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BildungBekenntnisschulen drängen nach Waldbröl und kaufen frühere Fläche für Pflegecampus

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Das Schulzentrum der Freien Christlichen Bekenntnisschulen in Gummersbach ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Dazu gehören heute auch eine Sporthalle (rot), eine Hauptschule mit Sportplatz (blau) sowie schließlich das Hauptgebäude (grün), in dem Realschule und Gymnasium untergebracht sind.

Das Schulzentrum der Freien Christlichen Bekenntnisschulen in Gummersbach ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Dazu gehören heute auch eine Sporthalle (rot), eine Hauptschule mit Sportplatz (blau) sowie schließlich das Hauptgebäude (grün), in dem Realschule und Gymnasium untergebracht sind. 

Gebaut werden soll die neue Grundschule mit evangelischer Prägung im Stadtteil Eichen. Doch die Politik und die Schulleitungen haben Bedenken.

2028 könnte in Waldbröl eine neue Grundschule mit dem Unterricht starten. Zumindest sind das die Pläne der Freien Christlichen Bekenntnisschulen aus Gummersbach (FCBG), deren Trägerverein am Dienstagabend (10. Februar 2026) seine Pläne dem Ausschuss für Schule und Kultur des Stadtrats vorgestellt hat. Im Juni vergangenen Jahres bereits hatte sich Geschäftsführer Viktor Pritzkau grünes Licht vom Stadtrat geholt, um dieses Vorhaben im Stadtteil Eichen weiter auszuarbeiten.

Das Einverständnis erhielt er dann damals auch – mit mehrheitlichem Votum. Pikant: Im Rat bekommen die Schulen der Marktstadt gewöhnlich kein Gehör, im Fachausschuss jedoch schon.

Waldbröls Schulleitungen äußern ihre Bedenken und üben Kritik an Kommunikation

Und da äußerten Vertreterinnen und Vertreter sowohl der Grundschulen als auch der weiterführenden Schulen nun Bedenken – zumal die Stadt gerade die Gemeinschaftsgrundschule in Isengarten um einen Anbau erweitern lässt, in Hermesdorf ein Grundstück für neue Klassenzimmer gekauft hat und auch für den Standort am Wiedenhof eine Erweiterung ankündigt.

Die Schulleitungen sehen sich von diesem Vorhaben überrumpelt. Nadine Reuber, Rektorin der Hermesdorfer Grundschule, übte harsche Kritik an der Kommunikation, die Ausschussvorsitzende Jennifer Weber-Helzer (UWG) dann räumte auch ein, „dass da was schiefgegangen sei“. Klare Worte fand derweil Kirsten Wallbaum-Buchholz, die Leiterin der städtischen Gesamtschule: „Wir brauchen niemanden mehr, der da mitmischt.“

Schon im kommenden Jahr könnten in Waldbröl-Eichen die Bauarbeiten starten

Bauen möchten die FCBG ab 2027 in Eichen auf einem brachliegenden, noch nicht erschlossenen Grundstück an der Mecklenburger Straße. Dieses ist ein Teil jener Flächen, auf denen der Investor Thomas Baumann aus Frankfurt am Main mit seinem Unternehmen Secon Bau- und Boden-GmbH einen mehr als 28 Millionen Euro teuren Pflegecampus errichten wollte. Als Betreiber nannte er im November 2023 die Rheinbacher Emida-Residenzen Holding-GmbH. Ein Vertrag sei jedoch nicht zustande gekommen, betont Susanne Bakemeier vom Neubau-Management bei Emida-Residenzen auf Anfrage dieser Zeitung.

So sollte der Pflegecampus an der Thüringer Straße und Mecklenburger Straße im Waldbröler Stadtteil Eichen ursprünglich aussehen.

So sollte der Pflegecampus an der Thüringer Straße und Mecklenburger Straße im Waldbröler Stadtteil Eichen ursprünglich aussehen.

Der Investor war am Mittwoch (11. Februar 2026) für ein Statement zur Zukunft dieses Projektes nicht erreichbar. Unterdessen geht Bürgermeisterin Larissa Weber davon aus, dass der Campus weiterhin – mit nun reduziertem Umfang – realisiert wird. „Etwas Anderes ist uns nicht bekannt.“

Auf Nachfrage bestätigt Viktor Pritzkau, dass es um eben dieses Gelände in Eichen geht und der Verein rund 9000 Quadratmeter davon bereits gekauft hat. Voraussichtlich in diesem Jahr könne die Planung beendet werden. Er sehe eine neue Grundschule mit klarem Bekenntnis zum evangelischen Glauben als Bereicherung und wertvolle Ergänzung der Schullandschaft in Waldbröl, zumal es am Wiehler Standort keine Plätze mehr für Kinder aus der Marktstadt gebe. Dort seien die Kapazitäten mit eigentlich 52 Plätzen längst erschöpft.

