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Jecke PremiereMadämchen-Sitzung der KG Große Bensberger eröffnet Karneval in Zentralwerkstatt

4 min
Fünf Frauen in bunten Karnevalskostümen und bunten Perücken stehen   lachend zusammen

Bunt war das Programm bei der  Madämchen-Sitzung der KG Große Bensberger in der Zanders Zentralwerkstatt.

Nach 23 Jahren lebt eine Tradition wieder auf: 624 Damen hatten in der alten Industriehalle auf dem Zandersgelände Spaß.

624 Damen haben den neuen „Place to be“ für den kommenden Gladbacher Karneval eingeweiht – mit Erfolg. Industriecharme traf auf ganz viel Spaß bei der ersten Madämchen-Sitzung der Großen Bensberger, die erstmals seit 23 Jahren wieder stattfand. Gemeinsam mit den Fastelovendsfründe ließen sie eine sehr alte Tradition aufleben.

2003 war die letzte Madämchensitzung der Großen Bensberger, dann war Schluss. „Das Interesse war weg, alternativ haben wir dann die Starthilfeparty ins Leben gerufen“, erinnert sich Literat Frank Reiländer. Umso mehr freute er sich, als die diesjährige Damensitzung als allererste Veranstaltung der Gesellschaft ausverkauft war. Sein Anspruch: „Du musst keine neuen Sachen erfinden, sie aber gut machen.“

Eine große Bühne mit viel Platz zur Decke

Die Stimmung der Madämchen belegte seine These. Keine zehn Minuten nach Beginn startete die erste gemeinsame Schunkelrunde und als das Trömmelche ging, erhoben sich alle von ihren Stühlen. Die große Bühne mit viel Platz zur Decke in der alten Werkshalle schien auf den ersten Blick für die Tanzgruppen ideal. „Starke Jungs tragen ihre Mädchen auf Händen. Manpower funktioniert allerdings nur in Begleitung von Damen.

Ist die Bühne groß genug? Sind die Decken hoch genug?“, kündigte Sitzungspräsident Christopher Musculus von den Fastelovendsfründe die erste Tanzgruppe des Abends an. Alexandra Stachowski von den Steinenbrücker Schiffermädchen schaute sich den Auftritt von unten an und hatte erste Zweifel: „Die Tiefe der Bühne wird möglicherweise zum Problem, die Saalkapelle nimmt viel Platz ein. Die Höhe ist gut, aber ich schätze, dass sie diese trotzdem ausnutzen“, mutmaßte sie und behielt recht.

Die Klüngelköpp enterten die Bühne

Im Publikum war in diesen Momenten wenig Aktion zu sehen, denn die Damen waren damit beschäftigt, mit offenen Mündern den Darbietungen der Tanzgruppe zu folgen und staunten. Danach waren sie selbst wieder aufgerufen, sich zu bewegen. Die Klüngelköpp enterten die Bühne, die Lichter auf Zanders gingen aus, die leuchtenden Drumsticks an, und 624 Personen jubelten laut im Chor und wussten schnell, „dat se hier daheim sin“.

Zebras, Tannenbäume, Schottinnen und Froschköniginnen trafen auf die Sesamstraße, das Schwarzwaldmädel oder den Regenbogen und feierten ausgelassen miteinander. Für die Redner Willi und Ernst vielleicht ein wenig zu ausgelassen, denn die hatten Mühe, sich bis in die letzten Reihen Gehör zu verschaffen.

Coole Halle mit Industriecharme

Im Anschluss rief Chanterella zum Tanz. „Wir wussten nicht, was uns erwartet und haben erst mal gegoogelt. Der Industriecharme ist cool, aber wir haben nicht gedacht, dass die Halle so groß ist“, fieberten die Bandmitglieder ihrem ersten Auftritt in der neuen Location entgegen. „Wegen der Akustik haben wir mal die anderen beobachtet. Das klang eigentlich gut. Wir vertrauen einfach auf die Mädels, denn die schreien lauter als die Anlage“, waren sie zuversichtlich und begeisterten ihr weibliches Publikum mit einer riesigen Polonaise über die alten Bahngleise im neuen Gladbacher Gürzenich.

Als nächsten kündigte der zweite im Bunde der Sitzungspräsidenten, Rainer Furth-Quernheim, Guido Cantz an, dem die Damen an den Lippen hingen. „In Bensberg ist die Welt noch in Ordnung“, begann er seine Rede und stieß auf Zustimmung. „Die Bühne ist bombastisch. Das Gefühl im AMG ist schon geil. Aber mit dem Industriecharme hier noch viel besser“, zeigte sich Sitzungspräsident Musculus motiviert, wusste aber auch, dass es durch die Größe eine andere Nummer ist, die Anzahl an Frauen bei Laune zu halten.

Karnevalsvereine taten sich zusammen

„Mit weiteren kleinen Schönheitsreparaturen ist die Halle doch optimal“, so der Moderator, dessen Fastelovendsfründe erstmals gemeinsame Sache mit den Großen Bensbergern machten. „Besser könnte es nicht laufen. Karneval kann nur überleben, wenn sich Vereine zusammentun“, so Musculus, der von Nummer zu Nummer entspannter wurde. „Der Saal macht es leichter“, zwinkerte er erleichtert und hatte eine ganz besondere Zuschauerin: seine Mutter.

Die gehörte der Gruppe der „Miss Schnaps“ an. Nicht nur, dass sie heute besser trinken als Tennis spielen könnten, alle tragen Schuhgröße 38, verrieten sie. „Wir sind aus Bensberg und es ist schon schade, dass die Veranstaltung nicht im AMG ist, aber so ist das eben mit ,rules are for fools', also Regeln, die keinen Sinn machen“, verstand die Gruppe um Maria Musculus den Sinn für den Umzug nicht wirklich, genoss aber den Industrieschick, bevor die Stattgarde Colonia Ahoi übernahm.

Uli Kramer erlebte den Abend aus Sicht der Kellner: „Die Lokalität ist schön, die Bausubstanz jedoch herausfordernd. Wir mussten kurz vor Beginn noch ein nasses Rohr flicken“, zeigte er an die Decke und den feuchten Boden in der Bar. „Es hat Charme, bringt einen aber organisatorisch an die Grenze“, hatte der Große Bensberger die Erfahrung gemacht. Um die Halle aufzuheizen, wurden innerhalb eines Tages alleine 1000 Liter Heizöl notwendig.