Was war? Was kommt? In dieser Serie blickt die Redaktion zurück auf das Jahr 2025 und voraus auf 2026. Heute im Blick: die Stadt Waldbröl.
Bilanz und AusblickIn der Marktstadt Waldbröl wächst eine neue Mitte

Auf dem früheren Merkur-Gelände mitten in der Stadt Waldbröl geht es zügig voran. Hier zu sehen ist der neue, inzwischen auch asphaltierte City-Radweg. Das Foto ist von November 2025.
Copyright: Jens Höhner
Markthalle und Marktgelände, Merkur-Flächen und Mobilstation: Große Projekte haben in der Marktstadt Waldbröl offenbar ein ganz großes „M“ im (Arbeits-) Namen, bis auf die Mobilstation sind diese Projekte Teile des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts „Innenstadt Waldbröl 2030“. Bevor sich der Chronistenblick aber auf die Mitte richtet, darf er schweifen gen Niederhof: In dieser Ortschaft macht seit dem ersten Juli-Wochenende bringt der Skate- und Bikepark jeden in Schwung, der auf Rädern unterwegs ist – und das Alter ist egal, erlaubt ist, was Spaß macht (und niemanden in Gefahr bringt, versteht sich). Seither erfreut sich die knapp 5000 Quadratmeter große Anlage an der alten Klus wachsender Beliebtheit, nicht nur aus Oberberg.
Sicherlich das schönste Projekt, mit dem die junge Marktstadt zuletzt aufwarten kann – ist es doch hervorgegangen aus einer Initiative der städtischen Realschule bereits im Sommer des Jahres 2019.

Zur Eröffnung des neuen Waldbröler Skate- und Bikeparks strömten im Juli Hunderte auf das Gelände an der alten Klus.
Copyright: Dennis Börsch
In die Freude über diese Freizeitattraktion aber mischt sich nur einen Monat später das Bedauern, dass der Gastronom Guido Hartmann die Kultgaststätte „Zur Klus“ aufgeben und bei Reisen im Ruhestand das Weite suchen möchte – ein Nachfolger für das urige Haus und den Biergarten seien bis heute nicht gefunden, bedauert der nun 69-jährige Ur-Waldbröler auf erneute Nachfrage, seit 1990 führt er den beliebten Bikertreff und das Ausflugsziel im Grünen. „Bis alles verkauft ist, mache ich weiter“, verspricht er. Wer sich dort etwas traut, kann sicher viel gewinnen – für Gastro-Frischlinge aber scheint das Ensemble eher wenig tauglich.
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Zurück in die Mitte. Während es auf dem früheren Merkur-Gelände und auf dem Boden der Mobilstation an der Friedenstraße merklich vorwärtsgeht, wächst alles, was mit dem grau-tristen Marktplatz und der Brandruine der alten Markthalle zu tun hat, im vergangenen Jahr nur auf dem Papier – um dann prompt wieder zu schrumpfen, weil die Politik weniger Geld ausgeben möchte als das Rathaus vorschlägt, zu groß ist die Angst vor einem dicken Minus in der Stadtkasse. So beschließt der Stadtrat in dieser letzten Sitzung für 2025, auf einige der geplanten Elemente auf Marktplatz zu verzichten: Zwei Millionen Euro, so der politische Wille, darf die Stadt für die anstehende Sanierung und die Neugestaltung der etwa 4000 Quadratmeter großen Flächen ausgeben.
Die Außenbereiche der neuen Markthalle für Waldbröl fallen wohl kleiner aus als zuvor geplant
Die Pläne dafür liefert das Kölner Büro Club L 94, das im September 2017 bereits in Waldbröl einen Planungswettbewerb für eben denselben Stadtraum gewonnen hat und Motive aus den Skizzen von damals, etwa Reminiszenzen an den Bergischen Dreiklang – Schiefergrau, Weiß und Grün – erneut aufgreift. Hinzukommt nun aber ein Spielplatz, der das traditionelle Marktgeschehen widerspiegelt. Das klingt nach einer tollen Idee für diesen zentralen und so wichtigen Ort.
Ebenfalls auf Kölner Reißbrettern, nämlich bei den Architekten im Büro Form A, entsteht die neue, multifunktionale Markthalle. Deren Außenanlagen, also die Schnittstellen zum weiteren Marktgelände, müssen allerdings ohne einen kleinen Park, den Secret Garden, ebenso auskommen wie ohne einen kleineren Veranstaltungsplatz: Die Politik zückt den Rotstift und reduziert die Kosten von vormals mehr als 1,2 Millionen auf nun 675.000 Euro, Freiflächen und vorerst wohl mehr Grün sind also das Ergebnis. Rund 4,83 Millionen Euro soll derweil die neue Halle selbst kosten.
Auf dem früheren Merkur-Gelände in Waldbröl tummeln sich nun Kinder und Jugendliche bei Sport und Spiel
Etwas mehr als ein halber Kilometer (Luftlinie), aber deutlich mehr Bewegung, liegen zwischen der Mitte des Marktplatzes und dem, was einmal die Merkur-Brache war: Seit August dürfen Kinder und Jugendliche den Abenteuerspielplatz dort und den benachbarten Parkourplatz erobern – was auf dem Planerpapier zuvor den Namen „Grünzug-Ost“ getragen hat, heißt derzeit und vorläufig „City-Park“ – und meint eine kleine Oase für nicht nur sportliche Auszeiten. Die erreicht man zum Beispiel über den nahezu fertiggestellten City-Radweg oder auch mit dem Bus: Gleich gegenüber dient an der Friedenstraße die neue, ebenso fast fertige Mobilstation als Drehscheibe im Nahverkehr. Es ist die erste von insgesamt fünf geplanten Stationen.
Rein in die Mitte, raus der Mitte. Im März muss das „Kaufhaus für Alle“ den angestammten Standort an der Brölbahnstraße wegen des anstehenden Verkaufs die Immobilie verlassen, es zieht in die Räume eines Getränkemarkts dicht an der Grenze zu Hermesdorf, am 1. April ist Eröffnung. Mehr Platz, mehr Ware, mehr Kundschaft: Der Umzug aus der Not erweist sich für das Unternehmen um Geschäftsführer Frank-Peter Twilling als Glücksfall.

