Neue Wege im Handwerk gehen wollen fünf junge Männer, die sich entweder selbstständig gemacht haben oder einen anderen Betrieb übernehmen.
HandwerkJungunternehmer aus Oberberg wollen sich den Herausforderungen gemeinsam stellen

Die jungen Netzwerker beim zwanglosen Austausch (von links): Benedikt Förtsch, Alexander Köhler, Leon Eiteneuer (aus Morsbach) und Nils Heim (alle anderen aus Waldbröl).
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„Die Handwerkergeneration vor uns hatte andere Strukturen, um Kontakte zu pflegen. Sie hatten die Vereine. Heute hat sich viel verändert, wir Jüngeren gehen andere Wege, schnellere, informellere“, stellt Alexander Köhler fest. Er ist kaufmännischer Leiter und Projektleiter bei der Waldbröler Dachdeckerei Hemmersbach und einer von fünf jungen oberbergischen Handwerkern, die sich in einem Netzwerk organisiert haben. Sie alle sind in einer ähnlichen Situation: Alle sind dabei, sich selbstständig zu machen, entweder einen Betrieb zu übernehmen oder zu gründen.
Der Austausch sei wichtig, finden sie, meist per Handy, gelegentlich aber auch bei persönlichen Treffen. Schnell wird klar, was ihnen das bringt: Zwei von ihnen haben sich gerade auf der „digitalBau“ Fachmesse in Köln über den Einsatz von IT auf Großbaustellen und neue zeitsparende Software fürs Büro informiert, während sich Noah Hemmersbach, der innerhalb der kommenden Jahre in der vierten Generation in die Betriebsleitung der Dachdeckerei einsteigen möchte, um die aktuellen Baustellen kümmert.

Noah Hemmersbach aus Waldbröl wartet das Gründach des Straßenverkehrsamts, das er selbst mitgebaut hat. Auch das gehört zu den Aufgaben des Dachdeckers.
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„Es gibt so viele Fragen, gerade beim Übernahmeprozess“, sagt Alexander Köhler. Rechtliche Fragen, steuerliche, die Bewertung von Umsatz und Gewinn, Fördermöglichkeiten, Investitionen, Kredite, die Bewertung von privaten Rücklagen, Sicherheiten. „Das ist ein Riesenaufwand“, weiß Elektromeister Nils Heim (24), der Anfang vergangenen Jahres den elterlichen Elektroinstallationsbetrieb in Waldbröl mit 15 Mitarbeitenden übernommen hat.
„Wir können Infos austauschen und uns gegenseitig vor Schaden bewahren“, betont Tischlermeister Benedikt Förtsch. Leon Eiteneuer, Maurer und Betonbaumeister aus Morsbach-Lichtenberg, ist am 1. Januar ins kalte Wasser gesprungen und hat den Betrieb übernommen, den sein Opa 1978 gegründet hatte. Er ist ein Praktiker, zu viele Hürden habe er gesehen, um an Fördermöglichkeiten zu kommen – und daher darauf verzichtet. Ein Thema, das in der Gruppe immer wieder aufkommt, ist die Beziehung zur älteren Generation, die 40 Jahre Erfahrung hat, in gewachsenen Strukturen verhaftet ist und häufig dem Wandel kritisch gegenübersteht.
Die Familie ist ein großer Faktor auch im Berufsalltag der jungen Oberberger
„Die Familie spielt immer mit rein“, hat der 27-jährige Eiteneuer erfahren, und Alexander Köhler weiß, wie schwierig Veränderungen sein können. „Da überlegen wir auch mal zusammen, ganz locker und vertraulich, wie es zwischenmenschlich besser gelingt.“ Positive Unterstützung ist angesagt, Miesmacher gebe es schon genug.
Natürlich hilft man sich im Netzwerk auch gern ganz handfest, wenn mal einer einen Steiger braucht, um Lasten 20 Meter hoch zu hieven, wenn auf der Baustelle schnell der Strom abgeklemmt werden muss, ein Bagger oder ein kleiner Kran gebraucht wird. Und auch die gegenseitige Empfehlung bei Kunden ist ein Vorteil des Netzwerks.
Alle fünf machen sich stark für das Handwerk. „Ich bin schon mit Helm und Weste morgens vor dem Kindergarten mit auf der Baustelle gewesen“, erzählt Leon Eiteneuer und lacht, und Dachdecker Noah Hemmersbach versichert, den besten Beruf überhaupt zu haben, „immer an der frischen Luft!“. So haben die fünf bei Berufsmessen einen gemeinsamen Stand, um andere junge Leute zu gewinnen und zu begeistern.
Ausbildung liegt ihnen besonders am Herzen. „Das ist gerade in Oberberg ein großes Thema. Im Handwerkernetzwerk in Köln gibt es andere Probleme, da geht es um Platz, auch um Parkplätze, und die Handwerkskammer leistet dort viel Unterstützung bei der Suche nach Personal. In Oberberg fallen wir da etwas hinten runter, wir müssen unsere eigenen Gegenpole schaffen und gemeinsam haben wir auch mehr Möglichkeiten, politische Kontakte zu knüpfen“, sagt Förtsch. Daher freuen sich die fünf Netzwerker über neue Mitglieder.
Wer Kontakt zum Netzwerk aufnehmen möchte, kann eine E-Mail schreiben an: b.foertsch@dertischler.info.

