Abo

Tradition lebt wieder aufEin Fest für die große Vielfalt in Waldbröls Stadtteil Eichen

3 min
Tee aus dem russischen Samowar servieren Rita Wienna und Jakob Martens beim „Fest der Kulturen“ in Waldbröl-Eichen.

Tee aus dem russischen Samowar servieren Rita Wienna und Jakob Martens beim „Fest der Kulturen“ in Waldbröl-Eichen.

Der neue Vorstand der Bürgermeinschaft „Wir in Eichen“ will das Fest nach langer Pause wieder etablieren. Und sie hofft auf einen neuen Standort.

Wer Plov zubereiten will, der braucht Fingerspitzengefühl und Geduld. Viel Geduld. Und acht Kilogramm Reis, acht Kilogramm Möhren und acht Kilogramm Rindfleisch. Sechs Riesen-Zwiebeln haben Lilija und Andrey Schimpf zudem in den großen Topf gegeben, in dem Unmengen von Öl über brennenden Holzscheiten brodeln. Utschak, so heißt dieser Feuerofen. „Jetzt sind es nur noch 30 bis 40 Minuten“, sagt Andrey Schimpf. Dann kann das Ehepaar das usbekische Traditionsgericht servieren, vier Stunden Arbeit liegt schon hinter den beiden.

Da hat das „Fest der Kulturen“ am Samstagvormittag im Waldbröler Stadtteil noch lange nicht begonnen. Nun aber füllt sich der Wendehammer am Ende des Schwalbenwegs. Zuletzt hat die Bürgergemeinschaft „Wir in Eichen“ dieses 2019 ausgerichtet, der neue Vorstand des Vereins will es wieder fest im Kalender etablieren. „Früher waren wir als Helfer dabei, heute sind wir die Organisatoren – keine leichte Aufgabe“, sagt Peter Hildebrandt, neuer Vorsitzender. Und Alfred Wedel, neuer Geschäftsführer, nickt und ergänzt: „Die Stadt und der Bauhof waren uns eine große Hilfe.“

Auch einen Kinderflohmarkt gab es beim „Fest der Kulturen“ im Waldbröler Stadtteil Eichen.

Auch einen Kinderflohmarkt gab es beim „Fest der Kulturen“ im Waldbröler Stadtteil Eichen.

Gegründet worden ist die Bürgergemeinschaft 1994. Fast 14 Jahre hat Helmut Rafalski sie geleitet. „Zur Zeit der Gründung kamen die ersten Spätaussiedler – Ziel war es, die Menschen ins Gespräch zu bringen, Kontakte zu knüpfen, damit niemand alleine ist“, erinnert sich der 75-Jährige. Geschichte am Rand: An der Waldbröler Realschule ist Rafalski zunächst Lehrer von Peter Hildebrandt, später ist der heute 51 Jahre alte Lehrer ein Kollege von Rafalski und seit diesem Jahre Nachfolger als Vorsitzender der Gemeinschaft.

2282 Menschen aus 44 Nationen leben in Eichen. „Die Gegenwart ist keine leichte, wir wollen Zusammengehörigkeit zeigen – und die Vielfalt unserer Kulturen“, erklärt Hildebrandt. Mehr als Nationen zählt derweil der Kindergarten „Käthe Strobel“ der Arbeiterwohlfahrt. „Wir haben zurzeit 60 Kinder, die 17 Sprachen sprechen“, schildert Leiterin Stephanie Heukamp. Sie hält das „Fest der Kulturen“ für sehr wertvoll. „Hier bekommen Menschen ein Gesicht, man lernt sich kennen, man baut Vorurteile ab.“

Die Bürgermeinschaft „Wir in Eichen“ hat endlich einen neuen Standort in Aussicht

Neben dem Awo-Familienzentrum sind auch die Freien Christlichen Bekenntnisschulen, das Deutsche Rote Kreuz, die Bibelgemeinde und die Christen-Mennoniten-Brüdergemeinde bei dem Fest vertreten. Über Kuchen reichlich, bei Tee aus dem russischen Samowar von Rita Wienna und Jakob Martens oder eben bei deftigem Plov von Lilija und Andrey Schimpf kommt man auf dem Schwalbenweg ins Gespräch, dazu spielt Eduard Kitzmann die Panflöte.

Gute Nachrichten gibt es da auch in Sachen Ehrenamt: Nachdem zu Beginn dieses Jahres das stark frequentierte Nachbarschaftsbüro geschlossen worden ist, hofft die Bürgergemeinschaft jetzt, dass sie bald die ausrangierten und längst viel zu kleinen Container an der Eichener Straße verlassen und neue Räume beziehen kann für ihre Beratung und die Arbeit mit Kinder, zum Beispiel Nachhilfe und Malkurse. „Da tut sich etwas, aber es noch nicht ganz spruchreif“, verrät Peter Hildebrandt.