „Früher war ich an den Wochenenden oft in Köln. Das ist seltener geworden.“

Ein Bushaltenstellenschild und eine elektronische Anzeige.

Auch die Beschilderung ist pink.

Busfahren mochte sie ohnehin noch nie. „Als Kind ist mir schon immer schnell schlecht geworden“, erzählt sie. Besonders unangenehm werde es zudem, wenn die Busse voll sind. „Ich bin nur 1,60 Meter groß und komme kaum an die Haltestangen. Und dann wird man auch noch gequetscht.“ Auch deswegen ist Kamina besonders froh, wenn die Bahn wieder fährt.

Für die 39-jährige Berufspendlerin Gabi aus Wiehl bedeutet die Sperrung der RB25 vor allem eins: mehr Stress im Alltag. Die Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitet in Köln und hat zwei Kinder im Grundschulalter. Häufig fährt sie deshalb nur noch ein bis zwei Tage die Woche ins Büro. „Wenn ich könnte, würde ich einen früheren Bus nehmen“, sagt sie.

Wiehlerin steigt in Overath zu

Doch morgens müssen erst die Kinder zur Schule gebracht werden. Früher losfahren sei schlicht nicht möglich. Teilweise fährt sie mit dem Auto bis Overath und steigt dort in den Bus um. Würde sie täglich pendeln müssen, „dann würde ich den Job wahrscheinlich momentan nicht machen können“.

Besonders ärgert sie sich darüber, dass die RB25 schon vor der Sperrung häufig Probleme gemacht hat. „Es war vorher schon nervig. Ich würde mir wünschen, dass die Bahn dann wenigstens nach den Bauarbeiten pünktlich ist.“

Noch deutlicher wird Efti aus Ründeroth. Die 43-Jährige arbeitet in einer Kita und pendelt jeden Tag mit dem Schienenersatzverkehr nach Köln. Die tägliche Fahrt dauert für sie inzwischen 45 Minuten länger. Trotzdem fällt ihr Urteil über den Schienenersatzverkehr insgesamt positiv aus. „Der Bus kommt immer und ist meistens pünktlich. Also lieber fahre ich mit dem Schienenersatzverkehr als mit dem Zug.“ Denn auf die RB25 sei ohnehin kaum Verlass gewesen. „Der Zug ist regelmäßig ausgefallen und hatte immer Verspätung.“ Verständnis für die monatelange Sperrung hat Efti schon lange nicht mehr. „Fünf Monate finde ich einfach zu lang.“ Ihr Fazit fällt entsprechend hart aus: „Von mir aus kann die RB25 in der Versenkung verschwinden.“

Während der Bus über die A4 in Richtung Köln rollt, sitzen viele Fahrgäste schweigend auf ihren Plätzen. Manche telefonieren, andere schauen eine Serie oder dösen mit Kopfhörern im Ohr vor sich hin. Wirklich begeistert wirkt kaum jemand. Doch die meisten haben sich offenbar damit arrangiert.