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SondertarifKreis subventioniert ab dem 1. Juni Kurstreckenfahrten mit dem Bus in Oberberg

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Die Ovag hat im Frühjahr 2023 den Einsatz von Wasserstoffbussen in Oberberg getestet.

In Oberberg sollen mehr Menschen auf den Bus umsteigen. Massive Preissteigerungen wirken da kontraproduktiv, fürchtet die Kreispolitik.

Der Kreistag hat grünes Licht für einen speziellen „Oberberg-Tarif“ gegeben. Allerdings fällt die Absenkung geringer aus als geplant. 

Der Kreistag hat grünes Licht für einen speziellen „Oberberg-Tarif“ gegeben, der ab dem 1. Juni dieses Jahres für Busfahrten zwischen zwei oberbergischen Kommunen gelten wird. Für diesen Sondertarif werden künftig 4,50 Euro fällig – das sind 60 Cent mehr als in der bisherigen Tarifstufe 2a, aber auch ein Euro weniger als in anderen Regionen des Rheinlands. Der Kreis subventioniert damit die Kurzstrecken-Fahrten im Oberbergischen und federt Härten ab, die sich durch die für Juni angekündigte Tarifstrukturreform der Verkehrsverbünde Rhein-Sieg (VRS) und Aachener Verkehrsverbund (AVV) ergeben.

Mehreinnahmen der Ovag reichen nicht aus

Wie bereits berichtet, wollen die Verbünde die jetzigen VRS-Preisstufen 2a, 2b und auch 3 zur neuen Stufe 2 zusammenfassen (Ticketpreise bislang zwischen 3,90 Euro und 7,40 Euro), die dann 5,50 Euro kosten wird. Verglichen mit dem übrigen Rheinland ist die Gruppe der Kurzstreckenfahrer in Oberberg allerdings sehr hoch, fast 40 Prozent der Oberberger nutzen aktuell die Preisstufe 2a.

Eine Erhöhung von 3,90 auf 5,50 Euro würde für sie das Busfahren um rund 41 Prozent verteuern – Ovag, Kreistag und Verwaltung waren sich einig, dass das ein ganz falsches Zeichen in einer Zeit wäre, in denen man die Verkehrswende schaffen möchte. Vor wenigen Wochen waren Ovag und Kreisverwaltung allerdings noch davon ausgegangen, dass man den Sondertarif für runde vier Euro anbieten könnte. Finanziert werden sollte dies durch den Verzicht der Ovag auf Mehreinnahmen im Zuge der Tarifreform.

320.000 Euro aus dem Kreishaushalt

Neue Berechnungen hatten aber gezeigt, dass zumindest für die zweite Jahreshälfte 2026 die Mehreinnahmen für diese Preissenkung nicht ausreichen werden – damit müsste die Kasse des Kreises einspringen. Das wird sie nun auch, allerdings wird das Einzelticket gegenüber der ursprünglichen Planung nicht um 1,50 Euro auf vier Euro, sondern nur um einen Euro auf 4,50 Euro abgesenkt. Den oberbergischen Haushalt kostet das 320.000 Euro (statt 480.000 Euro).

Die Menschen müssen mehr Bus und Bahn fahren. Das wird nix, wenn die Preise immer weiter steigen.
Johanna Weber (Linke) im Oberbergischen Kreistag

CDU-Fraktionschef Thomas Jüngst sprach im Kreistag von einem „vernünftigen Ausgleich zwischen den Kundenwünschen und dem Haushalt des Kreises“. Auf Antrag der SPD wird der Sondertarif zudem auf zunächst ein Jahr beschränkt. Keine Mehrheit bekam der Antrag von Linken und Grünen, die sich eine Subventionierung auf vier Euro gewünscht hatten. „Die Menschen müssen mehr Bus und Bahn fahren. Das wird nix, wenn die Preise immer weiter steigen“, argumentierte Johanna Weber (Linke).

Auf der anderen Seite stimmte die FDP grundsätzlich gegen ein Einspringen des Kreishaushalts. Man verschiebe die Mehrbelastung nur zeitlich nach hinten, fand Sebastian Franken. Ausdrücklich erhielt die Ovag von der Kreistagsmehrheit den Auftrag, intensiv für die App eezy.nrw zu werben, die Sparpotenzial bietet, im Oberbergischen aber kaum genutzt wird. Für die AfD hielt Bernd Rummler dagegen, dass seine Fraktion sich an der „Promotion für die App“ störe. Einen günstigen Tarif müsse es auch in Papierform geben.