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SparprogrammBeim Nahverkehr in Rhein-Berg sind viele Einschnitte geplant

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Zwei Linienbusse begegnen sich. Blick aus der Vogelperspektive.

Viele Abstriche plant der Rheinisch-Bergische Kreis aus Kostengründen beim Öffentlichen Personennahverkehr.

Von den einen als Beitrag zur Haushaltsgesundung gelobt, kritisieren andere  das Sparpaket im ÖPNV als „Liste des Grauens“. Ein Überblick.

Die einen bezeichnen sie als „wichtigen Beitrag“ zur Haushaltskonsolidierung, Grünen-Fraktionschefin Ursula Ehren nennt sie „Liste des Grauens“: An 36 Stellen plant der Rheinisch-Bergische Kreis bei Bus und Bahn im Kreisgebiet einzusparen. Und dabei geht es nicht allein um die Freizeitverkehre wie die Einstellung des Bergischen Fahrradbusses. Beschlossen haben die Kreispolitiker noch nichts, zunächst wollen sie die Stellungnahmen der Städte und Gemeinden abwarten. Ein Überblick:

Stadtbahn Linie 1: Auch wenn die Stadtbahnlinie 1 von Bensberg nach Köln durch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) betrieben wird – zahlen muss außerhalb des Kölner Stadtgebiets für die erbrachten Leistungen der jeweilige Kreis. So schlägt der Rheinisch-Bergische Kreis vor, für die Strecke auf Bergisch Gladbacher Stadtgebiet, also von Refrath bis Bensberg, auf diesem „teuersten Einzelprodukt im Rheinisch-Bergischen Kreis“, den Taktwechsel von einem 10- auf einen 15-Minuten-Takt (beziehungsweise von 15- auf 30-Minuten-Takt am Wochenende samstags und sonntags) zu verändern. Wie genau, das sei noch „in Klärung“. Mindestens 50.000 Euro plant der Kreis allerdings damit einzusparen.

Kundencenter und Co: Weil durch die Digitalisierung der Fahrscheinverkäufe (beispielsweise über Handy-Apps) und die Einführung des Deutschlandtickets die Bedeutung von Fahrscheinverkaufsstellen „schwinde“, plant der Kreis den Vertrieb zu „optimieren“, heißt: Kundencenter zu schließen beziehungsweise Öffnungszeiten zu reduzieren. So wurde die Personalbesetzung der Kundencenter der Wupsi in Randzeiten bereits verringert, soll das Kundencenter am Rösrather Bahnhof zum 31. März 2026 komplett geschlossen werden.

Ein Bus, daneben eine große digitale Anzeigetafel mit Busverbindungen.

Das Kundencenter am Rösrather Bahnhof soll zum 31. März 2026 geschlossen werden.

Als Ersatz hatte der Kreis erwogen, in Rösrath eine Vorverkaufsstelle beispielsweise in einem bestehenden Kiosk als Servicepartner einzurichten. Weil die Suche nach einem Servicepartner im Bahnhofsumfeld allerdings laut Kreis in Rösrath ebenso schwierig ist wie in Wermelskirchen, soll in beiden Städten nun komplett auf Vorverkaufsstellen verzichtet werden, zumal das Ticketsortiment der Vorverkaufsstellen „vollständig auch im Bus erhältlich“ sei. Insgesamt kalkuliert der Kreis beim Ticketvorverkauf mit Einsparungen von 170.000 Euro.

Nachtbusse: 80.000 Euro schlägt der Kreis vor, ab 2027 bei den vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen verkehrenden Nachtbuslinien einzusparen. Diese zählt er ebenso wie Fahrrad- und Wanderbus nicht zur reinen Daseinsvorsorge, sondern zu den „Freizeitverkehren“. Eingespart werden soll das Geld auf acht Nachtbuslinien, die unter anderem vom S-Bahnhof Gladbach beziehungsweise dem Endhalt der Linie 1 in Bensberg in die äußeren Bergisch Gladbacher Stadtteile beziehungsweise nach Odenthal oder Kürten verkehren, dadurch, dass jeweils die Fahrten nach 3 Uhr in der Nacht entfallen.

