Jetzt geht’s los: Ab heute und bis zum Ferienende stellen wir die 20 Finalisten unseres Sommerwettbewerbs „Mein liebstes Urlaubsmitbringsel“ vor.
Mein liebstes UrlaubsmitbringselAnstecknadel steht in Wipperfürh für Frieden und Toleranz

Diese Anstecknadel ist heute im Besitz von Elisabeth Blumberg in Wpperfürth. Die Nadel trägt das Symbol der Weißen Rose von Yorkshire und steht für Frieden und Toleranz. Auf dem Foto daneben ist der Schotte Albert als junger Soldat zu sehen.
Copyright: Wolfgang Weitzdörfer
Manche Geschichten helfen dabei, den Glauben an die Menschheit ein Stück weit zu sanieren. Wie auch die, die hinter Elisabeth Blumbergs liebstem Urlaubsmitbringsel steckt. Mit ihr starten wir die 20 Geschichten unserer Leserinnen und Leser, die wir in unserem diesjährigen Sommerwettbewerb ausgewählt haben und nun in Ferien erzählen.
Die 63-jährige Wipperfürtherin blickt aus ihrem Wintergarten oberhalb der Grundschule St. Antonius auf den Ursprung ihres Urlaubsmitbringsels – das Haus ihrer Großeltern. Um die Geschichte zu verstehen, muss man in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg reisen. Auch wenn es auf dem Land nicht so viel Zerstörung gegeben hat wie in Großstädten, so war das Leben in den Jahren nach 1945 auch in Wipperfürth alles andere als leicht.

Elisabeth Blumberg (65) mit der Anstecknadel. Diese erinnert die Wipperfürtherin nicht nur an ihren Vater, sondern auch an den schottischen Soldaten Albert.
Copyright: Wolfgang Weitzdörfer
„Wir hatten hier in der Stadt nur kurz die Amerikaner als Besatzer, die dann schnell von den Briten abgelöst wurden“, erzählt Elisabeth Blumberg. Die Soldaten, ein schottisches Kontingent, brauchten Wohnraum und besetzten das Haus der Großeltern sowie das mittlerweile abgerissene Haus der Urgroßeltern von Elisabeth Blumberg – die Besitzer mussten ausziehen.
Allerdings, so berichtet die 63-Jährige aus den Erinnerungen ihres Vaters, der damals ein 15-jähriger Junge war, sei die Situation insgesamt friedlich gewesen. „Mein Vater sagte, dass die Schotten ihm gesagt hätten, dass sie zurück ins Haus kommen könnten, wenn sie von dort noch etwas brauchten. Und dann war da Albert, nur ein paar Jahre älter als mein Vater.“ Der junge schottische Soldat habe ihren Vater mit ins Offizierskasino geschmuggelt und insgesamt sehr gut behandelt. Die beiden Jungen freundeten sich sogar an, was ungewöhnlich genug war.
Der Kontakt zwischen Wipperfürth und Schottland bleibt auch in der Zeit nach der Besatzung bestehen
Der Kontakt blieb auch nach dem Ende der Besatzungszeit bestehen. „In den 1950er Jahren war Albert dann mit seiner Familie im Wohnwagen zu Besuch, ich habe hier Fotos von Spaziergängen an der Neye-Talsperre gefunden“, sagt Elisabeth Blumberg und zeigt auf die Bilder von damals.
1984 stirbt ihre Mutter, zwei Jahre später möchte ihr Vater in Urlaub fahren – Tochter Elisabeth schlägt einen Besuch bei Albert in Schottland vor. „Mein Vater war erst nicht so überzeugt, hatte Angst, wie wir Deutschen in Schottland aufgenommen würden. Aber nach einem Brief an Albert, der sehr herzlich war, sind wir für zwei Wochen nach Edinburgh und Inverness gefahren“, erzählt die Wipperfürtherin.
Albert lebte damals in Edinburgh, mittlerweile ist er verstorben, Elisabeth Blumbergs Vater ebenfalls. „Wir wurden von Albert und seiner Familie sehr herzlich aufgenommen – und alle Schotten war unheimlich freundlich zu uns. Ein Mann im Kilt präsentierte uns ganz stolz seinen Dolch, den er am Unterschenkel trug – Made in Solingen“, erzählt sie lachend.
Eine Ehepaar Yorkshire schenkt Vater und Tochter aus Wipperfürth die besondere Nadel
Bei einem Besuch in Alberts Club lernen Vater und Tochter dann ein älteres Ehepaar aus Yorkshire kennen. „Die haben uns den Anstecker der Weißen Rose von Yorkshire geschenkt. Der Hintergrund des kleinen Ansteckers geht auf den Rosenkrieg zwischen den Adelshäusern York und Lancaster aus dem 15. Jahrhundert zurück“, erklärt Elisabeth Blumberg. Trotz des fraglos kriegerischen Hintergrunds steht das Symbol für Toleranz und Frieden. „Das Paar sagte uns, dass wir mit dem Anstecker bei einem Besuch in Yorkshire von allen Leuten freundlich angesprochen würden.“
Das bleibt allerdings noch zu überprüfen, da die Wipperfürtherin es bisher noch nicht in die Grafschaft im Norden Englands geschafft hat. „Das habe ich aber fest vor. Mein Mann geht im kommenden Jahr in Rente, dann werden wir das sicherlich mal machen“, sagt Elisabeth Blumberg.
In Schottland ist die Wipperfürtherin indes immer wieder gewesen, zuletzt 2014.
Die liebsten Urlaubsmitbringsel der Oberbergerinnen und Oberberger
Mit der Volksbank Oberberg haben wir Sie bei unserem Sommerwettbewerb 2026 nach Ihrem ganz liebsten Urlaubsmitbringsel gefragt. Unsere Redaktion hat 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt, deren Geschichten wir nun in der Zeitung erzählen.
Nach den Sommerferien bestimmt eine Jury, welche der Teilnehmenden es auf die drei vorderen Plätze schaffen und welche auf die Ränge vier bis 20. Im Herbst werden die Finalisten in der Volksbank Wiehl geehrt.
