Die Stadtpolitik und Bürgermeisterin Larissa Weber sagen Eva Rose und den Mitstreitern ihre Unterstützung zu. Ideen gibt es viele aus Escherhof.
Starker StraßenverkehrIn Waldbröl-Escherhof bangen Eltern um die Gesundheit ihrer Kinder

Sie fordern mehr Sicherheit in der Waldbröler Ortschaft Escherhof: Eva Rose (links), Markus Ohrendorf (Dritter von links) und Rainer Wirths (rechts) haben sich nun an die Politik gewandt.
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Wenn Eva Rose ihre Kinder Klaas (8) und Henriette (6) an Schultagen zur Haltestelle schickt, dann tut die 41-Jährige dies immer mit einem mulmigen Gefühl. Denn die Westerwaldstraße in der Waldbröler Ortschaft Escherhof ist stark befahren, auf ihrem Weg zum Bus müssen die Kinder die Fahrbahn mindestens einmal überqueren. Im Ort gilt zwar Tempo 50, doch lädt die Straße dazu ein, schneller zu fahren. Denn jenseits der Ortsgrenzen sind Tempo 70 und auch 100 erlaubt.
Jetzt haben sich Familien und Ehepaare aus Escherhof zusammengetan und sich jüngst an den Stadtrat gewandt – ihr Ziel: eine Querungshilfe auf der Westerwaldstraße, gerne auch bauliche Einschränkungen, häufiges Blitzen, am liebsten jedoch Tempo 30. „Auch würde es helfen, wenn jenseits unseres Ortes allein Tempo 70 angeordnet wäre, denn dann sind die Autos schon heruntergebremst, wenn sie ihn erreichen“, überlegt Eva Rose.
Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber sagt der Ortschaft Escherhof ihre nachdrückliche Unterstützung zu
In der Politik haben die Escherhoferinnen und Escherhofer bereits Gehör gefunden und große Zustimmung erfahren, Unterstützung bekommt die Schar von den Grünen: Deren Fraktion hat einen Antrag an die Stadtverwaltung gerichtet, der noch umfangreicher ist. Der Stadt sind jedoch die Hände gebunden: Die Westerwaldstraße ist eine Landesstraße (L 324), sie verläuft über fast dreieinhalb Kilometer zwischen der Morsbacher Ortschaft Erblingen und Escherhof bis nach Biebelshof. Auch Schnörringen mit der Schülersternwarte liegt daran.
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Zuständig sind damit der Oberbergische Kreis und in letzter Instanz der Landesbetrieb Straßenbau. Diesen hat das Waldbröler Rathaus inzwischen um Erlaubnis gebeten, alsbald ein digitales Messgerät aufhängen zu dürfen. Sie nehme die Sorgen aus dem Ort sehr ernst, versichert Bürgermeisterin Larissa Weber. „Offenbar belastet die Verkehrssituation viele Menschen und beeinträchtigt die Sicherheit, vor allem die der vielen Kinder“, sagt sie und verspricht, sich mit Nachdruck bei den Behörden für eine Lösung einzusetzen. Auch hat nun der Ausschuss für Bauen und Verkehr des Stadtrats Escherhof für seine Sitzung am 17. März 2026 auf der Tagesordnung (Bürgerdorf am Alsberg, Nümbrechter Straße 19, 17 Uhr).
Der Oberbergische Kreis sieht derzeit keinen Anlass, um in Escherhof zu handeln
Zurzeit sieht der Oberbergische Kreis indes keinen Anlass, die Unfallkommission tätig werden zu lassen. Die Strecke sei unauffällig, urteilt Sprecher Philipp Ising auf Anfrage und zitiert etwa die Unfallstatistik der Polizei: „Von Januar 2021 bis heute gab es 13 relevante Unfälle.“ Relevant bedeutet, dass Menschen zu Schaden gekommen oder gar getötet worden sind. Zuletzt sei 2020 eine Fahrradfahrerin in Höhe der Ortschaft Schnörringen getötet worden, ergänzt Ising, danach habe es keinen weiteren Unfall mit tödlichem Ausgang gegeben.
Das sei aber nur noch eine Frage der Zeit, glaubt Eva Rose. „Immer wieder sind wir als Ersthelfer im Einsatz oder als Unfallzeugen gefragt – 2016 zum Beispiel hatten wir ein Auto im Vorgarten und mussten danach eine Birke fällen.“ Mitstreiter Rainer Wirths hofft derweil auf einen festen Blitzer und setzt hinzu: „So schlimm wie in den vergangenen zehn Jahren war die Raserei nämlich noch nie: Kaum scheint die Sonne, ist Vollgas angesagt.“ Der Spitzenreiter soll 197 Sachen draufgehabt haben, oft würden auf der Strecke übrigens Wildtiere angefahren. Mehr als 40 seiner 62 Lebensjahre wohnt Wirths in Escherhof.
Rose und ihr Nachbar Markus Ohrendorf (48) haben – mit Unterbrechungen – mindestens ebenso viel Zeit dort verbracht. Sie teilen zudem ein Schicksal: Sie sind bei Unfällen Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre im Heimatort schwerstverletzt worden, lange lagen sie im Krankenhaus.
„Der Verkehr nimmt an Werktagen schlagartig zu ab 5 Uhr“, schildert Ohrendorf. „Und auch immer dann, wenn in den Industriegebieten in Waldbröl und Morsbach Schichtwechsel ist oder die Lastzüge dort starten.“ Er habe ebenfalls große Angst, wenn sich seine Kinder Niklas (10) und Leonie (8) auf den Weg zum Bus machen oder nach Hause kommen.
Nach Auskunft der Stadt leben derzeit 147 Menschen in Escherhof, davon sind 38 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 18 Jahren. Sechs weitere Kinder sind jünger.
Das sagt die Polizei zu den Unfällen in Waldbröl-Escherhof
Acht Unfälle hat es nach Angaben der Polizei in den Jahren 2024 und 2025 sowie bereits in diesem Jahr (bis 31. Januar) in den benachbarten Ortschaften Escherhof und Biebelshof gegeben. In fünf Fällen waren die Beteiligten im Auto unterwegs, in zwei Fällen auf dem Motorrad. In einem Fall kam zudem ein Pedelec-Fahrer zu Schaden.
Einmal, so teilt die Polizei mit, habe ein internistischer Notfall zu einem Unfall geführt, ein anderes Mal war es Glatteis. Auslöser der meisten anderen Kollisionen seien indes Unaufmerksamkeit und das Missachten der Vorfahrt. Oft war die Einmündung zum Lützinger Weg der Unfallort. Von überhöhter Geschwindigkeit ist im ausgewerteten Zeitraum nicht die Rede.
„In Bezug auf das Unfallgeschehen im Oberbergischen Kreis ist dieser Streckenabschnitt also nicht besonders auffällig“, sagt Polizeisprecher Marc Leporin.