Nachtschwärmer und von der Spätschicht etwa in der Gastronomie Heimkehrende müssen demnach also früher nach Hause fahren, wenn sie den letzten Nachtbus noch erreichen wollen. Die erste Tour der Nachtbuslinien fährt übrigens in der Regel nicht mal eine Stunde nach der letzten regulären Fahrt auf vielen Linien. Ihre Streichung hätte also deutlich weniger starke Konsequenzen für die Nutzerinnen und Nutzer.

Ein Linienbus mit Fahrradanhänger, der Fahrer schließt die Seitenklappe.

Unrentabel: Für den Bergischen Fahrradbus kam das Aus.

Auf der Nachtbuslinie N 47 von Bensberg nach Overath-Marialinden soll laut Kreis „zeitnah“ nicht nur die letzte Fahrt entfallen, sondern die Fahrt davor auch so um rund eine halbe Stunde nach hinten verlegt werden, dass der Bus auf dem Rückweg von Marialinden nach Bensberg nicht die Autobahn nutzen muss, um wieder rechtzeitig in Bensberg zu sein, sondern über Land fahren und so mehr Haltestellen etwa in Heiligenhaus und Untereschbach bedienen kann. Kalkulierte Einsparung hier dennoch 12.500 Euro.

Entfallen soll auch die Nachtfahrt auf der Schnellbuslinie SB 54 vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen um 1.33 Uhr ab Much nach Overath. Einsparung: 1700 Euro. Zusammengeführt werden sollen die Nachtbuslinien N 41 und N 42 in den Bergisch Gladbacher Westen beziehungsweise nach Odenthal (geplante Einsparung 15.000 Euro). Von den Nachtbuslinien N 45 und N 46, die beide im Ringverkehr zwischen S-Bahnhof, Bensberg Endhalt der Linie 1 und Herkenrath verkehren, soll die Linie N 46 entfallen (Einsparpotenzial: 20.000 Euro).

Bergischer Fahrrad- und Wanderbus: Durch die Einstellung des Bergischen Fahrradbusses in diesem Jahr und die Fortführung des Bergischen Wanderbusses im kommenden Jahr, nur falls sich ein Sponsor findet, plant der Kreis wie berichtet 59.000 Euro (Fahrradbus) beziehungsweise 40.000 Euro (Wanderbus) zu sparen.

Taxibus statt Bus: Auf Buslinien mit wenig Fahrgästen erwägt der Kreis, zumindest für bestimmte Zeitkorridore eine Umstellung auf Taxibusse. Diese müssen vorab telefonisch oder per App bestellt werden.

Von einer solchen Umstellung betroffen wären nach den Vorschlägen der Kreisverwaltung die Linie 422 (Bahnhof Rösrath – Immekeppel, Einsparpotenzial noch unklar, siehe auch „Linienkürzung“), Linie 419 (Overath – Warth – Marialinden, Einsparpotenzial: 230.000 Euro) , die Linien 263/265 in Wermelskirchen (Einsparpotenzial: 30.000 Euro).

Linienkürzung: Weil die Brücke über die Sülz marode war, fuhr die Linie 422 vom Rösrather Bahnhof in den vergangenen Jahren nicht bis zur vormaligen Endhaltestelle in Brodhausen, sondern lediglich bis Haus Thal in Immekeppel und kehrte dort um. Seitdem die Brücke neugebaut worden ist, fährt die Linie 422 wieder bis Brodhausen, wo aktuell auch eine Schule gegründet werden soll, die explizit mit dieser Busanbindung wirbt.

Der Kreis schlägt allerdings vor, die Linie 422 wieder lediglich bis Haus Thal verkehren zu lassen. Begründung: Die Wendemöglichkeit in Brodhausen lasse „keine dauerhafte Befahrung mit einem Linienbus mehr zu“. Einsparung beim Betrieb der Buslinie: 1500 Euro.

