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Nach Stellenabbau bei IsoverBergisch Gladbach will sich Vorkaufsrecht sichern – Konzern will nicht verkaufen

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Auf einem Luftbild ist das Gelände rot markiert, das von der Vorkaufsrechtssatzung der Stadt Bergisch Gladbach erfasst werden soll.

Das Gebiet der geplanten Vorkaufsrechtssatzung (rot eingefärbt) umfasst neben dem 11,1 Hektar großen Betriebsgelände von Saint Gobain G+H Isover (1) auch noch weitere etwa 7,7 Hektar Fläche des Gewerbegebiets West, unter anderem das GL-Center (2), die städtische GLService gGmbH (3) und Immobilien, die für Feuwerwehr und Feuerwehrschule genutzt werden (4). Gleich daneben: S-Bahnlinie (5) und Belkaw-Gelände (6).Foto/Montage:

Per Vorkaufsrecht schlägt die Stadtverwaltung vor, sich Zugriff auf Gewerbeflächen sichern – Isover erwägt indes, zu investieren.

Der Abbau von 160 der vormals 220 Arbeitsplätzen beim Dämmstoffherstelle Saint Gobain Isover G+H im Zuge der Stilllegung eines Teils der Produktion ließ im vergangenen Jahr auch im Bergisch Gladbacher Rathaus aufhorchen. Nun schlägt die Stadtverwaltung der Politik vor, eine Vorkaufsrechtssatzung für Teile des Gewerbegebiets West, in dem das Isover-Gelände liegt, zu erlassen. Um dort auch künftig Gewerbe zu sichern, so die Stadtverwaltung. Das erinnert an die städtischen Aktivitäten im Zuge der ersten von später zwei Insolvenzen der Papierfabrik Zanders. Bei näherem Hinsehen jedoch ist die Ausgangslage deutlich anders. Denn der französische Konzert Saint Gobain denkt aktuell nach eigenem Bekunden an alles andere als eine Aufgabe des Standorts. Im Gegenteil.

Wir haben mittlerweile wieder 75 Mitarbeitende am Standort und überlegen, auch dort zu investieren.
Michael Wenger, Pressesprecher für Saint Gobain Isover G+H

„Wir haben mittlerweile wieder 75 Mitarbeitende am Standort und überlegen auch, dort zu investieren“, sagt Unternehmenssprecher Michel Wenger. Nach dem Auslaufen der Glaswolleproduktion im vergangenen Jahr, die vor allem für den darbenden Bausektor produziert wurde, werden im Gladbacher Werk vor allem Rohrschalen zur Isolierung von Leitungen produziert. „Derzeit überlegen wir, noch weitere Produkte hier herzustellen.“

Auch so sei das Werksgelände unterdessen keineswegs ungenutzt: „Wir nutzen von den rund elf Hektar derzeit mehr als 80 Prozent – zu Produktionszwecken, aber auch als Lagerflächen für Isover und andere Saint-Gobain-Gesellschaften“, erläutert Wenger. „Der Standort ist so schön verkehrsgünstig gelegen.“

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Die Gladbacher Stadtmitte verkehrsgünstig gelegen? Mit regelmäßigen Staus von und zur Autobahn? Der Unternehmenssprecher des Weltkonzerns lächelt: „Doch, Bergisch Gladbach ist verkehrsgünstig gelegen – schön in der Mitte von Deutschland.“

Für die weitere Neuausrichtung des Standorts sieht Unternehmenssprecher Wenger auch keinerlei Zeitdruck: „Es gibt keine Dringlichkeit, wir zahlen ja keine Pacht, das Gelände gehört uns ja – aktuell gibt es nicht mal Überlegungen, auch nur Teile des Geländes zu verkaufen.“

Schmelzwanne für die aktuelle Produktion hält noch mehr als fünf Jahre

Die verbliebene Produktion sei zudem gut aufgestellt. Die Glasschmelzwanne für die Ultimate-Produkte, zu denen die Rohrschalen gehören, sei erst vor anderthalb Jahren erneuert worden und werde auf jeden Fall mehr als fünf Jahre noch betrieben werden können. Wie berichtet, hätte die Schmelzwanne für die Glaswolle im vergangenen Jahr erneuert werden müssen – der Konzern investierte diesen Betrag nicht erneut, sondern verlagerte die Glaswolleproduktion an andere Standorte wie Speyer.

Einige Mitarbeitende des Bergisch Gladbacher Werks haben laut Unternehmenssprecher Wenger auch an anderen Standorten von Saint Gobain eine neuen Arbeitsplatz gefunden. Der aufgestellte Sozialplan sei „bis auf ganz wenige Ausnahmen“ zwischenzeitlich abgeschlossen, so Wenger. „Und der Bergisch Gladbacher Standort wird neu aufgestellt.“

Stadtverwaltung möchte offenbar mit Satzung auf Nummer sicher gehen

Die Stadtverwaltung möchte mit der Vorkaufsrechtssatzung trotzdem offenbar auf Nummer sicher gehen. Sie ist – nur durch die Tannenbergstraße getrennt – auch schon jetzt direkter Nachbar des Isover-Geländes. Die Zentrale der städtischen GL Service gGmbH liegt an der Tannenbergstraße 53 und befindet sich ebenso im nun von der Voraussetzung umfassten Gebiet wie das Gelände an der Britanniahütte 14, das derzeit von der Feuerwehr und Feuerwehrschule genutzt wird.

„Die Stadt Bergisch Gladbach möchte wichtige gewerbliche Entwicklungsflächen im Gewerbegebiet West langfristig für Unternehmen, Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum sichern“, begründet die Stadtverwaltung ihren Vorschlag zu einer Vorkaufsrechtssatzung, über den als erstes der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss am 2. Juli beraten und dann der Stadtrat am 14. Juli entscheiden soll.

Die Sicherung gewerblicher Flächen ist ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Bergisch Gladbach.
Marcel Kreutz (SPD), Bürgermeister von Bergisch Gladbach

„Aufgrund seiner Größe, seiner zentralen Lage und seiner guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zählt das Gebiet zu den bedeutenden gewerblichen Flächen im Stadtgebiet“, bewertet die Stadtverwaltung. Und Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) betont, dass die Sicherung gewerblicher Flächen ein „wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Bergisch Gladbach“ sei. Die Wirtschaftsförderung beobachte seit vielen Jahrzehnten die sukzessive Verringerung verfügbarer gewerblicher Nutzungsflächen, während bei heimischen Unternehmen weiterhin Bedarf an Erweiterungs-, Verlagerungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bestehe.

Mit der geplanten Vorkaufsrechtssatzung soll die Stadt nach eigenen Angaben im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Möglichkeit erhalten, künftige Grundstücksverkäufe zu begleiten und die Entwicklung des Gebietes langfristig zu unterstützen. „Ziel ist es, Flächen für gewerbliche Nutzungen zu sichern und Perspektiven für bestehende Unternehmen zu erhalten“, so die Stadt in einer Stellungnahme.