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Nacht der TechnikViele Besucher sind neugierig auf Gladbach Industrie

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Blick auf einen Simulator für Lokomotiven bei den Deuta-Werken in Bergisch Gladbach

Blick auf einen Simulator für Lokomotiven bei den Deuta-Werken in Bergisch Gladbach

Zur Nacht der Technik öffneten zahlreiche Industrieunternehmen in Bergisch Gladbach ihre Tore

Ein Jahrzehnt „Nacht der Technik“ hielt am Freitagabend viele Interessierte bis zur Geisterstunde im ganzen Bergisch Gladbacher Stadtgebiet auf den Beinen, wo sich dieses Mal acht Unternehmen beteiligten, um Innovation, Produktion und Technik erlebbar zu machen. Am frühen Abend und vor den Toren der Deuta-Werke an der Paffrather Straße herrschte schon reger Andrang. Die Mitarbeiter, die ihre Gäste begrüßten, verteilten zunächst bunte Punkte, um sie so für die Führungen einzuteilen und den Betrieb einmal ganz nah unter die Lupe nehmen zu können.

Auch die Ausstellung der Firma, die Technik entwickelt, um Züge sicher zu machen, lockte. Wann kann man schließlich mal in die Rolle eines Lokführers schlüpfen? Möglich machten das gleich zwei Simulatoren, wo Anwendungstechniker Jens Eggert bei einem davon mit Rat und Tat zur Seite stand. „Dieser Simulator dient dazu, ein Produkt zu testen, ob es sich wie erwartet verhält.

Einmal Lokführer sein

Heute wollen wir den Menschen nahebringen, wie schwierig das für einen Lokführer ist, denn intern muss viel beachtet und bedient werden. Es ist nicht nur aus dem Fenster schauen“, so Eggert, bei dem die Interessierten Schlange standen. Darüber freute er sich sichtlich: „Dieses Projekt für die Zugsicherung ist neu und mein Lieblingsprojekt, in das ich komplett involviert bin. Mein Baby“, war er stolz, es bei der „Nacht der Technik“ präsentieren zu können.

tDann holte Tobias Kahl die Gruppe mit dem weißen Punkt zur Führung ab und führte sie zur Werkshalle, ehemals ein Baumarkt und für rund acht Millionen Euro komplett umgebaut. „Das ist für den Rheinisch-Bergischen Kreis was Besonderes, so eine Halle haben nicht viele“, machte er neugierig. Dort empfingen Sarah Krieger und Christoph Kutylo die Gruppe und erklärten detailliert die Leiterplattenfertigung, die dort stattfindet. „Die Platinen sind das Nervensystem für die Geräte.

Straßenkleidung verboten

Die Produktionslinie geht durch das ganze Gebäude“, demonstrierten sie Schritt für Schritt vom Balkon aus, denn die Produktion dürfen nur die 20 in der Halle eingesetzten Mitarbeiter des Betriebes betreten. „Hier ist nämlich keine Straßenkleidung erlaubt. Wir müssen elektronisch ableitende Schuhe und Kittel getragen. Die Schranke prüft das vorab und die Tür öffnet sich nur, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind“, erklärte Krieger, Leiterin der Gesamtfertigung und des Einkaufs. Zu Fuß oder mit dem Auto ging es weiter zu weiteren Unternehmen.

Nur einige hundert Meter weiter hatte die Belkaw ihr Türen geöffnet und demonstrierte Besuchern, wie der Strom vom Kraftwerk ins Umspannwerk und letztendlich in die heimische Steckdose gelangt. Und bei „Sutco“ konnten Interessierte Anlagenbau rund um Recycling- und Umwelttechnik hautnah erleben. Aber auch Shuttlebusse warteten, um die Teilnehmer der „Nacht der Technik“ an ihr Ziel zu bringen.

Besuch in Frankenforst

In Frankenforst waren die direkten Nachbarn Oerlikon Balzers, Spezialist für extrem dünne Beschichtungen für Werkzeuge und Bauteile, sowie das Unternehmen PJ Schulz gerüstet für Neugierige. Einen „technisch hochqualifizierten Spaziergang“ durch „PJ Schulz“ erwartete die Besucher am Böttcherberg, die in die Materie Dichtungs-, Schlauchleitungs- sowie Industrietechnik eintauchen konnten. An der Zeichenstation, ausgerüstet mit einem Quiz-Zettel, ging es los und Betriebsleiterin Sabine Kipke sowie Vertriebsleiter Frank Hilleringhaus führten persönlich durch den fast 90-jährigen Betrieb.

„Wie schön, dass du gekommen bist“, freuten sie sich über die Teilnahme von Till, der bald sein Duales Studium in BWL mit der Vertiefung Vertriebsmanagement bei „PJ Schulz“ aufnehmen wird und sich vorab die Werkshalle mit allen Maschinen ansah. Sieben Plotter standen dort bereit, mit denen Waldemar Wink und Erkan Hozer einen Vorgeschmack gaben, wie diese funktionieren - und gleich auch noch den Kölner Dom, Marienkäfer und Kaffeetassen als kleine Erinnerung an den Abend produzierten.

Stolze Betriebsleiterin

Was beim Besuch schnell auffiel: Die Duz-Kultur und viele junge Menschen im Team der rund 49 Mitarbeitenden. „Wir haben hier zehn Azubis. Kürzlich wurde ich zur Ausbilderin des Jahres gekürt“, berichtete die Betriebsleiterin stolz. Praktikant Fabian wartete an einer manuellen Stanzmaschine auf die Gäste, die dort aus Resten Dichtungsringe für den Vorrat verarbeiten durften.

„Wir haben immer 18.000 Artikel auf Lager“, zeigte Hilleringhaus das Kleinteillager, während Joel Bambi als Profi in der Schlauchwerkstatt sein Handwerk an die Interessierten brachte. „Es ist eine kleine Firma mit flachen Hierarchien, man kann was schaffen. Hier ist eine gute Mischung von Jung und Alt, um voneinander zu lernen, und die Branche ist eine Nische. Wir sind nahe an der Großstadt, und Berufsschule wie Studienorte sind nicht weit“, fasste Bald-Dualstudent Till seine Entscheidung für „PJ Schulz“ zusammen, voller Vorfreude auf seine neue Aufgabe.

Auch im Technologiepark in Bensberg brannte noch lange Licht und während sich die Nacht über die Stadt legte, wanderten die letzten Technikbegeisterten über das Gelände von Miltenyi Biotec, um alles rund ums Thema biomedizinische Forschung in sich aufzusaugen.