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Statt RentnerdaseinMit 67 Jahren ist Andreas Kreft der älteste Praktikant der Stadt Wiehl

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Mit 67 Jahren absolviert Andreas Kreft (links) ein sechswöchiges Praktikum im Rathaus der Stadt Wiehl. Bürgermeister Ulrich Stücker hieß ihn herzlich willkommen und lobte das Engagement des Oberwiehlers.

Mit 67 Jahren absolviert Andreas Kreft (links) ein sechswöchiges Praktikum im Rathaus der Stadt Wiehl. Bürgermeister Ulrich Stücker hieß ihn herzlich willkommen und lobte das Engagement des Oberwiehlers.

Der Oberwiehler hat sich für ein Jura-Studium eingeschrieben. Und das sieht auch ein Praktikum vor. Bürgermister Ulrich Stücker ist begeistert.

„Er ist wohl der älteste Praktikant, der je im Wiehler Rathaus tätig war“, teilt die Stadtverwaltung mit: Andreas Kreft lernt derzeit die Stadtverwaltung kennen. Es ist eine Station im Rahmen des regulären Jura- Studiums, das der 67-Jährige zurzeit absolviert. Inzwischen steht er vor dem ersten Staatsexamen. Der Oberwiehler ist seit November 2024 Rentner. Ihm stand der Sinn nicht nach einem neuen Hobby oder ausgedehnten Reisen. „Ich fühle mich gut und wollte was machen.“

So bewarb er sich an der Kölner Universität um einen Studienplatz für Jura. Im Studium vorgeschrieben ist ein dreimonatiges Praktikum. Die ersten sechs Wochen hat Kreft im Justizdienst geleistet, die weiteren sechs bei der Stadt Wiehl laufen bis Ostern. „Ich kann schon nach einer Woche sagen, dass es mir hier sehr gut gefällt“, sagt der Verwaltungsneuling. „Ich bin sehr froh, dass mir die Stadt diese Möglichkeit gibt.“

Im Wiehler Rathaus beschäftigen Fälle aus der Praxis inzwischen den besonderen Praktikanten

Im Wiehler Rathaus haben ihn bereits mehrere Fachbereiche mit Fällen aus der Praxis beschäftigt, darunter die Kämmerei, die Stadtplanung und das Ordnungsamt. „Das ist schon etwas anderes, als sich mit einem konstruierten Fall im Hörsaal auseinanderzusetzen“, findet Andreas Kreft.

Bürgermeister Ulrich Stücker lobt das Engagement des angehenden Juristen. „Wir sind froh, dass Herr Kreft hier ist, denn das ist ein Gewinn für beide Seiten.“ Grundsätzlich hält es der Rathauschef für wichtig, Menschen im Ruhestand weiterhin eine Perspektive im Arbeitsleben zu geben.

Viele Rentnerinnen und Rentner suchten sinnvolle Beschäftigungen bei Unternehmen und Behörden, so Stücker: „Ich glaube, dass es unserem Gemeinwesen guttut, wenn wir für bestimmte Jobs Ältere gewinnen können, die noch Lust haben, etwas zu bewegen – wohlgemerkt auf freiwilliger Basis und nicht für Acht-Stunden-Tage.“

Andreas Kreft hat zuletzt bei dem amerikanischen Software-Hersteller Microstrategy als Verkaufsdirektor gearbeitet. Zuvor war er viele Jahre bei Siemens Nixdorf beschäftigt. Ein Jura-Studium hat er schon einmal begonnen, nachdem er an der FH Köln Betriebswirtschaftslehre studiert hatte. Doch damals lockte die Tätigkeit in der Wirtschaft stärker, berichtet der Ruheständler. Immerhin: Viele Scheine aus dieser Zeit wurden für sein jetziges Studium anerkannt. (r)