Vor 30 Jahren fuhren in Euskirchen die ersten Stadtbusse auf zwei Linien. Jetzt feierte die Verkehrsgesellschaft SVE Jubiläum.
SVE-JubiläumEuskirchen feiert eine Erfolgsgeschichte mit blau-gelben Bussen

Klein, aber oho: Bei der SVE sind mittlerweile sieben „E-Bussis“ mit Elektroantrieb im Einsatz.
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Heute sind die blau-gelben Busse aus dem Stadtbild gar nicht mehr wegzudenken. Doch als vor 30 Jahren die ersten Fahrzeuge der SVE durch die Euskirchener Wohngebiete düsten, staunte so manch einer. Darunter auch der heutige Euskirchener Bürgermeister Sacha Reichelt, damals 16 Jahre alt.
Plötzlich konnte man in Euskirchen von A nach B gelangen, ohne dabei das Auto nutzen zu müssen. „Ich fand es toll, dass es diese Möglichkeit gab, nicht nur für mich, sondern auch für ältere Menschen, die nicht so mobil sind“, berichtete der Verwaltungschef jetzt in einer Talkrunde am Euskirchener Bahnhof.
Zwei Innenstadtlinien fahren im Halbstundentakt in Euskirchen
Dort feierte die SVE am Montag ihr 30-jähriges Bestehen. Es ist, da waren sich alle Beteiligten einig, eine Erfolgsgeschichte. „Besonders erfreulich ist, dass wir mittlerweile alle Euskirchener Ortsteile angebunden haben“, berichtete SVE-Geschäftsführer Anno Schichler-Koep im Gespräch mit Moderatorin Corinna Lawlor. Schichler-Koep, selbst schon seit 25 Jahren mit an Bord, erinnerte sich im Gespräch mit dieser Zeitung auch an die Anfänge.
Als sich die ersten SVE-Busse am 3. Juni 1996 in Bewegung setzten, waren vier Fahrzeuge auf zwei Innenstadt-Linien im Halbstundentakt unterwegs. Die eine fuhr vom Marien-Hospital in der Südstadt bis zur Memelstraße im Nordwesten, die andere von der Theodor-Körner-Straße bis zur Nordstraße.
Am Bahnhof war der Schnittpunkt, dort trafen sich die beiden Linien. „Nur ein Jahr später wurden die großen Euskirchener Ortsteile angebunden“, berichtete Schichler-Koep: Wüschheim, Großbüllesheim und Kleinbüllesheim genauso wie Kuchenheim, Roitzheim und Stotzheim.

Beim Jubiläumsfest der SVE beantwortete Geschäftsführer Anno Schichler-Koep die Fragen von Corinna Lawlor.
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Heute sind für die SVE 23 große Busse und sieben kleinere „E-Bussis“ mit Elektroantrieb unterwegs. Wie Schichler-Koep weiter berichtete, ist das private Busunternehmen Effen & Werner mit sechs weiteren Fahrzeugen für die SVE im Einsatz, vor allem im Schulbusverkehr. Neben den „E-Bussis“ sind in der Regel weitere Fahrzeuge mit nachhaltigem Antrieb im Einsatz. So wurden 2022 Biomethanbusse in Betrieb genommen.
Dass noch mehr Menschen vom Auto auf den Stadtbus umsteigen, wünschte sich neben Geschäftsführer Schichler-Koep auch Hans-Werner Pütz, der für den Fahrgastbeirat sprach. Er äußerte auch die Hoffnung auf eine Reaktivierung der Stadtbus-Verbindung in die Euskirchener Heide, die im Dezember vergangenen Jahres eingestellt worden war.
„Wir hatten dort nur drei Fahrgäste am Tag“, berichtete Schichler-Koep im Gespräch mit der Redaktion. Ein zu geringes Fahrgastaufkommen, um die Busverbindung aufrechterhalten zu können. Falls die Nachfrage steige, könne man natürlich über eine Reaktivierung nachdenken. Anzeichen für eine stärkere Frequentierung der Linie gebe es aber bislang nicht.
Nach der Flut in Euskirchen waren die Stadtbusse wieder schnell am Start
Bürgermeister Reichelt erinnerte auch an nicht so erfreuliche Zeiten, an die Corona-Pandemie etwa und an die Flut im Juli 2021. „Damals hat die SVE versucht, alle Fahrten bis zum Schluss aufrechtzuerhalten“, berichtete der Verwaltungschef. Irgendwann sei es aber schlichtweg nicht mehr möglich gewesen, alle Linien zu bedienen. Umso wichtiger sei es gewesen, nach der Flut wieder so schnell wie möglich am Start zu sein.
„Die Stadtbusse kosten bis heute Geld, aber das ist gut investiert“, betonte Reichelt, der zuweilen auch zu seinen Terminen mit der SVE fährt. „In den Bussen herrscht immer eine angenehme Atmosphäre, man kann sein Handy aufladen und hat Zugang zum WLAN“, so Reichelt. Und die Tarifstruktur soll nun noch einfacher werden: Am Montag, zeitgleich zum Jubiläumsfest, wurde der Rheinlandtarif eingeführt. Er richtet sich an Kunden, die den Nahverkehr gelegentlich bis selten nutzen, und umfasst nur noch drei Tarifstufen.

