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„Herbstmühle“Katholische Beratung in der Lindlarer evangelischen Kirche

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Eine Gruppe sitzt im Kreis.

Die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle – getragen vom Erzbistum Köln – bietet ihre Beratungen in Lindlar nun in Räumen des Jubilate-Forums der evangelischen Gemeinde an. 

Die psychologische Beratungsstelle „Herbstmühle“ empfängt dank einer ökumenischen Zusammenarbeit ihre Klienten künftig im Jubilate-Forum der evangelischen Kirchengemeinde.

Die Psychologische Beratungsstelle „Herbstmühle“ der Caritas hat schon seit rund 20 Jahren neben dem Hauptsitz in Wipperfürth auch eine Außenstelle in Lindlar. Dort waren die Berater viele Jahre lang im Alten Amtsgericht tätig, bis es   2025 verkauft wurde. „Dann sind die Mieten deutlich teurer geworden, so dass wir uns nach neuen Räumen umsehen mussten“, erklärt Markus Willmeroth, einer der beiden Geschäftsführer der Herbstmühle. Man habe sich mehrere Objekte angesehen, zunächst ohne Erfolg.

Bis Herbstmühle-Mitarbeiterin Annette Giesler an die evangelische Pfarrerin Jenny Scheier herantrat. Was denn mit dem Jubilate-Forum sei, so die Frage. Scheier berichtet: „Es hat ein bisschen Abstimmungsbedarf gebraucht, allerdings ist mein Pfarrbüro sowieso praktisch leerstehend, weil ich die meiste Zeit im Homeoffice arbeite. Und deswegen habe ich mich sehr gefreut, als die Anfrage kam.“ Der Übergang verlief schnell und nahtlos.

„Ökumenischer Handkuss“

„Am 23. Februar fand die erste Beratungssitzung in den neuen Räumen statt“, freut sich Angelika Schlütter, Verwaltungsleiterin im katholischen Kirchengemeinschaftsverband Lindlar. Die Zusammenarbeit sei ein „ökumenischer Handkuss“, wie der katholische Pfarrer Martin Reimer es ausdrückt. „Auch wenn es auf katholischer Seite anfangs etwas kontrovers aufgenommen wurde.“

Kein Problem für die evangelische Seite: „Für ist es besonders schön, dass die Ökumene lebendig ist“, sagt Marion Ritter, Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde. Auch der katholische Kreisdechant Christoph Bersch betont: „Es ist ein schönes Zeichen dafür, wie sehr wir zusammengehören, dass katholische und evangelische Menschen gemeinsam helfen wollen. Wir stehen alle zusammen fest dahinter.“.

Ein Drittel der Anfragen aus Lindlar und Engelskirchen

Zwei Räume hat man im Jubilate-Forum gemietet, im Beratungsraum sind die Herbstmühle-Mitarbeiter Norbert Broich und Annette Giesler mit zusammen einer ganzen Stelle von Montag bis Freitag in Lindlar vor Ort. „Damit decken wir etwa ein Drittel der Anfragen aus Lindlar und Engelskirchen ab. Der Rest muss den Weg nach Wipperfürth finden. Dort findet in der Zentrale auch die Terminvergabe statt, in Lindlar sind nur die Beratungen“, sagt Annette Giesler.

Außerdem gebe es immer donnerstagnachmittags von 15 bis 18 Uhr ein offenes Café für Mütter und Kinder in einem großen Aufenthaltsraum. Auch die Außenanlagen könne man im Rahmen der Herbstmühlen-Arbeit nutzen, sie müssten aber noch entsprechend hergerichtet werden.

Die Arbeit der Beratungsstelle Herbstmühle sei über die vergangenen Jahre nicht leichter geworden, teilt Leiter Thomas Köhler-Saretzki mit. „Die Anfragesituation ist deutlich gestiegen, wir haben längere Wartezeiten und können auch nicht mehr so viele Beratungstermine pro Klient anbieten – weil wir nicht genug Personal haben.“

Die Gründe für die gestiegene Nachfrage seien vielfältig, sagt Köhler-Saretzki und nennt   die Corona-Nachwirkungen, die angespannte Weltlage, Klimaangst, Sorge vor Krieg und die steigende Zahl von psychischen Erkrankungen als Beispiele.