Vor 250 Jahren wurde der Friedhof angelegt. Der Zahn der Zeit hatte an den Grabsteinen genagt. Restaurator Thomas Sieverding sicherte sie.
RettungsaktionUralte Grabsteine an der Gnadenkirche in Bergisch Gladbach sind restauriert

Die Unterstützer des alten Friedhofs an der Gnadenkirche freuen sich über das Ergebnis der Arbeit von Restaurator Thomas Sieverding (links).
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Als Julie Zanders, die Witwe des Gründers der Papierfabrik Johann Wilhelm Zanders, 1869 feierlich zu Grabe getragen wurde, da endete mit ihrem Tod nicht nur ein Stück Firmengeschichte. Auch die evangelische Kirchengemeinde nahm Abschied von ihrem ersten eigenen Begräbnisplatz direkt östlich der Gnadenkirche.
Julie Zanders war die letzte Beerdigung, die hier stattfand, fortan bestatteten die Gemeindemitglieder ihre Verstorbenen auf dem neuen „Totenacker“ hoch oben über der Stadt auf dem Quirlsberg. Der kleine Friedhof unweit der Hauptstraße hat dennoch die Zeiten überdauert. Noch heute kann man den Grabstein von Julie Zanders und etliche weitere Grabplatten auf der verwunschenen kleinen Anlage finden, die inzwischen unter Denkmalschutz steht.
34 alte Grabsteine wurden vom Restaurator bearbeitet
Weil aber der Zahn der Zeit unerbittlich an den Kreuzen, Stelen und Grabplatten nagte, Inschriften kaum noch zu entziffern waren und Ornamente abplatzten, wurden alle 34 Grabsteine des Friedhofs nun fachgerecht restauriert. „Erst nach der Reinigung konnte man sehen, wie kaputt die Steine teilweise waren“, sagt Diplom-Restaurator Thomas Sieverding über die größtenteils aus witterungsanfälligem Sandstein gefertigten Grabsteine.
Sieverding und ein Mitarbeiter beseitigten in dreiwöchiger Arbeit unerwünschte Patina, schlossen Risse, behandelten abgeplatzte Stellen und ersetzten alten zementhaltigen Mörtel, offenbar Spuren einer unsachgemäßen Sanierung früherer Jahre, durch Kalkmörtel. So sollen die Grabsteine - wenn schon nicht bis zur Ewigkeit - dann doch wenigsten die nächsten Jahrzehnte gut überstehen.
Gemeinsame finanzielle Anstrengung zur Rettung des Friedhofes
„Solche historischen Friedhöfe sind weit mehr als eine letzte Ruhestätte. Sie können auch als Ort der Erinnerung, aber auch als ein offenes Geschichtsbuch betrachtet werden“, erklärt Architekturhistoriker Prof. Michael Werling. Um die verwitterten Steine zu retten, fanden sich im Frühjahr dieses Jahres sowohl die evangelische Kirchengemeinde von Bergisch Gladbach, der Förderverein des evangelischen Friedhofs Quirlsberg als auch der Verschönerungsverein Bergisch Gladbach e.V. zusammen.
Dabei habe besonders die frühe Finanzzusage des Verschönerungsvereins „wie ein Sprungbrett gewirkt, um es überhaupt zu machen“, sagt Irmtraut Schumacher in Vertretung von Kirchengemeinde und Förderverein. Der Verschönerungsverein Bergisch Gladbach e.V. übernahm 3.500 Euro, der Förderverein des evangelischen Friedhofs Quirlsberg ebenfalls 3.500 Euro, der Restbetrag in Höhe von 5.000 Euro wurde von der evangelischen Kirchengemeinde getragen. Auch die Untere Denkmalbehörde habe schnell und unproblematisch geholfen.
Der Friedhof wurde vor 250 Jahren beim Bau der Gnadenkirche angelegt
Der Friedhof wurde mit dem Bau der Gnadenkirche 1776/77 – also vor genau 250 Jahren – angelegt und bis 1870 genutzt. Vorher hatten die evangelischen Christen aus Gladbach ihre Toten in Mülheim am Rhein bestatten müssen, wo für sie auf dem dortigen Friedhof eine Ecke reserviert war. Die eigene Begräbnisstätte an der Gnadenkirche musste daher eine große Erleichterung gewesen sein.
Etwa 600 Menschen fanden hier ihre letzte Ruhe. Heute ist der alte Friedhof auch Zeugnis der Industriegeschichte des Ortes. „Hier haben fast alle in Bergisch Gladbach ansässigen Papiermacherfamilien ihre letzte Ruhestätte gefunden“, so Werling. Zudem sei der Begräbnisplatz „ein anschauliches Beispiel der Grabmalkunst von 1777 bis Ende des 19. Jahrhunderts“.
