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Interview

Ferchau
Gummersbacher Unternehmen beschleunigt seit 60 Jahren Veränderungen

4 min
Frank Ferchau im Porträt.

Frank Ferchau ist Sohn des Firmengründers Heinz Ferchau. Er trat vor 30 Jahren ins Unternehmen ein, das heute 10.000 Beschäftigte hat.

Heute hat der Technologiedienstleister 10.000 Mitarbeiter. Wir sprachen mit Frank Ferchau über diese Entwicklung und das, was noch folgen soll.

Ferchau wird 60 Jahre alt, was bedeutet das für Sie?

So ein Datum begegnet einem ja nicht jeden Tag, und man trägt es ja auch nicht mit sich herum. Dafür sind die aktuellen Herausforderungen nicht einfach und stehen hier immer im Vordergrund. Aber ich bin natürlich schon sehr, sehr stolz auf unser Unternehmen, auf die Leistung, die wir ja alle jeden Tag seit 60 Jahren erbringen.

Als Ihr Vater Heinz das Unternehmen gegründet hat, waren Sie ein kleiner Junge. Was haben Sie von den Anfängen in Erinnerung?

Da war das erste Büro im Denkmalweg, später dann ging es in die Hohe Straße und die Schützenstraße. Ich habe noch die Zeit erlebt mit den großen technischen Büros, den Ingenieuren, die weiße Kittel trugen. Das ist echte Geschichte. Und von daher sind wir auch ein Teil der Veränderung der Technologien in den letzten 60 Jahren.

Ferchau wuchs damals schnell, schon bald gab es erste Filialen, warum?

Der zentrale Grund war der fehlende Anschluss ans Autobahnnetz. Wir brauchten   mehr Nähe zum Kunden. Heute könnte man das zum Teil digital oder virtuell lösen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich mit meinem Eltern hinten im VW Käfer bei der Fahrt durchs Aggertal verbracht habe, irgendwo zwischen Engelskirchen und Bergisch Gladbach.

Sie sagen über Ferchau, dass Ihr Unternehmen Fortschrittsbeschleuniger ist. Was heißt das?

Wenn jemand einen innovativen Vorschlag macht, stößt er eine technologische Veränderung an. Dann wird daraus ein Projekt. Wir als Ferchau sind immer Teil eines Projektteams. Und weil wir unseren Kunden helfen, ihre Projekte schneller zu verwirklichen, sind wir ein Veränderungsbeschleuniger. In den Technologiebranchen Deutschlands und Europas unterstützen wir dabei, Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Ob die in der Luftfahrt ist, bei Verteidigungsthemen oder in der Raumfahrt: Wir haben fast überall unsere Finger mit im Spiel. Und das aus Gummersbach, darauf bin ich stolz.

Welche Rolle spielt für Sie die Nähe hier zur Technischen Hochschule?

Mir ist es wichtig, dass wir in diesem Land zu mehr technologischer Offenheit kommen, dass wir technologischen Entwicklungen eine Chance geben. Das heißt, Dinge ausprobieren, aber auch Rückschläge in Kauf nehmen. Und ich würde mich freuen, wenn wir für die Basisfächer wie Informatik, Maschinenbau oder Elektrotechnik mehr Frauen gewinnen könnten.

Sehen Sie einen Widerspruch in dem, was Ingenieure seit Jahrzehnten machen, nämlich entwickeln, und dem Einsatz künstlicher Intelligenz?

Ich glaube, man versucht in Deutschland einen Widerspruch zu konstruieren. Ich sehe da keinen. Es geht darum, produktiver zu werden. Vor 30 Jahren hat es 10 bis 15 Jahre gedauert, ein neues Auto zu bauen. Heute dauert die Entwicklung weniger als drei Jahre. Am Ende münden neue Technologien stets in Produktivitätsfortschritte.

Sie sprachen eben das Thema Verteidigung an, wie weit ist Ferchau im Bereich Rüstung unterwegs?

Das ändert sich gerade dramatisch. Veränderungen im Automobilbereich führen dazu, dass es einen Abbau an Entwicklungsressourcen in Deutschland gibt. Das bedeutet für uns, dass wir neue Branchen akquirieren, die unsere Auslastung sichern. Wir sind dadurch sozusagen ein Trüffelschwein der Technologiekonjunkturen: Wir interessieren uns immer für den nächsten Trend ist. Tatsache ist, dass ein Teil der Kapazitäten, die im Automobilbereich aktuell nicht nachgefragt werden, in den Bereich Verteidigung gehen.

Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, dass man die Fähigkeit haben muss, loszulassen. Sie selbst sind im Jahr 2025 in die Position des Chairman der Ferchau-Gruppe gewechselt. Hat das Loslassen geklappt?

Ich habe in dem Interview auch gesagt, dass man auch die Fähigkeit haben muss, Neues zu machen. Und dieses Thema finde ich gerade in unserem Unternehmen total interessant. Meine Aufgabe ist es, Veränderungen zu erklären. Das ist mein zentraler Job.

Sie sind vor 30 Jahren ins Unternehmen eingestiegen. Gibt es Überlegungen, dass eine dritte Generation in das Familienunternehmen Ferchau einsteigt?

Ich selbst nehme das gar nicht so wahr. Aber die Kolleginnen und Kollegen registrieren, dass es was anderes ist, nicht in einem börsennotierten Unternehmen sondern in einem Familienunternehmen zu arbeiten. Natürlich wünscht man sich, dass die Familie auch in der dritten Generation unternehmerischen Einfluss ausübt. Man muss sehen, in welcher Form sich das in der Zukunft abbilden lässt.

Der Name Ferchau war in all den Jahren eng verbunden mit dem VfL Gummersbach. Wie erleben Sie den Verein aktuell? Was sagen Sie als Sponsor?

Das ist eine Geschichte, die auf beiden Seiten geschrieben wird. Dass es möglich ist, heute immer noch in der Region Außergewöhnliches zu schaffen, die bemerkenswert sind, beeindruckt mich. Es würde mich freuen, wenn das weiter gelingen würde, aus der Region Impulse für Europa zu setzen.

In den letzten 60 Jahren haben Sie sich immer zu Gummersbach bekannt. Wenn Sie neue Mitarbeiter gesucht haben, war das nicht immer ein Vorteil.

Ich habe immer gesagt, steh’ zu deinen Wurzeln. Das ist auch heute so. Wir haben Werte wie Verbindlichkeit, Bodenständigkeit und Offenheit. Das passt gut hierhin. Das passt gut zu diesen Menschen. Alles hat Vor- und Nachteile. Nicht jeder findet einen Arbeitgeber toll, der seinen Hauptsitz in Gummersbach hat. Und vermutlich werden wir da auch offener werden, dass wir bestimmte Bereiche irgendwo anders platzieren. Aber ich finde es wichtig, zu wissen, woher man kommt. Offensichtlich teilt dieses Werteverständnis die Mehrzahl der Menschen, die teils seit 30 Jahren bei uns arbeiten.

Wo sollte in Ihren Augen die Ferchau-Gruppe in fünf oder in zehn Jahren stehen?

Ich bin zuversichtlich, dass wir auf europäische Dimensionen vorstoßen werden. Und ich würde gerne in der Tradition einer Firma Steinmüller für die Weltmärkte arbeiten.