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Sechs Wochen zu frühIm Oberbergischen hat die Maisernte schon jetzt begonnen

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Ein Trecker bei der Maisernte.

Gerade einmal auf die Hälfte der üblichen Höhe waren die Pflanzen gewachsen, die das Lohnunternehmen am Sonntag erntete.

Die lange Trockenheit, auch in Oberberg, lässt die Landwirte eine miese Ernte befürchten.

Vergangenen Sonntag hat der Wipperfürther Lohnunternehmer Friedel Kausemann die ersten beiden Häcksler in den Einsatz geschickt und damit die oberbergische Maisernte 2026 gestartet. Pünktlich, genau wie von den Auftraggebern bestellt – und doch locker vier bis sechs Wochen zu früh.

Das wurde dann auch auf den Feldern sofort sichtbar. Aus ihren Glaskabinen mussten Kausemanns Männer schon ziemlich weit nach unten und ganz genau hinschauen, um die Pflanzen zu entdecken. „In normalen Jahren ragt der erntereife Mais drei oder auch vier Meter hoch. Zuletzt haben wir Höhen von anderthalb Metern gesehen, allerspätestens bei 2,20 Metern war Schluss“, berichtet Leon Reidies, Disponent bei Kausemann, vom Sonntag und spricht von einem selbst für Laien ziemlich erschreckendem Anblick.

Die Maisernete im Oberbergischen  war in diesem Jahr nicht üppig

Üppig wird die Maisernte 2026 nicht, das steht schon länger fest. Bereits bei der Saat im Frühjahr fehlte der Regen, in der wichtigen Wachstumsphase im Juni regierten Rekordtemperaturen und gleich im Anschluss kam der Wassermangel. Vor allem auf Hügelkuppen mit viel Sonne und kargem Boden seien die Pflanzen kümmerlich, entsprechend schlechte Erträge erwartbar, fürchtet Benjamin Jacob, Berater bei der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW in Lindlar. Sicher ist: Größer wird der Mais jedenfalls nicht mehr, trotz der jüngsten Regenfälle. „Die Pflanze bemerkt den nach der Sommersonnenwende allmählich sinkenden Stand der Sonne spätestens Anfang August, und stellt daraufhin das Höhenwachstum ein“, verdeutlicht Jacob.

Ein vertrocknetes Maisfeld.

Die lange Trockenheit hat dem Mais heftig zugesetzt – die Landwirte müssen in ohnehin schwieriger Zeit mit deutlichen Ertragseinbußen rechnen.

Noch Hoffnung für die QualitätOptimistischer als in Sachen Masse ist die Landwirtschaftskammer, was die Qualität der wichtigen Futterpflanze für das Milchvieh angeht: Benjamin Jacob erklärt es so: „Wir befinden uns da gerade in einer ganz entscheidenden Phase. Der Mais lagert jetzt Nährstoffe und Stärke in die Kolben ein. Und wenn das noch gelingt, dann dürfte wenigstens die Qualität stimmen.“

Landwirtschaftskammer und Lohnunternehmen betonen, dass die aktuelle Situation beim Mais für nahezu jeden Landwirt eine andere, aber praktisch immer eine schwierige sei. So wäre längst nicht jeder glücklich, wenn in den kommenden Wochen ordentlich Regen vom oberbergischen Himmel fallen würde, betont Disponent Leon Reidies: „Wenn sich der Mais nicht mehr entwickelt und dann noch viel Regen auf ihn fällt, gibt es ruckzuck das Problem mit Schimmel und Hefepilzen, die die Pflanzen befallen. Die Landwirte stehen also vor der diesmal wirklich kniffeligen Entscheidung, wann sie häckseln lassen. Das wird dazu führen, dass manche auch bei schlechtem Wetter ernten werden.“

Bernd Schnippering, Kreislandwirt und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberberg, hatte mit Blick auf die Entwicklung auf den Feldern schon im Juli die wichtige Rolle des Maises bei der Rinder-Fütterung betont und sich einem Appell des Rheinischen Landwirtschaft-Verbandes an die Bundesregierung angeschlossen, finanzielle Hilfen aus der Agrarkrisenreserve der EU möglich zu machen.


„Es wird gefüttert wie mitten im Winter“

Kaum ein Halm Grünfutter steht aktuell auf den bergischen Weiden, die lange Trockenheit hat viel Gras regelrecht verbrannt. Die Landwirtschaftskammer in Lindlar bestätigt, dass in ihrem Zuständigkeitsbereich (Oberberg, das Rheinisch-Bergische und Mettmann) praktisch alle Betriebe schon die Futter-Vorräte für den Winter angebrochen haben. „Es wird gefüttert wie mitten im Winter“, beschreibt Höfe-Berater Benjamin Jacob die Situation.

Ein Hoffnungsschimmer ist der jüngste Regen: Während er dem Mais nicht mehr helfen wird, steigen die Chancen auf „einen, mit Glück sogar noch einen zweiten Grünfutter-Schnitt“ mit jedem Tropfen, so Jacob. „Die Temperaturen sind noch warm, das Gras hat durch den gefallenen Regen einen ersten Wachstumsimpuls bekommen.“

Entscheidend sei nun die nahe Zukunft: Damit das Gras tatsächlich wieder kräftig wächst, seien weitere 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter nötig, schätzt Jacob.