Die Dechant-Wolter-Straße in Waldbröl heißt ab sofort „Zum Klösterchen“. Aus rechtlichen Gründen muss der alte Name noch ein Jahr hängen bleiben. Dieser erinnert an den Dechant Emmerich Wolter, der dem Erzbistum Köln zufolge zum Kreis mutmaßlicher Täter gerechnet wird. Er soll sich an Kindern sexuell vergangenen haben.
Copyright: Felix Becher/Stadt Waldbröl
Aus der Mitte der Marktstadt verschwinden soll derweil auch der Name von Pfarrer und Dechant Emmerich Wolter (1898 – 1976), den auch das Kölner Erzbistum zum Kreis mutmaßlicher Täter rechnet, die sich an Kindern und Jugendlichen sexuellen vergangen haben sollen. Im März folgt die Politik dem Ergebnis einer Befragung und tauft die nach ihm benannte Straße „Zum Klösterchen“.
In den Jahren von 1945 bis 1973 steht Wolter in Diensten der Pfarre St. Michael, die zum Jahreswechsel Mittelpunkt des katholischen Lebens in Oberbergs Süden wird: Die Seelsorgebezirke „An Bröl und Wiehl“ und Morsbach – Friesenhagen – Wildbergerhütte verschmelzen zur Großpfarrei St. Michael und St. Gertrud, die Verwaltung wird eben in Waldbröl angesiedelt.
Das sei ein rein rechtlicher Akt, der die Strukturen des Gemeindelebens schlanker machen soll, betont der Morsbacher Kaplan Markus Brandt als Pfarrverweser. Doch ob das die Kirche zurückbringt in die Mitte von gut 17.000 Gläubigen im Kreissüden, das erscheint so manchem eher fragwürdig.
Eine Zäsur ist zudem die Kommunalwahl im September – auch in Waldbröl. Alte Mehrheiten kippen, im September zieht die rechtsgerichtete AfD in den Stadtrat ein, als zweitstärkste Kraft mit neun Sitzen nach der CDU (elf). Die AfD habe einen Schattenwahlkampf geführt und ihren Kandidatinnen und Kandidaten kein Gesicht gegeben, klagt nicht nur der CDU-Mann Jürgen Köppe und beschreibt damit den nahezu unsichtbaren Wahlkampf der Partei, die in Waldbröl nur wenige Wahlplakate platziert hat. Auch danach agiert sie eher unauffällig – und verzichtet abseits des Rates auf Posten in Vorständen und Gremien.


