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Firmen fordern RückhaltebeckenAggerverband erteilt Maßnahme an der Leppe aktuell eine Absage

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Ortstermin mit Firmenvertretern und Bürgermeistern an der Stelle wo die Leppe auf das Firmengelände von Schmidt + Clemens trifft.

Ortstermin mit Firmenvertretern und Bürgermeistern an der Stelle wo die Leppe auf das Firmengelände von Schmidt + Clemens trifft.

Nach dem Jahrhunderthochwasser ergriffen die Unternehmen im Leppetal die Initiative. Sie wollen mehr Hochwasserschutz, jetzt gibt es Ärger.

Fünf Jahre ist es her, dass das Jahrhunderthochwasser auch in Oberberg für massive Überschwemmungen und hohe Schäden sorgte. Betroffen war auch das Leppetal mit seinen Industrieunternehmen. Die Leppe richtete bei den Firmen einen Schaden von rund 15 Millionen Euro an. Es sei eine sehr hohe Belastung für die Betriebe und ihre Mitarbeiter gewesen, die alle mit angepackt hätten, um die Schäden zu beseitigen.

Längst haben die Meili Germany GmbH (früher Ahle Federn), Chr. Höver & Sohn, Schmidt + Clemens sowie die Rolf Kind GmbH, die insgesamt rund 900 Mitarbeiter beschäftigen, ihr Möglichstes getan, um ihre Firmen vor einem nächsten Jahrhunderthochwasser zu schützen. Mobile Sperren wurden angeschafft, wie Lars Niemczewski, Leiter Unternehmenskommunikation bei S+C bei einem Ortstermin zeigt. Auch die Infrastruktur wurde angepasst. Zum Ortstermin waren neben Vertretern der vier Unternehmen auch die Bürgermeister Sven Engelmann (Lindlar) und Sebastian Heimes (Marienheide) gekommen.

Alles bereits vorgeplant

Für die ist der Hochwasserschutz ein aktuelles Thema. In verschiedenen Gesprächen mit den Bürgermeistern aus Lindlar, Marienheide und Engelskirchen, dem Aggerverband, dem Kreis und der Bezirksregierung wurde das Thema Retentionsflächen erörtert, so Niemczewski. Die vier Firmen beauftragten ein Büro mit einem Gutachten zur Wiederbelebung des Projektes Regenrückhaltebecken. Es sei sogar mal eine Talsperre im Leppetal geplant gewesen, informierte Markus Kind, Geschäftsführer der Rolf Kind GmbH.

Auch ein vom Aggerverband in Auftrag gegebenes Gutachten komme zu dem Schluss, dass oberhalb der Firma Meili Germany ein Regenrückhaltebecken möglich sei. Naturschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht, die erforderlichen Grundstücke befinden sich im Besitz des Aggerverbands und auch die Umwidmung der Flächen sei erfolgt.

Von Schreiben des Aggerverbandes überrascht

„Es ist alles vorgeplant“, betonten die Unternehmen. Umso überraschter waren sie, als sie Ende April einen Brief des Aggerverbandes erhielten, der bislang der Politik nicht bekannt war. „Eine erfolgreiche Fortführung des Vorhabens ist daher aktuell nicht vorstellbar“, heißt es da. Das Schreiben klinge so, als wolle der Aggerverband das Projekt aufgeben, weil die bürokratischen Hürden so hoch seien.

Das sei so nicht richtig, sagt Aggerverbands-Vorstand Uwe Moshage. Der entscheidende Punkt sei die Förderung und damit die Finanzierung. „Der Aggerverband hat mit seiner fachlichen Expertise ein Fachbüro beauftragt und den Planungsprozess begleitet, die Partner über die Ergebnisse der Untersuchungen informiert und Gespräche mit dem Fördermittelgeber geführt. An den Kosten der baulichen Umsetzung ist der Aggerverband nicht zu beteiligten, da er nicht Nutznießer der Hochwasserschutzmaßnahme ist. Mit der Generierung von Fördermitteln sollten die Kosten für die Kostenträger minimiert werden. Gespräche mit dem Fördermittelgeber, die gemeinschaftlich geführt wurden, blieben jedoch erfolglos. Somit steht die Umsetzung des Vorhabens auf der Kippe“, so der Verband in einer schriftlichen Stellungnahme.

Retentionsbecken möglich, wenn die Finanzierung gesichert ist

Trotz der ungünstigen Voraussetzungen sei ein Becken möglich, wenn die Finanzierung gesichert sei. Rund neun Millionen würden die Kosten bei einem Rückhalteraum von 300.000 Kubikmetern und einer Dammhöhe von neun bis zehn Metern betragen, so der Aggerverband. Die Finanzierung sehen die Kommunen nicht bei sich. Kritik äußerten Firmen und Bürgermeister auch am risikobasierten Ansatz, der nicht berücksichtige, dass es bei ihnen um 900 Arbeitsplätze und 900 Familien gehe. Und das sei ja durchaus Gemeinwohl. Wenn die Betriebe betroffen würden, könnten entsprechen Arbeitsplätze verloren gehen und den Kommunen damit entsprechende Einnahmen.

Ums Geld geht es auf jeden Fall. Die angedachte 90-prozentige Förderung durch die Bezirksregierung sieht Moshage aktuell als unrealistisch an. Er verweist auf den regionalen Hochwasserschutzpakt für die Sieg als möglichen Weg.

Die beiden Bürgermeister haben zugesagt, Gespräche mit den Landtagsabgeordneten zu führen, um einen Weg zur Umsetzung des geplanten Rückhaltebeckens zu finden. Eine Hoffnung auf eine schnelle Lösung hat keiner der Beteiligten. Wenn ein Planfeststellungsverfahren erforderlich ist, und davon gehen sie aktuell aus, müsse man schon mit zehn bis zwölf Jahren rechnen. Da bleibt die Hoffnung, dass das nächste Jahrhundertwasser trotz des Klimawandels entsprechend lange auf sich warten lässt.