Beim Jubiläumsfest der SVE konnte man Bilder in einer Fotobox anfertigen lassen.
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Für die Vielfahrer, so Schichler-Koep, habe sich das Deutschland-Ticket bewährt. Beibehalten wird das vergünstigte Euskirchener City-Ticket, bei dem Erwachsene zwei Euro und Kinder einen Euro für eine Einzelfahrt zahlen. Der Geschäftsführer verwies in diesem Zusammenhang auch auf die „Eezy-App“, mit der der Tarif anhand der tatsächlich zurückgelegten Reisestrecke berechnet wird. Dabei wird immer der günstigste Preis berücksichtigt.
Die SVE betreibt in Euskirchen auch die Parkhäuser und ein Kundencenter
Die SVE ist in Euskirchen auch für die Parkraumbewirtschaftung zuständig. Sie betreibt neben den Parkscheinautomaten auch die drei Parkhäuser in der Innenstadt: am Entenpfuhl, in der Spiegelstraße und am Veybach-Center. Hinzu kommt das SVE-Kundencenter an der Oststraße gegenüber dem Bahnhof. Dort erhalten die Kunden nicht nur Infos zum Fahrplan und zu den Tarifen, sie können auch Fahrscheine kaufen, sich für das Carsharing-System Cambio anmelden oder eine Fahrrad-Box am Euskirchener Bahnhof mieten. Zudem besteht die Möglichkeit, im SVE-Kundenzentrum Konzertkarten zu kaufen und Zeitungsanzeigen aufzugeben.
Bei der Jubiläumsfeier am Bahnhof wurde auch für die Passanten und Gäste einiges geboten. Die SVE verteilte kleine Geschenke, etwa Äpfel oder Blumensamen, und Broschüren mit vielen Informationen. In einer Foto-Box konnten die Besucher zudem witzige Aufnahmen anfertigen lassen.
Peter Dürholt war ein Mann der ersten Stunde bei der SVE
Mit Peter Dürholt war am Montag auch ein Mann der ersten Stunde bei der Jubiläumsfeier zu Gast. Er war Beigeordneter im Euskirchener Rathaus, als der Stadtbus-Verkehr 1996 ins Leben gerufen wurde. Dürholt übernahm damals nebenamtlich auch das Amt des SVE-Geschäftsführer, gemeinsam mit seinem Beigeordneten-Kollegen Dr. Christian Karaus.
Politisch standen die Zeichen damals gut für die Gründung der Stadtverkehrsgesellschaft. Die SPD, der auch Dürholt angehört, bildete im Stadtrat damals ein Mehrheitsbündnis mit den Grünen. Beide Parteien hatten offene Ohren für das Stadtbus-System.
Und dennoch war eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen zu treffen. „Es konnte ja niemand absehen, wie sich die Stadtbusse entwickeln würden“, berichtete Dürholt im Gespräch mit der Redaktion. Nicht zuletzt stellte sich die Frage nach der Finanzierung.
Solide finanzelle Basis für die Stadtverkehrsgesellschaft
„Es war eine gute Lösung, die Überschüsse der e-regio für den ÖPNV zu nutzen“, sagte Dürholt. Dies sei eine solide Basis für die SVE gewesen, durch die die weiteren Entwicklungen ermöglicht worden seien.
In den 90er-Jahren, so die SVE, sei man einem Trend gefolgt, bei dem mittelgroße Städte neben den bestehen Regionalverkehren eine eigene Stadtbusgesellschaft mit attraktivem Angebot aufbauten. Heute, so SVE-Geschäftsführer Anno Schichler-Koep, sei Euskirchen in Sachen Stadtbus-Verkehr so gut aufgestellt wie kaum eine andere Stadt in der Region.
