Was war? Was kommt? Wir blicken zurück auf das Jahr 2025 und voraus auf 2026. Welche Projekte sind gelungen, welche gescheitert, wo stockt es noch? Wir schauen nach Marienheide.
Bilanz und AusblickWie bleibt Marienheide attraktiv?

Die Lingese- und die Bruchertalsperre ziehen viele Besucher an. Doch im Sommer galt wegen Blaualgen zeitweilig ein Badeverbot.
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2025 war ein Jahr, das für die Gemeinde Marienheide viele Veränderungen mit sich brachte. Unter anderem im Rathaus: Sebastian Heimes (CDU) wird mit mehr als 70 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt, trotz zweier Mitbewerber. Sein Amtsvorgänger Stefan Meisenberg war nach zwölf Jahren aus Altersgründen nicht noch einmal angetreten. Die CDU bleibt mit 44,1 Prozent der Stimmen stärkste Fraktion und holt alle Direktmandate – außer in Kotthausen, wo der SPD-Kandidat siegt. Die zweitmeisten Stimmen erhält die AfD (18,8 Prozent), die erstmals im Rat vertreten ist. SPD, Grüne, FDP und UWG müssen Verluste hinnehmen. Die Linke zieht mit einem Abgeordneten in den Rat ein.
Nach der Wahl beschließt der neue Rat, den bisherigen Ausschuss für Klima und Umwelt mit dem Bau- und Planungsausschuss zu vereinen. Das soll Doppelarbeit vermeiden und Bürokratie abbauen. Die Marienheider Grünen kritisieren dies scharf. Im März 2025 wird das neue Seniorenheim in Rodt mit 80 stationären Pflegeplätzen eingeweiht, nach über vierjähriger Bauzeit und vielen Verzögerungen. Einen herben Rückschlag gibt es im Frühjahr 2025 für die Gemeinde: Mit dem Ziel, mithilfe von mobilen Schwimmcontainern mehr Kindern Schwimmunterricht zu bieten, hat sich die Gemeinde für eine Teilnahme am „Narwali“-Programm der NRW-Landesregierung beworben. Seit 2008 gibt es in Marienheide kein eigenes Schwimmbad mehr. Der Kreissportbund Düren, der das Narwali-Projekt betreut, hat Marienheide bereits eine Zusage erteilt. Doch dann verzögert sich der Zeitplan. Erst im Nachhinein erfährt die Gemeinde, dass sie sich ein zweites Mal für das Narwali-Programm hätte bewerben müssen. Da diese Bewerbung aber nicht vorlag, bleibt Marienheide außen vor. Ein Trost: Die Bürgerstiftung Marienheide – großzügig unterstützt von der Firma Rüggeberg – fördert den Schwimmunterricht für Kinder.
Geplante Windräder sorgen für viel Diskussionen
Für viel Diskussionsstoff sorgen die Windkraftpläne an der Brucher Talsperre. Das Unternehmen Westfalenwind will auf einer Kalamitätsfläche am Nordufer vier 250 Meter hohe Windräder errichten. Die Gemeinde betont, dass sie keinen Einfluss auf die Ausweisung der Flächen und die Genehmigung der Anlagen hat. Die Gegner der Pläne schließen sich in einer IG Windpark Bruchertalsperre zusammen und sammeln Unterschriften gegen das Projekt. CDU, SPD und Grüne heben die positiven Seiten des geplanten Windparks an der Brucher hervor, UWG, FDP und später auch die AfD lehnen das Vorhaben ab. Das Thema Windkraft wird auch 2026 weiter für kontroverse Diskussion sorgen. Im Sommer 2025 sorgen die Talsperren erneut für Schlagzeilen. Ein trockenes Frühjahr und viel Sonne begünstigen die Ausbreitung giftiger Blaualgen in der Lingese und der Bruchertalsperre. Der Wupperverband verhängt daraufhin an beidem Gewässern im Sommer ein Badeverbot – bitter für eine Kommune, für die Tourismus eine wichtige Rolle spielt. In Gesprächen mit dem Wupperverband und dem Kreis will die Gemeinde Marienheide die Ursachen analysieren und mögliche Gegenmaßnahmen ergreifen. Im Oktober fällt der Wasserstand der Brucher noch weiter, der Füllstand beträgt nur noch 37 Prozent.
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Ein freudiges Ereignis ist dagegen die Einweihung des neuen Heilteichgeländes Ende Mai. Rund vier Millionen Euro wurden dort investiert, drei Viertel dieser Summe kamen vom Land NRW. In Scharen strömen die Marienheider zum großen Fest anlässlich der Wiedereröffnung. Mit einer Bühne und einem überdachten Pavillon, Rundwegen und mehreren Spielplätzen bietet das Gelände viele Möglichkeiten für Alt und Jung. Der Verein „Hei Aktiv“organisiert am Heilteich im Dezember einen Weihnachtsmarkt, der sehr gut angenommen wird. Zu den kulturellen Höhepunkten des Jahres 2025 gehört außerdem ein Konzert im Rahmen des Internationalen Klavierfestivals Lindlar, das erstmals auch Marienheide mit einbezieht. Ende August wird auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs in Kotthausen wilder Müll abgeladen, das sorgt für große Aufregung. Die Polizei verdächtigt zwei Männer aus Nümbrecht.
Das Marienheider Jugendzentrum „Blue Planet“ – getragen von der Arbeiterwohlfahrt – fristete jahrelang in den Räumen der Gesamtschule ein Schattendasein. Auf der Suche nach einem zentralen Standort wird man schließlich am Dr.- Oscar-Kayser Platz im Ortskern fündig. Im September 2025 wird das neue Jugendzentrum „Oscars“ eröffnet – eine Würdigung für Marienheides Ehrenbürger Oscar Kayser (1874-1959) und sein soziales Engagement. Mit Chill-Ecke, Tischkicker, Billard und Play-Station-Station bietet das Jugendzentrum viele Freizeitmöglichkeiten. Nebenräume des Oscars sollen auch Vereinen und Initiativen offen stehen. Auf große Resonanz bei der Generation 60+ stößt in Marienheide das „Zwar-Netzwerk“. Die Abkürzung steht für „Zwischen Alter und Ruhestand“. Die Idee: Mit Starthilfe der Caritas organisieren sich Frauen und Männer in Gruppen – um gemeinsam zu singen, zu wandern, Rad zu fahren oder zu philosophieren. Zu einem ersten Infotreffen im Januar 2025 kommen 120 Interessenten, Ende des Jahres ist „Zwar“ zum Selbstläufer geworden.

