Einblicke in das Leben im Gebetshaus, in Rituale und Gebet, erlaubte eine Besichtigung der Moschee im Rahmen der Wochen gegen Rassismus.
Rituale und GemeinschaftWarum der Teppich in der Gladbacher Yeni-Camii Moschee immer rein bleibt

Wie in einer Moschee gebetet wird, lernten die Besucherinnen und Besucher der Yeni-Camii Moschee.
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Schuhe aus, über den verzierten Teppich eintreten, Rosenwasser auf die Hände und „As-salamu alaykum“ (Friede sei mit euch): Sonnenstrahlen fielen durch die Fenster, als Besucher der Yeni-Camii Moschee am Refrather Weg die Räumlichkeiten vor Ort betraten. Ahmet Balkaya und Arda Berat Akyol hatten für sie, die der Einladung der Gemeinde im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus gefolgt waren, eine Präsentation mit den wichtigsten Begriffen und Ritualen vorbereitet: Mihrab, Kürsi, Mimber.
„Die Mihrab ist die Gebetsnische und zeigt die Gebetsrichtung nach Mekka an. Kürsi ist wie eine Kanzel und Mimber eine Treppe, von der aus der Imam das Freitagsgebet hält“, erklärten die Jugendlichen die einzelnen Elemente, die neben dem riesigen Kronleuchter und den imposanten Deckenverzierungen zu sehen waren. „Wir haben zwar auch ein Minarett, das würde allerdings immer sehr lange dauern, bis der Muezzin oben ankommt, zumal in Deutschland der Gebetsruf innerhalb der Moschee geschieht. Hier passiert das von diesem Podest aus.“ Kaum gesagt, schon gab der Muezzin, der Gebetsrufer, eine Hörprobe.
Die Abfolge von Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen prägt das gebet
Die ließen die Besucher auf sich wirken, manche mit geschlossenen Augen. Auch wenn sie im Anschluss nach dem Text fragen mussten, fühlten sie die Botschaft dahinter, die die Gruppe in meditative Stimmung versetzte. „Das hat sich schön angehört, irgendwie feierlich. Das habe ich so noch nie gehört“, stellte eine Besucherin aus Kürten fest.
Akyol führte den Gästen vor, wie gebetet wird, mit den typischen Abfolgen von Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen. Wer mochte, durfte das selbst ausprobieren. „Das ist der Grund, weshalb der Teppich immer rein bleiben muss. Man berührt viel den Boden“, so Imam Resul Basol.
Zum Freitagsgebet kommen 1000 Muslime zusammen
Seit Anfang der 80er-Jahre gibt es das Gebetshaus in Gladbach, 2004 wurde es neu gebaut, da der Platz für die Gläubigen nicht mehr ausreichte. Alleine zum Freitagsgebet kommen 1000 Muslime zusammen, Mitglied in der Gemeinde sein muss man nicht und auch Gäste anderer Religionen dürfen sich umschauen. „Wenn man hier wohnt, fährt man zwar vorbei, aber schaut sich die Dinge direkt vor der Tür oft gar nicht an. Mir ist das irgendwie peinlich, dass ich hier noch nie war“, sagte eine Besucherin aus Gladbach.
Im Anschluss an die offizielle Führung luden Imam Basol und Gemeindemitglied Saim Basyigit zum Tee. „Kinder ab acht Jahren können hier auch die Koranschule besuchen. Sie lernen die arabische Schrift zu lesen, die Suren auswendig zu rezitieren. Aber es fällt ihnen zunehmend schwerer, denn in Schulen wird nicht mehr so viel auswendig gelernt“, so die beiden. „Kinder und Jugendliche sollten ihre Religion kennen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Natürlich fällt es auch mir nicht immer leicht, zum Morgengebet aufzustehen“, sagte Basyigit.
Die Predigt in der Moschee wird auf Deutsch gehalten
Aufgewachsen ist er in der Eifel. Trotz deutschem Pass müsse er seine Zugehörigkeit immer wieder rechtfertigen. „Es nimmt einen mit, wenn man zum Angriffspunkt wird. Das macht etwas mit einem, denn das hier ist unsere Heimat“, so Basyigit. „Es macht mich stolz, wenn jemand sagt, die Moschee in Gladbach gehört zu uns. Sie steht ja auch mittendrin.“
Die Predigt in der Moschee werde auf Deutsch gehalten, fügte Imam Basol hinzu, der mit Basyigits Erfahrungen vertraut ist. „Es kommen so viele Sprachen bei uns zusammen, Deutsch ist unser gemeinsamer Nenner.“ Das Credo der beiden: „Der Mensch ist nur ein Feind dessen, was er nicht kennt.“
Zum Gemeindefest, das vom 1. bis zum 3. Mai, von 12 bis 20 Uhr, stattfindet, sind alle Interessierten eingeladen, die Kultur und lokale Speisen näher kennenzulernen.