Trägerverein kann Antrag für neue Bekenntnisschule in Waldbröl sozusagen auf kurzem Dienstweg stellen

Gleichwohl sei der Antrag für den Betrieb einer neuen Schule noch nicht bei der Bezirksregierung in Köln gestellt, so der Geschäftsführer. Die neue Schule in Eichen soll zunächst zweizügig starten mit 22 Kindern pro Klasse. „Wir schaffen aber nicht nur neue Kapazitäten, sondern locken sicher auch neue Familien nach Waldbröl“, ist Pritzkau überzeugt.

Bauchschmerzen bereitet der Politik überdies, dass sie in Zukunft nicht mehr angehört werden muss: Weil der Trägerverein der FCBG als Schulträger etabliert ist und bereits Standorte in Oberberg hat, reicht ein Antrag an die Bezirksregierung, um weitere Schulen zu eröffnen. Die Stadt sei da völlig aus dem Spiel bestätigte Hildegard Weber, zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus.

Finanziert wird der Betrieb einer solchen Ersatzschule, wie sie rechtlich geführt wird, zum einen aus öffentlichen Mitteln, zum anderen aber auch den Einsatz der Eltern, sowohl finanziell als auch ehrenamtlich: Erwartet werden jährlich 20 Stunden pro Familie. Bei derzeit rund 1200 Familien müssten derzeit also 24.000 Stunden in Diensten der FCBG erbracht werden, heißt es dazu vom Trägerverein.

Mit Geschäftsführer Viktor Pritzkau war Christian Hebel, Leiter der Wiehler Grundschule, zur Sitzung gekommen, um Fragen zum Unterricht und zum Lehrplan zu beantworten. So wollte etwa Bojan Radonic, sachkundiger Bürger für die Grünen, wissen, ob Sexualkunde stattfinde und ob im Unterricht auch Themen wie Inter- und Transsexualität behandelt würden. Hebel: „Wir stellen alles relativ offen dar.“ Tabus gebe es nicht, weitere LGBT-Plus-Themen würden indes nur angesprochen, wenn die Schülerinnen und Schüler danach fragten.


Das sind die Gummersbacher Bekenntnisschulen und ihr Trägerverein

Freie Bekenntnisschulen sind Schulen in privater Trägerschaft und gelten vor dem Gesetz demnach als Privatschulen in staatlich genehmigter Trägerschaft. Sie sind verpflichtet, dieselben Unterrichtsinhalte zu vermitteln wie öffentliche Schulen in kommunaler Trägerschaft. Sie können diese aber um eigenen Lehrstoff und eigene Erziehungsmethoden ergänzen. Im Fall der Freien Christlichen Bekenntnisschulen Gummersbach (FCBG) ist dies das verpflichtende Bekenntnis zum evangelischen Glauben: Die Religionslehre kann nicht, wie an anderen Schulen möglich, abgewählt werden.

1994 hat der Trägerverein der FCBG seine erste Grundschule in Gummersbach-Peisel eröffnet. 2002 folgte eine Realschule, die zunächst im Stadtteil Berghausen angesiedelt war, zwei Jahre später eine Realschule. Die Grundschule in Wiehl ging 2006 in Betrieb. Das Gummersbacher Gymnasium wurde 2007 gegründet und seither an der Hülsenbuscher Straße zu einem Bildungszentrum ausgebaut, das heute zudem die Haupt- und die Realschule beherbergt. Seit vergangenem Jahr engagiert sich der Trägerverein auch in der Familienhilfe und in der Vermittlung von Pflegekindern.

Die Pläne, auch nach Waldbröl zu kommen, sind nach Angaben von Geschäftsführer Viktor Pritzkau bereits mehr als 20 Jahre alt und reichten in die Zeit von Bürgermeister Christoph Waffenschmidt (1999 – 2008) zurück. Auf die Frage von Frank Bohlscheid, dem Leiter des Hollenberg-Gymnasiums, ob auch für die Marktstadt eine weiterführende Schule geplant sei, gab sich Pritzkau zurückhaltend: „Zurzeit haben wir das nicht auf dem Schirm, den Bedarf können wir nicht wirklich einschätzen.“ Am Ende aber sei der Elternwille die entscheidende Motivation, ergänzte der Geschäftsführer.