200 Teilnehmende fordern sichere Schulwege in der Kreissstadt. Bürgermeister Kreutz verspricht weitere Schulstraßen
Bergisch GladbachKinder erobern bei der 10. Kidical Mass die Straßen zurück

In Bergisch Gladbach wächst der Widerstand gegen den alltäglichen Verkehr. Bei der „Kidical Mass“ forderten Eltern und Kinder daher lautstark ein Umdenken.
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Luis ist vier Jahre alt und hatte vor sechs Tagen Geburtstag. In seiner Kita gibt es Fahrräder, und er war sofort begeistert: Er wünschte sich ein blaues Fahrrad und einen Helm, wie ihn Downhill-Fahrer tragen. Seine Eltern erfüllten ihm diesen Wunsch, und Luis sieht nicht nur großartig aus, sondern fährt auch beeindruckend gut. Am Sonntag nahm er stolz an der 10. Kidical Mass in Bergisch Gladbach teil.
Nicht die Kinder sind das Problem im Verkehr, sondern die Kinder sind der Grund, warum wir unseren Verkehr in dieser Stadt ändern müssen.
„Diesmal starten wir am Marktplatz, fahren über den Driescher Kreisel nach Gronau und dann über die Hermann-Löns-Straße zurück durch den Tunnel“, erklärt Melanie Baierl vom Organisationsteam. Auf dem Hinweg stürzte sie, als sie einem Kind ausweichen musste, verletzte sich leicht, nahm es jedoch sportlich: „Kinder machen Fehler, genau wie wir. “
Dank der Bergisch Gladbacher Polizei, die die Strecke perfekt absicherte, konnte die Fahrt durch den Tunnel stattfinden. Polizeifahrzeuge sorgten dafür, dass die Kinder ohne Gegenverkehr fahren konnten. So konnte auch der vierjährige Luis, der zwar schon sehr gut Rad fährt, aber noch keine Orientierung im Straßenverkehr hat, sicher mitfahren. Sein Elan und seine gute Laune sind ansteckend. Auch bergauf.
Schulstraßen sollen mehr Sicherheit bringen
In der Kreisstadt Bergisch Gladbach wächst der Widerstand gegen den alltäglichen Verkehr. Bei der „Kidical Mass“ forderten Eltern und Kinder daher lautstark ein Umdenken. Das Prinzip ist einfach: Die Stadt muss sich den Schwächsten anpassen, nicht umgekehrt.
„Nicht die Kinder müssen sich an die Straßen anpassen, die Straßen müssen sich an die Kinder anpassen“, bringt es Jana Winkens auf den Punkt. Trotz der Hitze fuhr sie in einem Eisbärkostüm mit. Ihr Hebel für mehr Sicherheit: Schulstraßen. Autos müssen während der Hol- und Bringzeiten vor den Schulen weichen. Unterstützung erhielt sie von der Concordia-Grundschule. Kinder machen Fehler im Verkehr, zitierte Winkens den Schulleiter. Die Pflicht der Erwachsenen sei es, die Wege zu sichern, anstatt Unfälle zu verharmlosen und den Kleinsten die Schuld zu geben.
Ein Projektplan für die Schulen soll in Kürze im Mobilitätsausschuss folgen
Die Politik reagiert. Marcel Kreutz verkündete vor der Menge den notwendigen Paradigmenwechsel: „Nicht die Kinder sind das Problem im Verkehr, sondern die Kinder sind der Grund, warum wir unseren Verkehr in dieser Stadt ändern müssen.“ Kreutz fegte alle Zweifel an der Finanzierung oder dem politischen Willen vom Tisch. Das Projekt Schulstraße sei ein Erfolg und werde ausgeweitet. Für den Bürgermeister steht fest: „Das „Ob“ für Schulwegsicherheit, das „Ob“ für Schulstraßen in dieser Stadt steht nicht zur Disposition. “
Ein konkreter Projektplan für die Schulen soll im September im Mobilitätsausschuss folgen. Das Versprechen steht. Nun müssen Taten folgen, denn eine kinderfreundliche Stadt ist letztlich eine bessere Stadt für alle. Am Sonntag fuhr der Pulk mit viel Klingeln durch Bergisch Gladbach. Und immer wieder hörte man: „Wir sind viele, wir sind laut, weil man uns die Schulstraßen klaut! “
