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FußballKein Antrag von Gaststätten auf Public Viewing in Bergisch Gladbach

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Das Foto zeigt Bundestrainer Julian Nagelsmann

Das wird Bundestrainer Julian Nagelsmann wenig freuen: Die Aussichten auf Public Viewing sind in Bergisch Gladbach sehr gering

In Bergisch Gladbach liegt der Stadt noch kein von Gastwirten gestellter Antrag für Public Viewing auf öffentlichen Plätzen vor

Es geschah an einem lauen Sommerabend im Juli 2014. Tausende Gladbacher machten nach dem Sieg der deutschen Nationalkicker bei der Fußball-WM in Brasilien die Hauptstraße zur Fußgängerzone. Siegestrunken feierte die Stadt bis in den frühen Morgen den Finalsieg gegen Argentinien.

Keine Anfragen

Das Public Viewing auf dem Platz hinter dem Bürgerhaus Bergischer Löwe war der Knüller dieses Sommers. Gastwirt Alexander Voßler vom „Quirl’s“ hatte damals die Initiative ergriffen und mit großem finanziellen Einsatz die Fußball-Show ermöglicht Jetzt ist die Antwort der Stadt kurz und präzise. Anfragen der bekannten Gastronomen für ein öffentliches Public Viewing auf den städtischen Flächen und Plätzen gibt es bislang nicht.

Da das Ganze dann auch noch vom Ordnungsamt geprüft werden muss und nur noch wenige Tage bis zum Turnierstart am 11. Juni sind, darf man sich keinen Illusionen hingeben: Die Fußball-WM 2026 wird aller Voraussicht nach ohne das gemeinschaftliche Rudelgucken im Freien stattfinden. Alternativen wird es gewiss in den Biergärten oder den Pfarr- und Bürgersälen geben, mit einem aufgestellten Großfernseher für die Besucher. Aber ein Gefühl für alle in der Stadt kann dies nicht erzeugen.

Komische Spielzeiten

Vielleicht liegt es auch an den Spielzeiten. Oft wird ab 22 Uhr gekickt oder noch später, dafür ist die Zeitverschiebung zu den Spielorten in den USA verantwortlich, die Deutschen müssen zweimal zu dieser 22-Uhr-Zeit ran. Nachts um Mitternacht beim Public Viewing ist doch was anders als um 19 Uhr. Möglich wäre es aber, eine Sonderregel des Landes NRW gestattet das späte Angebot für alle Fußballfreundinnen und -freunde. Aber auch hier müsste die Stadt ausführlich prüfen.

Bis am Ende der Stempel auf den Unterlagen ist, ist ein umfangreiches Prozedere erforderlich. Außerdem: Lizenzen für Übertragungen sind mutmaßlich sehr teuer. Die FIFA als Ausrichter der „FIFA Fußball-Weltmeisterschaft“ schaut auf die Einnahmen, der Trend zur umfassenden Kommerzialisierung hat sich seit 2014 extrem beschleunigt. Vorstellbar wäre, dass beim Public Viewing auch nur das Sponsoren-Bier aus den Niederlanden in den Ausschank kommt oder bestimmte Werbetafeln in den Nachthimmel leuchten müssen.

Antragssteller müssten wohl Ausgaben im fünfstelligen Bereich vorschießen und darauf hoffen, dass die „Mannschaft“ weit kommt. 2018 und 2022 war aber schon in der Vorrunde nach drei Spielen Schluss. Richtiges WM-Gefühl kam damals nicht auf. Ein frühes Aus wäre für jeden Anbieter eine Katastrophe finanzieller Art. Und das Wetter müsste auch mitspielen natürlich. Vor 20 Jahren war der Trubel noch toller.

Mit Brasilien und Südkorea

Bei der WM 2006 „daheim“ hatten Teams aus Brasilien und Südkorea ihre Quartiere zeitweilig im hermetisch abgeriegelten Gladbacher Luxushotel Haus Lerbach. Pressevertreter aus aller Welt kamen zu den Übungseinheiten ins Stadion an der Paffrather Straße. Für zu neugierige Augen war vieles abgesperrt, wenn die Profis das Grün betraten und den Ball kreisen ließen. Kreis Rhein-Berg und Stadt hatten ein Pressezentrum aufgebaut, Texte gingen vom Stadion aus in alle Welt.

Damals war Bergisch Gladbach im absoluten Weltmeisterschaftsfieber, jedenfalls bis zum Aus im Halbfinale gegen Italien. Auf dem Konrad-Adenauer-Platz hatte damals ein Anbieter riesige Tribünen aufgebaut, gigantische Leinwände rückten das Spielgeschehen in den Mittelpunkt. Videowürfel und Lautsprechermasten schienen das Rathaus übertrumpfen zu wollen. Der Jubel über die Tore der deutschen Mannschaft sei bis nach Bensberg zu hören gewesen, versichern Zeitzeugen. Später stellte sich heraus, dass manches Finanzielle auf eher unsicherem Grund gestanden haben könnte. Die Stadt, die den zentralen Platz in der Stadtmitte zur Verfügung gestellt hatte, scheute danach vor erneuten Tribünen-Abenteuern zurück.

Zerfetzt im Sommersturm

Man überließ das Feld den städtischen Gastronomen, die in ihren Biergärten für Jubel und Trubel bei den WM-Turnieren sorgten. 2014 hatte ein Sommersturm für plötzliches Chaos gesorgt, eine Leinwand wurde durch Windstöße zerfetzt. Zuschauer waren beim Unfall nicht auf dem Veranstaltungsgelände gewesen. Auch für das jetzt anstehenden Turnier bleiben die Verantwortlichen im Rathaus ihrer Linie treu: Selbst als Anbieter eines eigenen Public Viewings wird die Stadt nicht in die Manege springen.

Und auch sonst schaut es nach einem Public Viewing auf öffentlichen Plätzen nicht aus. Einzig wenn die Biergärten groß sind und sich das Gelände für mehr als einen Großbildschirm eignet, könnte es halbwegs die WM-Gefühle von 2006 und 2014 geben. Aber dafür müssen die Fußballer erst einmal abliefern, und Deutschland gibt es bekanntlich 83 Millionen Bundestrainer.

Seit dem Treffen der Nationalspieler am Mittwoch mit Bundestrainer Nagelsmann laufen die Vorbereitungen für die Spiele gegen Curacao (14. Juni, 19 Uhr), Elfenbeinküste (20. Juni, 22 Uhr) und Ecuador (25. Juni, 22 Uhr).