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HandwerkAuf dem Hof der Grundschule in Marienberghausen bekommt Camilla neue Schuhe

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So geht’s: Roman Eßer setzt die Hufnägel, während Maja Laschinski den Hinterlauf hält. Und die Kinder von der Grundschule in Nümbrecht-Marienberghausen sehen fasziniert dabei zu.

So geht’s: Roman Eßer setzt die Hufnägel, während Maja Laschinski den Hinterlauf hält. Und die Kinder von der Grundschule in Nümbrecht-Marienberghausen sehen fasziniert dabei zu.

Der Hufschmied Klaus Laschinski war in der Nümbrechter Ortschaft zu Gast, um den Kindern zu zeigen, wie ein Pferd seine Hufeisen bekommt.

„Iiiihh, das stinkt aber“, war der Kommentar der rund 100 Grundschülerinnen und Grundschüler in der Nümbrechter Ortschaft Marienberghausen, als sie am Freitagvormittag auf dem Schulhof dem Hufschmied bei der Arbeit zusehen durften. Nicht wenige hielten sich die Nase zu, als eine Rauchwolke bei der Berührung des glühenden Eisens mit dem Huf aufstieg. Gespannt verfolgten die Kinder dennoch die Arbeit, dem Pferd neue Schuhe zu verpassen.

Hufschmied Klaus Laschinski aus Gummersbach-Hülsenbusch erklärte den Kindern die einzelnen Arbeitsschritte, während seine Tochter Maja und der Marienberghausener Hufschmied Roman Eßer diese an dem Kaltblut Camilla ausführten. Camilla ist eine 17-jährige Stute und war eigens für die Vorführung mit Sarah Friedrichs und ihrer Tochter Melina von einem Morsbacher Reiterhof gekommen.

In Nümbrecht-Marienberghausen müssen erstmal die alten Eisen runter

Laschinski berichtete, dass alle Pferde, die nicht nur auf einer weichen Weide unterwegs sind, Hufeisen benötigen, damit die Hufe auf dem harten Straßenbelag keinen Schaden nehmen. Zunächst müssen die alten Hufeisen abgenommen werden. Dafür werden die alten Nieten aufgeschlagen und das Eisen mit einer Hufeisenabnehmzange abgezogen. Im Anschluss wird der Huf mit einer speziellen Schneidezange gekürzt und die Fläche mit einer Raspel geebnet. Das ist vergleichbar mit dem Fingernägelschneiden und anschließendem Feilen.

Nun geht es darum, ein neues Hufeisen anzupassen. Dazu schiebt Laschinski den Rohling in den Schmiedeofen, bis er rotglühend ist. Der Fachmann betont: „Ein Hufeisen kann man prinzipiell auch kalt anpassen, aber heiß kommt es viel besser in Form.“ Nach dem ersten Versuch muss es noch einmal kurz in den Ofen und dann wird mit dem Hammer auf dem Amboss nachgebessert, bis es perfekt sitzt.

Schließlich wird das Eisen festgenagelt. Die oben austretenden Spitzen werden umgeschlagen und übergefeilt: „Das ist wichtig, damit sich weder Pferd noch Reiter daran verletzen.“ Mit dem Auftrag eines pflegenden Huföls ist die Behandlung beendet.

Der Heimatverein von Marienberghausen hat die Aktion für die Kinder auf die Beine gestellt

Initiiert worden ist die Aktion vom Marienberghausener Heimatverein. „Wir haben in der letzten Zeit Unmengen von historischem Material gesichtet, um es zu digitalisieren“, berichtet Eva-Maria Noß. Dabei sei ein Artikel aus dieser Zeitung um 1990 aufgetaucht, in dem der damalige Hufschmied Rolf Altwicker den Kindern seine Arbeit vorstellt: „Unter den Schülern war auch unser neuer Hufschmied Roman Eßer – da mussten wir etwas machen.“

Eßer bekennt, dass er nicht mehr genau wisse, ob er damals im dritten oder vierten Schuljahr gewesen sei. Zwar habe nicht die Vorführung sein Leben beeinflusst, aber der Kontakt zu Altwicker: „Er hatte seine Schmiede genau gegenüber unseres Hauses – als Kind bin ich sehr oft dort gewesen.“ Sein Vater hatte eine Kutsche und mehrere Pferde, wo er samstags beim Beschlagen mit dabei war: „Das war die Initialzündung.“

Roman Eßer hat später Hufschmied gelernt, in seiner Bundeswehrzeit war er bei den Gebirgsjägern in Bayern, dort hat er auch Esel und Maultiere beschlagen. Seit kurzem lebt er wieder in Marienberghausen und fährt mit seiner mobilen Schmiede durch die oberbergische Heimat, oft unterstützt von Maja und Klaus Laschinski. Die Frage, ob es hier überhaupt genügend Pferde gibt, beantwortet die Hufschmiedin: „Es gibt so viel zu tun, dass wir von morgens bis abends durcharbeiten können.“