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Gronauer Planungen Bergisch Gladbacher Stadtteil steht vor der Umgestaltung

Auf dem Foto ist der historische Wasserturm der ehemaligen Pappenfabrik Wachendorff zu sehen.

Der historische Wasserturm der Pappenfabrik Wachendorff ist das Wahrzeichen von Gronau.

In den nächsten Wochen diskutieren Verwaltung und Politik über ein Handlungskonzept für den Bergisch Gladbacher Stadtteil Gronau.

 Was fällt einem zum Stadtteil Gronau ein? Als erstes die Mülheimer Straße und die S-Bahnstrecke. Dann Gewerbebauten und dichte Bebauung. Ein Mittelpunkt fehlt. Irgendwie ist Gronau mit immerhin rund 6500 Einwohnern nicht so greifbar wie Refrath, Herkenrath oder Paffrath. Das aber soll sich ändern: Die Stadt will mit einem Strategischen Entwicklungskonzept den oft unscheinbar wirkenden Stadtteil aufwerten.

Gelingt die Umsetzung, werden in den nächsten Jahren Millionen an Fördergeld fließen. Eine Momentaufnahme aus Gronau: Berufsverkehr prägt das tägliche Bild, und die Mülheimer Straße ist für manchen Gronauer Fluch und Segen zugleich. Discounter und Autohäuser haben in den vergangenen Jahren funktionale Gewerbebauten in den Stadtteil gebracht.

Bergisch Gladbach: Wohnpark und S-Bahn in Gronau

Aber auch historische Wohnhäuser sind noch vorhanden. Es gibt den großen Wohnpark Gronau, der in den 1970er-Jahren entstand. Die seit zwei Jahrzehnten stilliegende Pappen-und Papierfabrik Wachendorff soll in den nächsten Jahren umgestaltet werden und 450 bis 500 Wohneinheiten nach Gronau bringen.

S-Bahn und Gleisdreieck Der Park-und-ride-Platz Duckterath ist der zentrale Punkt für Pendler, die mit der Bahn nach Köln wollen. Das zweite S-Bahn-Gleis bringt für sie bald einen Fünf-Minuten-Takt zu den Hauptzeiten. Eine mögliche Parkplatzbebauung ist dort in Planung wie auch eine neue Straße, die Richtung Stadtmitte übers alte Gleisdreieck entstehen könnte; dafür hat die Stadt den Gewerbepark Kuhlerbusch per Vorkaufsrecht erworben.

Der Wandel in Gronau ist schon im Gange, obwohl er noch nicht für alle sichtbar ist. Aus dem „Gemischtwarenladen“ Gronau soll dank des neuen Konzepts ein lebens- und liebenswerter Stadtteil werden.

Das Foto zeigt die stillgelegte Pappenfabrik Wachendorff aus der Vogelperspektive.

Die ehemalige Pappenfabrik Wachendorff aus der Vogelperspektive.

Die anstehenden Veränderungen hatte vor etwa zwei Jahren die SPD-Fraktion auf den Plan gerufen. Auf ihren Anlauf hin nahmen sich die städtischen Planer den Stadtteil genauer vor. Der Konsens der Politik konnte schnell gefunden werden: Nach Bensberg kommt Gronau.

Heißt: Sobald die Projekte des Integrierten Städtebau-Konzepts für die Schlossstadt abgeschlossen sind, ist der Stadtteil Gronau mit einem vergleichbaren Städtebau-Vorhaben an der Reihe. Dass in Gronau Handlungsbedarf auf vielerlei Ebenen besteht, ist dabei der rote Faden, den Stadt und Politik geknüpft haben. In Zeiten des Stadtteil-Wandels soll das Neue sich einfügen, Innovatives entstehen. Da das Bensberger Projekt mit der Umgestaltung der Schloßstraße alsbald seine letzte Hürde nehmen wird, ist die Zeit reif für Gronau.

Das Konzept ist auch eine Identitätssuche: Was eigentlich ist der Kern von Gronau? Erste Voruntersuchungen der Stadt liegen auf dem Tisch. Es sind grobe Skizzen, die die Planer nach mehreren internen Beratungen und einer Arbeitssitzung mit der Politik entworfen haben.

Sichtbare Strunde in Gronau

Der Feinschliff steht noch aus: Anfang Januar soll im Planungsausschuss der Auftrag für ein Strategisches Entwicklungskonzept gefasst werden. Und dann werden die Ideen umfassend beleuchtet. Von einer Aufwertung des „Mobilitätsknotens“ Haltepunkt Duckterath ist bei den Planern die Rede. Von neuen Wohnnutzungen im Umfeld des Bahnhofs einschließlich des angrenzenden Wupsi-Geländes.

Die Strunde, die durch Gronau fließt, soll sichtbarer werden, die grünen Zonen Schluchter Heide und Thielenbrucher Wald geschützt werden. Das große, prägende Neubaugebiet Wachendorff spielt die Hauptrolle. Ganz praktisch schwebt den Planern eine neue Verbindung für Fußgänger Richtung Stadtmitte vor, vom Gewerbegebiet West ausgehend.

Die Mülheimer Straße soll für Radfahrer und Fußgänger attraktiver werden, Autos werden hier wohl an Platz verlieren. Die günstigere Erschließung der Flächen am Gleisdreieck (Am Kuhlerbusch) steht an, bislang gibt es nur eine Zufahrt zur Mülheimer Straße. Die Stadt nennt die Wupsi mit einem Betriebshof als möglichen Nutzer dieser Flächen, geprüft werden fürs neuangesiedelte Gewerbe neue Gleisquerungen zu Anfang der stillgelegten Bahntrasse nach Bensberg.

Auf dem Wachendorffgelände wird ein Schulneubau diskutiert, aber auch auf dem Gelände des städtischen Bauhofs an der Ferdinandstraße und am bestehenden Standort. Dabei soll es aber nicht bleiben: Mit dem Strategiekonzept soll ein Soziales Zentrum neu für den Stadtteil kommen. Es könnte zum Leuchtturmprojekt für Gronau werden und zum Mittelpunkt, der bislang fehlt.

Auch die Discounter sind ein Thema: Bei allen Angeboten fehlt ein großer Vollsortimenter-Lebensmittelmarkt, der die Einkaufsmöglichkeiten entscheidend aufwerten könnte. Aber wo soll er sich ansiedeln? Schließlich die Grundschule, die dringend saniert und ausgebaut werden muss.

Alles steht und fällt aber mit dem zentralen Wachendorff-Projekt: Sollte sich der Investor in letzter Minute zurückziehen, stehen die Planungen für den Stadtteil Gronau vor einem Neubeginn. Auch die Politik müsste umdenken.


Im Integrierten Handlungskonzept für Bensberg und Bockenberg werden bis 2026 rund 30 Einzelmaßnahmen umgesetzt, um die beiden Stadtteile aufzuwerten. Leitprojekte sind die Umgestaltung der Schloßstraße, die Umgestaltung der Freianlage am Deutschen Platz, die Entwicklung des Stadtgartens und des Quartiers Wohnpark Bensberg. Mit der Gestaltung der Schloßstraße als „Straße der vielen Begegnungen“ wird in diesem Jahr eines der Großprojekte starten. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen 15,8 Mio. Euro, der Förderanteil liegt bei 70 Prozent.