Vor allem im Freizeitverkehr an den Wochenenden meiden immer mehr Menschen den Regionalverkehr im Rheinland. Sättigungsgrad beim D-Ticket scheint erreicht.
Fahrgastzahlen im Rheinland stagnierenPendler schieben Baustellenfrust

Ein Regionalzug nach Hamm wartet im Kölner Hauptbahnhof auf die Abfahrt. Die Fahrgastzahlen im Rheinland stagnieren. Der Freizeitverkehr war im Jahr sogar rückläufig. Foto: Peter Berger
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Langwierige und umfangreiche Baustellen im Rheinland vor allem zwischen Köln und Bonn, viele Verspätungen und Zugausfälle und eine anhaltend schlechte Betriebsqualität haben 2025 dazu geführt, dass Bahnkunden die Regionalzüge und S-Bahnen hauptsächlich nutzen, wenn sie zur Arbeit oder zur Schule müssen. In der Freizeit hält sich die Begeisterung, in Züge des Nahverkehrs zu steigen, in Grenzen.
Zum ersten Mal seit mehreren Jahren stagniert die Zahl der Fahrgäste im Großraum Köln. An Wochentagen wurde im Gebiet von go.Rheinland zwar noch ein leichter Zuwachs um 1,4 Prozent auf 372.000 Fahrgäste erreicht, an den Wochenenden waren hingegen etwa fünf Prozent weniger Reisende unterwegs. 2019 – im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, waren es noch 450.000.
Der Trend zu mehr Verkehr an den Wochenenden kehrt sich um. Beim Deutschlandticket ist ein Sättigungsgrad erkennbar. Im gesamten Jahr fuhren rund 146 Millionen Menschen mit den Nahverkehrszügen im Rheinland.
Die komplexe Baustellensituation sorgt nach wie vor für große Probleme bei der Qualität
„Die komplexe Baustellensituation sorgt nach wie vor für große Probleme bei der Qualität“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland. Die Aussichten bleiben schlecht, auch wenn am 10. Juli die Großbaustelle zwischen Köln, Wuppertal und Hagen nach fünf Monaten beendet sein wird.
Bis 2030 wird es weitere Generalsanierungen geben. Die nächste beginnt am 10. Juli auf der rechten Rheinseite zwischen Troisdorf und Wiesbaden und endet erst im Dezember. Im Jahr 2027 stehen mehrmonatige Baumaßnahmen auf der Siegstrecke, im Aachener Raum und in der Eifel an.
Auf ein Jahr ohne Großbaustellen wird man im Rheinland noch lange waren müssen, zumal neben den Sanierungen auch noch Neubauprojekte wie die Erweiterung der Kölner Hauptbahnhofs und des Bahnhofs Köln Messe/Deutz um jeweils einen zweigleisigen S-Bahnsteig anstehen.
Elf Prozent mehr Verspätungen
Je mehr Baustellen, desto unpünktlicher die Züge. Im Durchschnitt kam jeder Zug des Nahverkehrs im vergangenen Jahr 3:40 Minuten zu spät. Das ist eine Steigerung von elf Prozent. Die S-Bahn fuhr dabei noch am zuverlässigsten, weil sie im Vergleich zu den Regionalzügen häufig auf eigenen Trassen unterwegs ist. Bei den Regionalzügen gilt der Trend: Je länger der Fahrweg zwischen zwei Endbahnhöfen, desto schlechter ist die Pünktlichkeit. Im Gegensatz zum Fernverkehr, bei dem Verspätungen erst ab sechs Minuten gewertet werden, zählt beim Nahverkehr jede Sekunde.
Bei dieser Gemengelage überrascht es nicht, dass die Zahl der Beschwerden im Vergleich zu 2024 noch einmal deutlich zugenommen hat. Sie stieg um 23 Prozent auf knapp 2.300. Die häufigsten Gründe waren neben Fahrtausfällen Probleme mit dem Vertrieb. Bei 372.000 Reisenden am Tag ist das dennoch ein geringes Beschwerdeaufkommen.
Weniger Zugausfälle durch verjüngte Flotte
Immerhin: Es gibt auch ein paar positive Trends. Vor allem bei der S-Bahn ist die Zahl der Züge, die entweder ganz ausfielen oder mit weniger Einheiten unterwegs waren, deutlich gesunken. Im Jahr 2024 fielen immer wieder S-Bahnen aus, weil sie wegen der Modernisierung wochenlang in den Werkstätten standen. Überdies konnte zusätzliche S-Bahnen, die in Hannover nicht mehr gebraucht wurden, übernommen werden. Im Ergebnis ergibt sich bei allen Zügen des Nahverkehrs eine Verbesserung von 33 Prozent. Insgesamt waren 60 Prozent der Zugausfälle im Jahr 2025 auf Bauarbeiten an der Infrastruktur zurückzuführen.
Auch der Mangel an Fahrpersonal ist durch ein landesweites Aktionsprogramm aller Verkehrsunternehmen deutlich zurückgegangen. Bei go.Rheinland erwartet man für 2026, dass der Regelfahrplan eingehalten werden kann.
Die Kölner Verkehrs-Betriebe haben bei den Fahrgastzahlen einen vergleichbaren Trend. Gegenüber 2024 stieg die Zahl mit 237,5 Millionen nur um 0,6 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Wert vor der Pandemie. 2019 waren es noch 286 Millionen Fahrten. Die Zahl der Stammkunden mit Abo erreichte 2025 mit 354.800 ein Rekordniveau. Davon sind 346.900 Deutschlandtickets.