Mit 18 Jahren ist Gudrun Krause zum ersten Mal nach Paris gereist gereist. In Metz ist die heute 78-Jährige auf ein besonderes Stück gestoßen.
Mein liebstes UrlaubsmitbringselHölzernes Souvenir erinnert Waldbrölerin an ein Abenteuer

Gudrun Krause (78) aus Waldbröl nennt ein hölzernes Kästchen aus Metz (Frankreich) ihr schönstes Mitbringsel aus dem Urlaub. Gekauft hat sie dieses während einer Rast auf der Fahrt in die Traumstadt Paris.
Copyright: Jens Höhner
Zeit für Reisen gibt es nicht. Das Baugewerbe gönnt dem Geschäftsmann Wilhelm Steinhauer keinen Urlaub. Doch als die Nachbarin Lucette den Waldbröler fragt, ob sie sich dessen Auto für einen Ausflug borgen dürfe, lehnt Steinhauer nicht ab. Doch stellt er eine Bedingung: Wenn die Französin nach Paris aufbricht, dann sitzt seine Tochter Gudrun im Mercedes auf dem Beifahrersitz.
1967 ist das – und die 18 Jahre alte Gudrun Steinhauer startet in ein echtes Abenteuer. Und wenn sich die heute 78-Jährige daran erinnert, dann greift sie gern nach einem hölzernen Kästchen – türkisfarben ist es, rechteckig, mit kleinen, weißen und vielen anderen, größeren Muscheln bedeckt und – Pardon! – etwas kitschig. Für die Waldbrölerin aber ist es das schönste Mitbringsel aller Zeiten.

Kesse Pose: Die damals 18 Jahre alte Gudrun Steinhauer (heute Krause) sitzt auf der Motorhaube von Papas Mercedes. Mit diesem ist sie schließlich als Beifahrerin nach Paris gereist.
Copyright: Jens Höhner
Auf dem Deckel steht allerdings „Metz“. „Na, das habe ich in einem Souvenirladen gekauft – bei einer Rast während der Anreise, eben in Metz“, erklärt Gudrun, die heute Krause heißt und mit Ehemann Wolfgang (84) verheiratet ist. „Damals wollte Lucette unbedingt die Taufe ihrer Nichte Sandra erleben“, schildert die quirlige Seniorin.
Jene Lucette ist heute 90 Jahre alt und eine ihrer besten Freundinnen: „Ich kümmere mich um sie.“ Seit bald 70 Jahren lebt die Französin in der Mitte der Marktstadt, Täufling Sandra wird im Herbst übrigens 60 Jahre alt. „Und dann würde ich am liebsten wieder nach Paris reisen“, verrät Gudrun Krause.
Stolz ist sie, dass jenes Kästchen in den vielen Jahren nicht verlorengegangen ist. „Sogar das Schlüsselchen ist noch da“, freut sie sich. Im Inneren rappelt allerhand Krimskrams. „So oft wollte ich das gute Stück schon verschenken, doch habe ich es nicht übers Herz gebracht.“ Denn das Kästchen steht nicht nur für den allerersten Urlaub, sondern auch für ganz besondere Erinnerungen – „an den Eiffelturm, das Schloss Versailles und an die vielen anderen Sehenswürdigkeiten, die ich in Paris sehen durfte“, sprudelt es aus Gudrun Krause heraus.

Sogar den kleinen Schlüssel gibt es noch heute: Bisher hat es Gudrun Krause nichts übers Herz gebracht, sich von diesem Andenken aus Frankreich zu verabschieden. Schwarz-weiße Fotos erinnern die 78-Jährige an das große Abenteuer von damals.
Copyright: Jens Höhner
Prompt zückt sie schwarz-weiße Fotos, breitet diese auf dem Esstisch aus. Die Aufnahmen zeigen eine junge Oberbergerin in der Metropole an der Seine. Auf einem Bild posiert sie keck auf der Motorhaube von Papas Mercedes.
20, vielleicht 25 Jahre vergehen, bis es ein unverhofftes Wiedersehen mit der französischen Hauptstadt gibt: Gudrun Krause soll als eine der besten und erfolgreichsten Tennisspielerinnen Waldbröls von der Stadt in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums geehrt werden. Da findet auch eine Tombola statt – Hauptpreis: eine Tour nach Paris für zwei Personen mit Busreisen Benninghoff. „Und was soll ich sagen? Meine Losnummer wurde gezogen“, erzählt Gudrun Krause, die nun auch ihrem Wolfgang zeigen kann, was sie 1967 in Paris gesehen hat. Und mit Tochter Michaela besucht sie die Stadt später erneut.
In Waldbröl arbeitet die junge Frau im Büro des väterlichen Unternehmens
1967 absolviert die Waldbrölerin eine Ausbildung zur Industriekauffrau im väterlichen Betrieb, nachdem sie die Handelsschule beendet hat. Sie betreut das Büro, übernimmt die Lohnbuchhaltung. Lucettes Ehemann Karl Schmidt arbeitet bei Wilhelm Steinhauer als Polier, nach Aufgabe des Unternehmens zuletzt dann im Bauamt der Stadt Waldbröl. So kommen die damals 18-Jährige und ihre spätere „Chauffeurin“ in Kontakt.
Vor etwa 25 Jahren ist Ehemann Karl gestorben, seither sind Gudrun Krause und seine Witwe unzertrennlich. Die bekommt übrigens auch heute oft Besuch von Nichte Sandra. „Sandra und unsere Tochter Michaela haben sich früher immer auf Französisch unterhalten, das war eine tolle Übung“, findet Gudrun Krause. Und der einstige Backfisch schwärmt: „Ich bin Lucette so dankbar dafür, dass sie mich damals mitgenommen hat – was für eine schöne Reise.“ Wahrscheinlich sei es nur ein verlängertes Wochenende von Freitag bis Montag gewesen. „Das weiß ich leider nicht mehr. Aber diese Zeit ist unvergesslich.“
Die liebsten Urlaubsmitbringsel der Oberbergerinnen und Oberberger
Mit der Volksbank Oberberg haben wir Sie bei unserem Sommerwettbewerb 2026 nach Ihrem liebsten Urlaubsmitbringsel gefragt. Unsere Redaktion hat 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt, deren Geschichten wir nun in der Zeitung erzählen.
Nach den Sommerferien bestimmt eine Jury, welche der Teilnehmenden es auf die drei vorderen Plätze schaffen und welche auf die Ränge vier bis 20. Im Herbst werden die Finalisten in der Volksbank Wiehl geehrt.
