Etwa 80 Bewohnerinnen und Bewohner haben sich jetzt versammelt, um das historische Hochzeitsfoto von Lina und Karl Romünder nachzustellen.
Kuriose AktionDas gleiche Bild aus dem Waldbröler Dorf Bladersbach – nur 100 Jahre später

Die Mode hat sich geändert: Exakt wie damals und genau an dem selben Ort haben sich jetzt die Bladersbacherinnen und Bladersbacher aufgestellt. Vor 100 Jahren war in der Waldbröler Ortschaft ein Hochzeitsfoto geschossen worden.
Copyright: Michael Kupper
Rund 80 Menschen haben sich an Fronleichnam in der Waldbröler Ortschaft Bladersbach zu einem Hochzeitsfoto aufgestellt. Zwar hat keiner der Anwesenden geheiratet, wohl aber exakt 100 Jahre zuvor: Am 4. Juni 1926 haben sich Lina (geborene Drinhausen) und Karl Romünder das Ja-Wort gegeben. Und damals haben sie sich inmitten einer Gesellschaft von mehr als 130 Gästen, darunter Lehrer Korbach und Pastor Meiswinkel, an genau dieser Stelle in der Waldbröler Ortschaft vor dem Haus an der Bladersbacher Straße 103 ablichten lassen.
„Sowohl das Gebäude als auch das Geländer auf der Terrasse vor der Eingangstür sind bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben“, erzählt die heutige Besitzerin Nadine Friederichs, Mathe- und Geschichtslehrerin am Waldbröler Hollenberg-Gymnasium und eine Enkelin der Brautschwester. Zudem ist es ihr Elternhaus: „Hier bin ich aufgewachsen.“ Die Idee, das alte Hochzeitsfoto mit den Nachfahren des Brautpaares und der Gesellschaft nachzustellen, kam von dem Bladersbacher Jochen Windgassen: „Ich sehe das Bild jeden Tag in meinem Treppenhaus, dort hängt es seit zehn Jahren.“

Das Original-Hochzeitsfoto aus Bladersbach, entstanden am 4. Juni 1926.
Copyright: Michael Kupper (Repro)
Wie es dazu kam, schildert seine Cousine Cornelia Romünder-Müller. Anlässlich der 700-Jahr-Feier des 320-Seelen-Ortes im Jahre 2016 seien unzählige alte Fotos gesichtet worden. Dabei war das Hochzeitsbild aufgetaucht und viele Familien hatten sich eine Reproduktion in ihr Haus gehängt, da die meisten von ihnen ihre Vorfahren darauf erkannt haben: „Das waren die Urväter der hiesigen Bevölkerung.“ Heidrun Schmeis-Noack, eine Enkelin des Brautpaares, sagt: „Jeder, der hier nicht von den Romünders oder Drinhausens abstammt, kommt von den Schumachers.“
Mit seinen 87 Jahren ist Kurt Romünde der ältestes auf der Neuaufnahme des Fotos aus Waldbröl-Bladersbach
Mit 87 Jahren ist Kurt Romünder der älteste Anwesende. Sein Vater war ein Neffe des Bräutigams und ist als 17-Jähriger auf dem Foto zu sehen. Lebhafte Erinnerungen hat Romünder an die Winter nach dem Zweiten Weltkrieg: „Damals sind wir oben vom Jagdhaus bis hinunter zum Vereinshaus im Ort mitten auf der Straße Schlitten gefahren – heute undenkbar.“ Das sei auf der knapp einen Kilometer langen Strecke mit einem Höhenunterschied von 60 Metern aber auch damals nicht immer ohne Blessuren abgegangen: „Da hat sich so mancher etwas gebrochen, wenn er in den engen Kurven gegen einen Baum geknallt ist.“
Ebenso intensive Erinnerungen hat Andreas Braun aus Drinhausen, seine Mutter ist eine geborene Romünder. Nach dem Fototermin ist er in den Stall im Keller des Hauses gegangen: „Seit 40 Jahren war ich das erste Mal wieder dort.“ Er berichtet, dass es darin mit den Futtertrögen und Viehtränken noch genauso aussieht wie damals: „Da kommen mir die Tränen.“ Als Kind sei er oft in dem Stall gewesen und habe bei der Versorgung geholfen.
Jetzt ist er der letzte noch melkende Nebenerwerbslandwirt in Waldbröl: „Die Liebe zu den Tieren hat mir Opa Ferdinand mitgegeben.“
