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GastronomiePiemonteca schließt nach zwölf Jahren ihre Pforten

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Zwei Männer und eine Frau stehen um ein dekoratives Holzfass und lächeln in die Kamera.

Das Gesicht der Piemonteca, Simone Lux, zusammen mit ihrem Ehemann Heinz-Günter Lux (l.) und ihrem Sohn Felix Geuer.

Simone Lux schließt Ende März ihr Restaurant Piemonteca, bleibt der Gastronomie aber erhalten.

Eigentlich erwartet man einen anderen Anblick, wenn man die alte Holztür der Altenbrücker Mühle oder des Restaurants und Hotels Piemonteca öffnet. Das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus in Overath-Steinenbrück lässt ein uriges Ambiente vermuten. Mit dunklen, schweren Möbeln und einem Duft, der an die längst vergangenen Zeiten erinnert, in denen man drinnen noch geraucht hat.

Stattdessen wird man von freundlichen Farben mit modernen Möbeln in Empfang genommen. Handgemalte Bilder, die mediterrane Landschaften zeigen, vollenden das gemütliche Ambiente. Das gestalterische Geschick kommt von Simone Lux, die das Restaurant seit zwölf Jahren führt und seit 2024 auch den Hotelbetrieb mit drei Zimmern übernommen hat. Dabei lässt sie sich nichts aus der Hand nehmen: Das Menü, das Kochen, Einkaufen, die Weinberatung, ein regelmäßiger Newsletter und vieles mehr übernimmt die Chefin persönlich. Nun wird es für sie Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ende März wird sie die Piemonteca schließen.

Anstoß kam vom Ehemann

„Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, sagt Lux, aber ein wenig Trennungsschmerz deutet sich doch in ihrem Gesicht an. Schließlich widmete sie in den vergangenen zwölf Jahren einen Großteil ihrer Zeit dem Restaurant. Dass es dazu gekommen ist, ist ihrem Mann und Inhaber der Piemonteca, Heinz-Günter Lux, zu verdanken. Nachdem er sich ein Bild von ihren Kochkünsten machen konnte, wusste er, „dass mehr Menschen in den Genuss kommen sollten“, wie er sagt.

„Nachdem ich lange für meine vier Kinder da war, bin ich zurück ins Kaufmännische, was zwar nicht mein Ding war, aber ich glaube, ich hätte den Job behalten.“ Wenn da nicht ihre bessere Hälfte gewesen wäre, der sie mit einer langen SMS aus dem Urlaub ermutigte, einen Betrieb zu eröffnen. Womit er nicht rechnete: Simone war überhaupt nicht erfreut. „Zwei Kinder sind schließlich noch zur Schule gegangen.“ Doch als ein Plakat am Fenster der Altenbrücker Mühle zu sehen war mit den Worten „zu vermieten“, sei alles ganz schnell gegangen.

Als Weinhandel gedacht

„Eigentlich war es als Weinhandel gedacht, für Weine aus dem Piemont, aber Simone meinte, dass das für die Leute von hier zu weit weg ist und man sie mit etwas anderem überzeugen muss. Indem man ihnen zum Wein etwas zu Essen reicht“, blickt er zurück. Gesagt, getan. Wie ein Schwamm habe sie alles Wissen, das sie über Literatur oder den Austausch mit anderen aus der Branche gewinnen konnte, aufgesaugt. Zuvor studierte sie Ernährungswissenschaften, schloss das Studium aber nicht ab. „Aber interessiert habe ich mich dafür schon immer.“

Und das zeigt sich an ihrem Konzept. Lux bietet jeden Monat andere Gerichte an und kauft für maximal zwei Tage ein, um später nichts entsorgen zu müssen. Wenn doch Lebensmittel übrigbleiben, können ihre Gäste mittwochs und donnerstags ein Überraschungsmenü mit drei Gängen für 49 Euro bestellen. An ihre Gerichte hat sie klare Ansprüche: Sie sollen gesund sein, die Zutaten regional und saisonal und vor allem sucht sie die Herausforderung. „Ich habe während der Pandemie auch privat für Leute gekocht. Das heißt, ich habe mit dem Gastgeber vorher ein Menü erarbeitet, bei ihnen gekocht und die passende Weinberatung gegeben.“ Dabei habe es einmal eine Dame mit einer Liste voller Allergien gegeben. Für Simone Lux kein K.o.-Kriterium, sondern ein Ansporn. Für ihre maßgeschneiderten sechs Gänge habe die Dame 89 Euro gezahlt.

Eine Frau schaut lächelnd in die Kamera, während sie zurückgelehnt in einem Stuhl sitzt.

Zwölf Jahre lang hat Simona Lux in der Piemonteca gekocht, gestaltet und ihre Gäste Willkommen geheißen

So ganz nebenher hat Lux auch an der Fernsehsendung „Mein Lokal, dein Lokal“ auf Kabel Eins teilgenommen und den ersten Platz belegt und half auch dem neuen Pächter der Kultkneipe „Klausmann“ in Bensberg bei der Erarbeitung eines Küchenkonzeptes.

Lux' Leidenschaft scheint auch den Nachwuchs angesteckt zu haben, denn ihr Sohn Felix Geuer ist selbst seit zehn Jahren Koch und hat bei einem zweijährigen Aufenthalt in Australien in sieben Restaurants gearbeitet. „Bis zur Schließung bleibe ich noch hier in der Piemonteca und danach gehe ich für ein Jahr nach Kanada.“

Freude am Beruf erhalten

Trotz der guten Erfahrungen und Bereicherungen: Die zwölf Jahre hatten es in sich. Eine Pandemie mit Auflagen für Gäste und Personal, ein Rohrbruch in der Küche und Personalmangel haben ihre Spuren hinterlassen. Bevor Lux also die Freude an ihrem Beruf verliert, wie sie erläutert, orientiert sie sich um.

Was genau sie in Zukunft machen wird, kann sie noch nicht genau sagen. Eines ist sicher, sie wird ihrer Kernkompetenz, dem gesunden Kochen, treu bleiben. „Das kann heißen, Kochkurse zu halten oder ich habe auch noch ein Manuskript in meiner Schublade, vielleicht beende ich das erstmal“, überlegt sie laut. Sie könne sich auch vorstellen, als Gastronomieberaterin aktiv zu sein oder sich für Piemonteca-Abende buchen zu lassen. Der Eindruck, den man von Lux schon nach kurzer Zeit hat, lässt vermuten, dass sie nicht nur einer Sache nachgehen wird.

Mehr Zeit für die Familie

Bis ihre neuen Tätigkeiten feststehen, genießt Lux ihre Freizeit. „Ich werde Felix in Kanada besuchen, darauf freue ich mich schon und im Sommer wird mein drittes Enkelkind erwartet.“ „Und, dass man die Abende auch nutzen kann, zum Essengehen oder auch länger Urlaub machen“, fügt Heinz-Günter Lux hinzu, der sich offensichtlich schon freut, mehr von seiner Frau zu haben.

Vor allem möchte sich Lux aber bei ihren Gästen bedanken, die dafür gesorgt haben, dass sie die Piemonteca so viele Jahre erfolgreich hat führen können. „Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, ihr Gastgeber zu sein.“ Derzeit steht laut dem Ehepaar Lux noch nicht fest, was danach in die Altenbrücker Mühle einzieht. Die Piemonteca an der Olper Straße 69 in Overath-Steinenbrück, Telefon (0171) 30 08 01 7, hat von Mittwoch bis Samstag jeweils von 17 bis 22 Uhr geöffnet.

www.piemonteca.com