Für den 62 Jahre alten Karnevalsverein ist es eine Zäsur: 2026 wird es keine Sitzung geben. Der Vorverkauf lief ziemlich schleppend.
Kaum InteresseKarnevalisten aus Lindlar-Fenke sagen ihre Familiensitzung ab

Musiker von nebenan, wie etwa die oberbergische Band Six Pack, waren bei der Fenker Sitzung stets gesetzt. Offenbar zieht das nicht mehr.
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Während im Lindlarer Zelt am Samstag noch einmal groß gefeiert wird, bleibt die sechs Kilometer entfernte Bühne der Scheelbachhalle am kommenden Wochenende duster. Der Karnevalsverein Rot-Weiss Fenke verzichtet auf seine für Samstag, 7. Februar, geplante Familiensitzung – auf den Plakaten prangt inzwischen allerorts ein orangefarbener Streifen. Abgesagt!
Zäsur für die Fenker Karnevalisten
Mit Blick auf den arg schleppenden Kartenvorverkauf hat der KV-Vorstand die Reißleine gezogen. 400 Kostümierte hätten in Scheel ein Plätzchen gefunden. „Für 100 Menschen lässt sich eine Sitzung aber nicht wirtschaftlich umsetzen. Und auf das große Gedränge an der Abendkasse zu setzen, schien uns unrealistisch“, berichtet der Vorsitzende Michael Frangenberg.
Für den 62 Jahre alten Verein bedeutet das eine echte Zäsur. Krieg, Pandemie oder Unglücke, die das ganze Dorf betroffen machten – in der Vergangenheit brauchte es schon Gründe aus der Schwergewichtsklasse, um die Fenker zur Absage ihres Aushängeschildes zu bewegen.
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Kein Groll auf die Lindlarer
Was läuft hier anders als in Lindlar? „Dort hat die KG damals den Schritt hin zu richtig großen Sitzungen gewagt. Wir haben uns für den gemütlichen Karneval entschieden, für das Brauchtum“, sagt Frangenberg und will das als nüchterne Feststellung verstanden wissen, ohne Groll oder Vorwurf an die Nachbarn im Westen.
Tatsächlich hatten auch die Fenker für nächsten Samstag ein bunt gemischtes Programm vorbereitet, mit Tanzgruppen, Tollitäten und Bands aus Oberberg und dem Rheinisch-Bergischen. Auch Kölner Musiker sollten kommen, nur eben nicht die allererste Garde. „Dass die Leute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nur eine Sitzung besuchen, also einmal Geld ausgeben, aber dann auch alles gesehen haben, was Rang und Namen hat, ist verständlich“, findet Frangenberg.
Dass die Leute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nur eine Sitzung besuchen, also einmal Geld ausgeben, aber dann auch alles gesehen haben, was Rang und Namen hat, ist verständlich.
Und trotzdem wünscht er sich, dass der Karneval auch den kleinen Bühnen Raum lässt. Wo das Veedel nicht nur besungen, sondern gelebt wird. „Das trifft ja auch die Nachwuchskünstler. Wir haben unsere Sitzung immer als Bühne für neue Kräfte verstanden. Die Domstürmer etwa haben bei uns gespielt, als sie kaum jemand kannte“, erinnert sich der Vereinschef.
Fest steht: Zur Sessionseröffnung und auch beim Kinderkarneval vor zwei Wochen war das Fenker Vereinshaus prall gefüllt. Die Sitzung ist hingegen das Sorgenkind. Ob sich das in naher Zukunft wieder ändert? Michael Frangenberg ist skeptisch. „Dafür müsste sich der Karneval wieder in eine andere Richtung entwickeln. Und das sehe ich auf absehbare Zeit nicht.“

