Abo

Bergisch GladbachVom Werkstor zu Wohlfühlort Zanders

4 min
Der Eingang zum Gleispark.

Spiel- und Sportplätze für Kinder wie für Jugendliche bietet der neue Gleispark, der auch vom Driescher Kreisel nun über Fußwege zu erreichen ist.

Der Gleispark auf dem Zanders-Areal bringt schon bei der Eröffnung Freizeit, Sport und neues Leben mitten in die Stadt.

Ein Begegnungsort mit Geschichte für jedermann – mitten im Herzen von Bergisch Gladbach. Das war der Grundgedanke für den Gleispark auf dem Zanders-Areal. Nur fünf Jahre nach der Schließung der Werkstore ist nun tatsächlich ein Ort für Freizeit, Spiel und Spaß und vor allem für das Gemeinschaftsgefühl entstanden. Die ausdrückliche Erlaubnis, diese Vision der Stadtplaner auf Herz und Nieren zu prüfen, gab Bürgermeister Marcel Kreutz bei der offiziellen Eröffnung am Samstagvormittag an die Allgemeinheit weiter, die seine Einladung interessiert und euphorisch annahm.

„Ich kenne noch alte Zandrianer, sie waren todunglücklich, als Zanders schloss. Jetzt kommt durch die vielen Kinder wieder Leben auf das Gelände“, beobachtete Besucherin Isolde Esser mit einem Lächeln das Geschehen. Viele Familien waren gekommen, um sich den künftigen Erholungspark mit Sport- und Spielangeboten genauer anzusehen.

Das ist ein Begegnungsort für den Sommer
Pia Amelung, Besucherin

Keins der nagelneuen und vor allem einzigartigen Klettergerüste war vor den kleinen Besucherinnen und Besuchern sicher. Auch die temporären Angebote an den aufgebauten Stationen wie Bogenschießen, das Spielmobil oder der Riesenkicker fanden direkt Anklang. Auch Pia Amelung und ihre Familie ließen sich die Chance nicht entgehen, den Gleispark auf Spaßtauglichkeit zu testen.

„Das ist ein Begegnungsort für den Sommer“, war die Besucherin sofort überzeugt, während sich die Vormittagssonne motiviert zeigte. „Die Politik macht sich viel für die Generation 50 Plus stark, aber man fragt sich oft: Wie ist die Lobby für Kinder und Jugendliche? Heute spielt sich vieles privat im Garten ab, dabei braucht es wertungsfreie Begegnungsräume wie diesen“, schaute sie sich um und fand hier gute Argumente für das Projekt Gleispark.

Die sechs personen stehen nebeneinander.

Offizielle Eröffnung des Gleisparksmit:Tülay Durdu, Dr. Reimar Molitor, Bürgermeister Marcel Kreuz, Martin Lucke, Caroline Bosbach und Peter Lautz (v.l.).

Bürgermeister Kreutz eröffnete das neue Stückchen Gladbach dann offiziell. „Es ist ein Meilenstein für Gladbach, eine Investition für die Zukunft“, zeigte auch er sich überzeugt und fühlte sich von Petrus Mithilfe bestätigt. „Der Gleispark ist eröffnet“, schloss er seine Rede und die Besucher jubelten begeistert, ehe sie ausströmten, um die Liegestühle bei einem kühlen Getränk auch auf Biergartentauglichkeit zu testen oder entlang der rot-weißen Absperrbänder flanierten, wo später Wiese sein wird, um zwischen Asphaltabschnitten für Kontrast zu sorgen und vielleicht später mal zum Picknick einlädt.

Erst im November hatten die Bauarbeiten für die Grün-, Sport- und Erholungsfläche begonnen. Wichtig sei es dem Projektteam Zanders-Areal gewesen, auch die Meinung der Kinder und Jugendlichen anzuhören und deren Ideen einzubeziehen, wie beispielsweise die Halfpipe, die im Gladbacher Zentrum ein Unikat sei, so Marc Pawlowski, stellvertretender Pressesprecher der Stadt.

Kinder probieren die Sportgeräte aus

Die Trainingsanlage für Kraftsport kann künftig auch für Sportkurse im Freien genutzt werden.

Boule, Yoga oder Calisthenics sind nur ein Teil weiterer Aktivitäten, die künftig auf dem Gelände möglich werden. Sportkurse und die Anwesenheit verschiedener Jugendzentren an unterschiedlichen Tagen der Woche mit Angeboten für die Kinder und Jugendlichen sollen neben den Möglichkeiten zum freien Spielen ein Anreiz sein, sich im Park aufzuhalten. „Als Gladbacherin ist das für mich ein Highlight, dabei zu sein und zu erleben, dass Kinder die Möglichkeit bekommen, sich an der frischen Luft zu bewegen, denn das fördert auch die Gesundheit“, so Tülay Durdu, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, stolz.

Alte Erinnerungen weckte der Besuch auf dem Gelände dennoch bei manchen, wie bei Robert Winkels und Jürgen Drissler. Beide kennen es so, wie es war, denn sie sind ehemalige Zandrianer. „Der Platz hier war immer vergleichsweise leer, in der großen Halle da drüben war damals die 125-Jahr-Feier“, weckte der Blick über den Gleispark bei Winkels, der ab 1993 auf Zanders als Justiziar beschäftigt war, Erinnerungen.

„Wir waren hier alle verwurzelt. Die Schließung war dramatisch. Schon an diesem Tag war für mich klar, dass das hier ein wichtiges historisches Areal für die Stadt ist und man etwas daraus machen muss. Allerdings hatte ich Bedenken, es nicht mehr mitzuerleben“, so Drissler, Vorsitzender der Zanders-Stiftung, dem es somit umso mehr bedeutete, mittendrin zu sein.

Den Rest des Tages tummelten sich viele Neugierige aller Altersklassen im vielleicht neuen „Place to be“ der Stadt, klinkten sich ein beim Mitmachkonzert der Band „Pelemele“, ruhten im Schatten auf den modernen Holzbänken oder beobachteten beim Zumba mit der Tanzschule „Tanzwerk“, wie sich Outdoorsport im Herzen Gladbachs künftig anfühlen könnte.

Die Transformation des ehemaligen Fabrikgeländes hat längst begonnen, der Gleispark ist nur ein Schritt zu einem neuen Stadtquartier, das sich irgendwann einmal über ganze 36 Hektar auf historischem Boden erstrecken könnte.


Erste konkrete Entwurfsplanung

Zum ersten Mal haben das Projektteam Zanders und das Architekturbüro „Albert Speer und Partner“ im April dem Planungsausschuss einen Entwurf für eine Planungsvariante vorgelegt. Inhaltlich geht es um den Erhalt von Werksgebäuden, um Baufelder für Wohnen und Arbeiten, um die Infrastruktur, um neue Straßenzüge, die Anbindung an die Innenstadt.

Die vorher getroffene Grundlage, dass 3000 Menschen auf Zanders wohnen und 3000 dort arbeiten, gelingt demnach. Entstehen soll bis etwa 2050 ein Stadtteil als Ergänzung zur Innenstadt. Die Stadtplaner wollen so weit, wie möglich im Bestand arbeiten. Dabei wird es darauf ankommen, ob sich Investoren für die historischen Fabrikgebäude interessieren. (ub)