Weniger „Verstärkerfahrten“: Verstärkerfahrten auf Buslinien werden vorgesehen, wenn zu bestimmten Zeiten wie beispielsweise vor Schulbeginn, besonders viele Fahrgäste eine Linie nutzen. Aufgrund einer Analyse der tatsächlichen Fahrgastzahlen und der Buskapazitäten sieht der Kreis hierbei folgende Einsparmöglichkeiten: Wegfall von kombinierten Fahrten auf den Linien 423 (Flughafen – Rösrath – Bensberg) und 422 (Rösrath – Immekeppel).

Ein Schild an einer Schulbushaltestelle.

Auch Fahrten von Schulbuslinien sollen künftig gebündelt werden.

Bündelung von Fahrten auf der Schülerbuslinie 594 Overath – Much und Integration der Leichlinger Schülerlinien 13 und 14 in den regulären Verkehr der Buslinien 258/278. Die Wupsi hat zum 9. Februar bereits Verstärkerfahrten auf diversen Linien reduziert. Einsparpotenzial insgesamt laut Kreis: mindestens 94.000 Euro.

Ausdünnung von Fahrten und Takten: Hatte die Verkehrspolitik des Kreises seit 2016 auf zuverlässige und über den Tag möglichst gleichmäßige Takte im Busverkehr gesetzt, sollen jetzt die Fahrten in weniger nachgefragten Zeiträumen wieder ausgedünnt werden. Das betrifft die Schnellbuslinie SB 40 (Bensberg – Köln, Einsparung: 60.000 Euro), SB 42 (Odenthal – Leverkusen, Einsparung: 11.000 Euro), Linie 212 (Leverkusen – Altenberg – Odenthal) beziehungsweise Linie 420 (Odenthal – Glöbusch – Burscheid) (Einsparpotenzial: 13.000 Euro),

Linien 222/227 (Bergisch Gladbach – Leverkusen, Einsparpotenzial: 83.000 Euro), SB 25/253/255 Richtung Leverkusen (Einsparpotenzial 19.000 Euro), Linie 238 (Odenthal – Dabringhausen, Einsparpotenzial: 21.500 Euro), Linien 258/278 (Burscheid, Leichlingen, Einsparpotenzial: 19.500 Euro), Linie 278 (Leichlingen, Weltersbach-Fahrten, 80.000 Euro), Linie 419, Streichung der Fahrten ab 20.30 Uhr, Einsparpotenzial: 25.000 Euro), Linie 420 (Bensberg- Overath, Einsparpotenzial: 10.000 Euro).

Linie 426 (Bergisch Gladbach – Kürten, Einsparpotenzial: 22.000 Euro), Linie 427(Bergisch Gladbach, Odenthal-Eikamp – Kürten, Einsparpotenzial: 7500 Euro), Linie 434 (Bergisch Gladbach - Odenthal – Köln, Einsparpotenzial: 16.000 Euro), Linien 437/439 (Bergisch Gladbach – Paffrath), Einsparpotenzial: 17.000 Euro), Linie 453 (Bergisch Gladbach – Herkenrath, Einsparpotenzial: 25.000 Euro), Linie 455 (Bergisch Gladbach – Technologiepark, Einsparpotenzial: 23.000 Euro), Linie 456 (Bergisch Gladbach – Hand, Einsparpotenzial: 16.000 Euro).

Reduzierung parallel verkehrender Buslinien: Auf parallel verkehrenden Linien sollen die Fahrten ausgedünnt oder besser abgestimmt werden. Das betrifft beispielsweise die Verbindungen zwischen Bergisch Gladbach und Odenthal (Einsparpotenzial laut Kreis: 280.000 Euro), sowie die Verbindungen zwischen Leichlingen und Witzhelden/Hilgen (Einsparpotenzial: 70.000 Euro).