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MusikAuf 20 Quadratmetern wartet in Waldbröl ein echtes Paradies auf Liebhaber von Vinyl

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Mit gebrauchtem Vinyl hat sich der Musikliebhaber Zarko Tubin in Waldbröl in die Selbstständigkeit gewagt und dort das Secondhand-Geschäft „Klangraum 33 1/3“ eröffnet.

Mit gebrauchtem Vinyl hat sich der Musikliebhaber Zarko Tubin in Waldbröl in die Selbstständigkeit gewagt und dort das Secondhand-Geschäft „Klangraum 33 1/3“ eröffnet.

Zarko Tubin hat seinen sicheren Job gekündigt, um im „Klangraum 33 1/3“ das zu tun, was er liebt: Musik hören und mit Schallplatten handeln.

Auf gerade mal 20 Quadratmetern hat Zarko Tubin ein echtes Paradies ausgebreitet. Eng sind dort die Wege, dicht an dicht stehen da hölzerne Kisten, unter schützender Klarsichtfolie lagert darin Musikgeschichte auf schwarzem oder buntem Vinyl. Etwa 5000 Schallplatten, so schätzt der 48-Jährige, gehören gerade zum Sortiment. Aus den Lautsprecherboxen flirrt eben noch die Querflöte von Jethro Tull, dann eilt Tubin zum Plattenspieler, lässt sphärische Elektro-Klänge des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi aus den Lautsprechern träufeln.

Keine Frage, der Mann aus Reichshof-Denklingen liebt, was er tut. Und das verkauft Zarko Tubin nun auch: Am 8. August vergangenen Jahres hat er mitten in Waldbröl den „Klangraum 33 1/3“ eröffnet, einen Plattenladen der alten Schule – zu haben ist dort allein gebrauchte Ware und eben nur Vinyl.

Das Musikgeschäft in Waldbröl ist zunächst als befristetes Projekt gedacht

„Das Datum der Eröffnung ist zudem unser Hochzeitstag“, verrät Tubin, selbst Sammler seit mindestens 25 Jahren, und betont, dass ihn seine Ehefrau Heike nicht daran gehindert habe, den Job bei einer Versicherung zu kündigen, um als Selbstständiger ins kalte Wasser zu springen, und das ausgerechnet mit Musik. „Bis zur Rente hätte ich es in meinem alten Beruf nicht ausgehalten.“

Tubin macht jedoch keinen Hehl daraus, dass dieses Geschäft ein oft mühsames ist. Den Stundenlohn rechne er sich lieber nicht aus. „Der Laden ist zunächst ein Versuch bis zum 8. August dieses Jahres: Mache ich keinen Verlust, bleibt er offen“, schildert der Vater eines Kindes und ergänzt: „Doch wer zu mir kommt, der kauft meistens dann auch etwas. Und wie Arbeit fühlt sich das alles nicht an, weil ich so viele nette Leute kennenlerne.“ Den eigenen Geschmack könne er nicht beschreiben: „Eigentlich höre ich alles.“

Das Projektalbum „Mammut“ von 1971 ist derzeit das seltenste und auch teuerste Stück im Sortiment von „Klangraum 331/3“ in Waldbröl.

Das Projektalbum „Mammut“ von 1971 ist derzeit das seltenste und auch teuerste Stück im Sortiment von „Klangraum 331/3“ in Waldbröl.

Leicht zu entdecken ist der Klangraum 33 1/3 indes nicht: Wenige Meter bevor sich in der Stadtmitte die Kaiserstraße und die Hochstraße treffen, stehen arg verwinkelt ein paar Häuser, hindurch windet sich eine schmale Gasse, an der, rechter Hand, schließlich Tubins Laden zu finden ist.

„Schnuckelig ist das hier“, schwärmt der stolze Inhaber unter der niedrigen Decke, er mag die dicken Holzbalken daran. „Dreiunddreißigeindrittel“ ist übrigens die Zahl der Umdrehungen einer Zwölf-Inch-Langspielplatte in der Minute, bei einer Single (sieben Inch) sind es 45. „Leider rastet bei Bruchzahlen jeder Browser aus“, bedauert Tubin.

Apropos Internet: Eine Online-Präsenz gibt es zwar, aber der Handel läuft allein analog und persönlich, es gibt weder einen Shop im Datennetz, noch einen Versand. Nur Tubins Leitlinien und seine Regeln für An- und Verkäufe sind darauf nachzulesen. „Größere Sammlungen hole ich auch ab, sogar deutschlandweit“, betont der Musikliebhaber. Und wer mehrere Platten in Waldbröl loswerden möchte, der ist gebeten, einen Termin zu vereinbaren. „Ansonsten gilt: einfach vorbeikommen“, sagt Tubin und freut sich: „Ein gutes Gespräch über Musik gibt es immer.“

Für eine Handvoll Münzen gibt es in Waldbröl die eher gänigen Musikalben

Seine Preise macht er mit Hilfe diverser Sammlerportale, auch sei er gut vernetzt und besuche Sammlerbörsen, zum Beispiel die beliebte in Leverkusen. Studiert hat Zarko Tubin einst Betriebswirtschaftslehre.

Für eine Handvoll Münzen gibt es bei ihm stets die günstigsten, die gängigen Platten, für Raritäten und wahre Seltenheiten greifen Liebhaberin und Liebhaber auch mal ganz tief in die Tasche. So auch für das aktuell kostbarste Stück, das einzige Album des kurzlebigen Krautrock-Projekts Mammut.

1971 tun sich fünf deutsche Musikpioniere des progressiven Rocks in Villingen für wenige Wochen zusammen und setzen einen echten Meilenstein mit ihrem Werk, dessen Titel etwa „Shizoyd Mammut“ und „Nähgarn Mammut“ heißen und das in heutigen Ohren jedoch eher skurril klingt.

Berühmt geworden ist das Album vor allem aufgrund seiner Produktion, die als meisterhaft beschrieben wird. Das Portal Discogs weist dafür einen Durchschnittspreis von 1425 Euro aus, die Höchstsumme lag dagegen knapp über 3520 Euro.

In der Zeit zwischen 1990 und Anfang der 2000er Jahre seien wohl die meisten der heutigen Raritäten gepresst worden, erklärt der Fachmann aus Denklingen. „Denn in dieser Zeit konnte die CD die Platte kurz verdrängen.“ Als Vinyl-Nostalgiker will sich Zarko Tubin nicht verstanden wissen, es gehe ihm auch nicht ums Herunterfahren der digitalen Welt: „Der Sound einer Schallplatte strahlt so viel Gemütlichkeit aus“, nennt er seine Faszination an den dünnen Scheiben. „Hinzukommen die Haptik und die Optik eines Albums etwa.“

www.klangraum33.de