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Neues BuchOberbergische NS-Opfer bekommen eine Stimme

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Drei Männer und eine Frau zeigen ein Buch.

Bei der Buchvorstellung in Wipperfürth (v.l.): Marcus Dräger, Stefan Corssen, Elisabeth Klinkert und Erich Kahl. 

Zwei Geschichtsvereine geben Stefan Corssens Zeitungsserie „Dem NS-Terror auf der Spur“ als Buch heraus. Der Redakteur habe sich verdient gemacht.

Die Beiträge der Tageszeitung berichten in der Regel vom flüchtigen Zeitgeschehen und verlieren naturgemäß schnell an Relevanz. Bei Stefan Corssens Serie „Dem NS-Terror auf der Spur“ verhält es sich anders. In neun Folgen hat der im Wipperfürther Büro ansässige Redakteur unserer Zeitung seit 2023 von Opfern und Tätern, von Schicksalen und Verbrechen berichtet, die bis dahin weitgehend unerzählt waren. Und damit den Blick auf die regionale NS-Geschichte mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs neu geschärft.

Der Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth und die Oberbergische Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins haben sich darum entschlossen, die Zeitungsserie als Buch herauszubringen. Der schmale, um Bilder und historische Quellen ergänzte Band (89 Seiten) ist Jahresgabe für die Mitglieder, ab dem Wochenende für 5 Euro aber auch für jedermann im Buchhandel erhältlich. Am Dienstag haben die Vereine die Publikation im Wipperfürther „Hotel am Markt“ vorgestellt.

Ergiebige Quellen für Oberberg

Stefan Corssen erläutert im Vorwort, das er in Wipperfürth vorlas, die durchaus ergiebige Quellenlage: „Ein verzweifelter Brief an die Familie, gekritzelt auf der Flucht vor der Polizei. Der Steckbrief einer untergetauchten Kommunistin. Zeugenberichte von Folteropfern der Gestapo. Tausende solcher und ähnlicher Dokumente über den nationalsozialistischen Terror auf dem heutigen Gebiet des Oberbergischen Kreises haben sich in Archiven erhalten.“ Seine Beiträge, sagt Corssen, brächten einige dieser Quellen zum Sprechen.

Erich Kahl, Vorsitzender des Wipperfürther Heimat- und Geschichtsvereins, hält solche Forschungen und Veröffentlichungen für geboten „angesichts des Erstarkens rechtsextremer Gruppierungen, die wir uns früher nicht hätten vorstellen können“.

Kritik an Wipperfürther Stadtplanung

Kahl nutzte die Gelegenheit in Anwesenheit von Wipperfürths Bürgermeisterin Anne Loth, um auf vom Abriss bedrohte Gebäude hinzuweisen, darunter das ehemalige Wohnhaus der Familie Sueßmann an der Gaulstraße. „Das Haus jüdischer Opfer für einen Kreisverkehr abzureißen, würde ein seltsames Licht auf die Wipperfürther Erinnerungskultur werfen.“

Kahl dankte Elisabeth Klinkert aus dem Vorstand der Oberbergischen Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins für den großen Einsatz bei Lektorat und Drucklegung. Dessen Vorsitzender Marcus Dräger würdigte den Autor Corssen dafür, an der Schließung einer heimatgeschichtlichen Forschungslücke gearbeitet zu haben. „Es waren auch ganz normale Bürger vor Ort, die Repressalien erleiden mussten, nur weil sie anderer Meinung waren.“

Redaktionsleiter Arnd Gaudich hob den Mut hervor, sich diesem schwierigen Thema zu nähern, und die Ausdauer, mit der der Autor in vielen Archiven recherchiert hat.

Wolfgang Hasberg, Vorsitzender des Bergischen Gesamtvereins, zitierte den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel mit dem skeptischen Diktum, dass die Geschichte lehrt, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt haben. Dennoch sei es ein Verdienst, dass Stefan Corssen konkret nacherzählt hat, was man über die Geschichte des NS-Terrors in Oberberg bisher nur abstrakt wusste. Weitere Forschung sei nötig. „Sie sind einen wichtigen Schritt gegangen, wir müssen nachfolgen.“