Die Buslinie 419 verkehrt aufgrund von Bauarbeiten aktuell als Taxibus. Das könnte nun zum Dauerzustand werden.
Buslinie 419Overather Verwaltung erwägt Taxibus statt Fahrtenkürzung

Momentan fährt die Linie 419 nur als Taxibus.
Copyright: Guido Wagner
Mit dem Thema „Taxibus“ hat sich der Overather Ausschuss für Umwelt, Mobilität, Tourismus und Digitalisierung befasst. So sei durch die Arbeiten an der RB 25 und dem daraus resultierenden Schienenersatzverkehr ein Platzmangel am Overather Busbahnhof entstanden, wie die Verwaltung mitteilte. Die Buslinie 419 verkehrt seither als Taxibus und das könnte sie auch weiterhin.
Wie Thorsten Steinwartz, Erster Beigeordneter der Stadt, ausführte, könnte die Linie 419, die normalerweise wochentags und an Sonn- und Feiertagen zwischen Overath Bahnhof über Hallenbad, Lölsberg, Eulenthal sowie Warth bis zur Haltestelle Marialinden Schule verkehrt, durch einen Taxibus ersetzt werden, da die Linie nur wenig genutzt werde. Seit 2003 nutzt Overath dieses System bereits auf drei Linien.
Für die Organisation ist der Regionalverkehr Köln zuständig
In der Praxis sieht es so aus: Die Taxibusfahrten orientieren sich am regulären stündlichen Fahrplan, finden jedoch nur auf Anforderung der Nutzer statt und die Anmeldung muss spätestens 30 Minuten vor der Abfahrt erfolgen. Bei Gruppen ab fünf Personen sind es drei Werktage vorher. Die Anmeldung ist per Telefon und online über die Internetseite des RVK möglich und der Taxibus kann mit dem Deutschlandticket ohne Aufschlag genutzt werden. Für regelmäßige Fahrten kann eine Dauerbestellung aufgeben werden, so dass nicht jede Fahrt einzeln gebucht werden muss.
Für die Organisation ist der RVK zuständig, der bereits für die Überbrückung der Baustelle ein Taxiunternehmen engagiert hat, das auch auf Dauer tätig sein könnte.
Die Einsparungen durch den Taxibus werden auf 230.000 im Jahr beziffert
Die Umstellung, so erläuterten Marcel Görtz vom Amt für Mobilität und Klimaschutz des Kreises und Nahverkehrsplaner, Mark Noll, könnte auch Vorteile bringen. Zunächst wird die Einsparung, die entstehen soll, auf 230.000 Euro jährlich beziffert. Außerdem könne man so die beschlossene Streichung der Spätfahrten der Linie verhindern. Zudem könne man zusätzliche Fahrten anbieten, etwa spätere Fahrten, für die langen Öffnungszeiten des Hallenbads oder frühe Fahrten am Sonntag für Kirchgänger. Auch eine bessere Taktung für die Anbindung an den Bahnhof sei möglich.
Weitere Verbesserungen könnten laut Görtz sein, dass die Haltestellen Lölsberg und Eulenthal, bisher an einer Kreisstraße gelegen, nun zentraler angesiedelt werden könnten, wegen der kleineren Fahrzeuge. „Man kann auch darüber nachdenken, weitere Orte, südlich von Eulenthal, anzubinden. Vilkerath zum Beispiel, gerade mit dem kommenden Bahnhaltepunkt“, so Görtz. In Kombination mit anderen Taxibussen könnte das Netz generell verbessert werden. „Das sind alles Ideen, die wir hatten und im Kreistag vorschlagen werden.“ Görtz wollte von den Ratsmitgliedern vor allem Rückmeldungen , um sie im Kreistag weiterzugeben.
Simo Weigelt von der SPD sieht den Plan kritisch
Steinwartz fügte hinzu, dass mit Taxibussen auch das Auslassen von Haltestellen möglich sei, wenn kein anderer Nutzer dorthin müsse. So seien die Kunden schneller am Ziel.
Nicht so begeistert von diesem Plan war Simon Weigelt (SPD). Er betrachtete besonders den dreitätigen Vorlauf für Gruppen kritisch, da es keinen Raum für Spontanität gebe, etwa bei jungen Leuten, die nach Köln möchten, oder Wandergruppen. „Das ist eine deutliche Verschlechterung für Kinder und Jugendliche, die keine Handys haben“, meinte Weigelt außerdem. Er sehe zwar die Vorteile, eine kürzere Vorbestellungsfrist, gerade bei Gruppen, fände er aber gut.
Für die Drei-Tages-Regel für Gruppen gibt es Lösungsansätze
Dass es auch Nachteile bei Sparmaßnahmen gebe, sei klar, wie Görtz sagte, allerdings versuche man mit solchen Maßnahmen starke Einschnitte für die Mehrheit zu verhindern. Noll erklärte, dass man auch drei separate Taxen bestellen könne, etwa bei zehn Personen. So betrage der Vorlauf nur 30 Minuten. Außerdem seien die Taxiunternehmen in der Regel gut koordiniert und könnten zum Teil auch spontan auf solche Fälle reagieren. Ein Anruf lohne sich also trotzdem. Joachim Butenschön (stellvertretendes Mitglied CDU) bemerkte außerdem, dass durch den Taxibus der CO²-Ausstoß verringert werde, was der Umwelt zugutekomme.
Wie es mit einer bedienungsfreundlichen App aussieht, danach erkundigte sich Johannes Deppe (sachkundiger Bürger CDU). Schließlich gebe es Anbieter in der freien Wirtschaft, die das bereits hätten. Die sei zwar schon vorhanden, wie Noll erklärte, und werde im Kreis Euskirchen auch verwendet, allerdings noch nicht zum Buchen für die Fahrgäste, sondern nur für die Disposition der Fahrten auf Betriebsseite. Die Buchungsfunktion soll aber noch kommen. Wann sei noch nicht klar.
