Burkhardt Unrau erhält das Bundesverdienstkreuz und wird ganz leise – Wolfgang Bosbach erinnert an gemeinsame Schulzeit – und warnt
Großer Bahnhof im RathausEin Orden für einen Bergisch Gladbacher Macher

Im Fokus der Kameras: Bundesverdienstkreuz für Burkhardt Unrau, Landrat Arne von Boetticher steckt ihm die Auszeichnung an.
Copyright: Guido Wagner
Viel passender hätte dieser Moment kaum inszeniert werden können. Draußen vor dem Rathaus drehten sich die Karussells der Laurentiuskirmes, drinnen stand einer der Männer im Mittelpunkt, ohne den es dieses traditionsreiche Volksfest in seiner heutigen Form wohl kaum gäbe. Und als wäre die hohe Auszeichnung allein nicht Anlass genug zum Feiern, hatte Burkhardt Unrau an diesem Tag auch noch Geburtstag.
Mich haut das fast um. Ich sehr, sehr dankbar und demütig.
Als Landrat Arne von Boetticher ihm im Ratssaal das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichte, wurde selbst der sonst selten um Worte verlegene Unrau plötzlich ganz leise. „Mich haut das fast um“, bekannte er später. Er sei „sehr, sehr dankbar und demütig“ – und seine Beine zitterten.

Mit dem Bundesverdienstkreuz zeichnete Landrat Arne von Boetticher (r.) Burkhardt Unrau aus.
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Dabei blieb es keineswegs nur bei staatstragenden Worten und feierlichem Zeremoniell. Dafür sorgte spätestens Unraus ehemaliger Schulkamerad Wolfgang Bosbach. Der frühere Bundestagsabgeordnete griff spontan zum Mikrofon und erinnerte daran, dass beide einst gemeinsam die Realschule besucht hatten. Besonders fleißig seien sie damals wohl nicht gewesen, besonders brav vermutlich auch nicht. Mancher Lehrer dürfte sich gefragt haben: „Was soll aus den Vögeln einmal werden?“

Burkhardt Unraus Leben ist, wie hier mit seinem Vater, von der Kirmes geprägt.
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Bosbach konnte die Frage nun beantworten. Aus dem damaligen Freundeskreis seien Musiker und andere erfolgreiche Persönlichkeiten hervorgegangen, einer sei „in die Politik gegangen“ – und „Nummer vier bekommt heute das Bundesverdienstkreuz“. Seine augenzwinkernde Botschaft an Pädagogen: „Stutzt den jungen Vögeln nicht so früh die Flügel. Lasst sie einfach mal fliegen. Es wird schon was draus.“
Glückwünsche von Ministerpräsident Hendrik Wüst und RP Gregor Lange
Bürgermeister Marcel Kreutz hatte zuvor die Gäste begrüßt. Der Ratssaal als „Haus der Bürgerinnen und Bürger“ sei der passende Ort für die Ehrung eines Mannes, dessen Engagement den Menschen seiner Heimatstadt gelte.

Zahlreiche Weggefährten, darunter auch viele Schausteller, waren zur Ehrung von Burkhardt Unrau in den Ratssaal gekommen.
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Landrat von Boetticher brachte es in seiner offiziellen Laudatio auf eine kurze Formel: „Es gibt Menschen, die eine Stadt bewohnen. Und es gibt Menschen, die sie prägen.“ Unrau gehöre zur zweiten Gruppe.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte ihm mit Urkunde vom 20. Mai 2026 das Verdienstkreuz verliehen. Angestoßen hatte die Auszeichnung der frühere Landrat Norbert Mörs, dem Unrau später ausdrücklich dankte. Von Boetticher übermittelte zudem die Glückwünsche von Ministerpräsident Hendrik Wüst und Regierungspräsident Gregor Lange.
Seit Jahrzehnten setzt sich Burkhardt Unrau für die Bergisch Gladbacher Kirmes ein
Dass ausgerechnet die Laurentiuskirmes vor den Rathausfenstern lief, passte. Seit Jahrzehnten setzt sich Unrau für das Volksfest ein, das längst zu einem Teil seines Lebens geworden ist. Als Mitbegründer und langjähriger Geschäftsführer des Schaustellervereins Bergisch Gladbach sei er „Macher“, Ansprechpartner, Organisator und Vermittler, würdigte ihn der Landrat.
Dabei gehe es ihm nicht allein um Karussells und Buden, sondern um Gemeinschaft und Brauchtum. Schaustellergottesdienst mit Kreisdechant Norbert Hörter und gemeinsames Frühstück mit den Bürgern gehören dazu. Selbst während der Corona-Pandemie suchte Unrau nach Wegen, die Kirmestradition am Leben zu halten.

Gratulierten Burkhardt Unrau zum Bundesverdienstkreuz: Manfred Habrunner, Sylvia Zanders, Wolfgang Bosbach und Caroline Bosbach.
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Sein Engagement reicht weit über den Rummel hinaus. Mit dem Jungen Unternehmer Club unterstützte Unrau Existenzgründer und Menschen in schwierigen Lebenslagen. Unter seiner Leitung kamen rund 200.000 Euro an Spenden für Kinder in Not zusammen. Kinderspielhäuser und Sportangebote wurden finanziert, die Bergisch Gladbacher Tafel und weitere soziale Einrichtungen unterstützt.
„Du hast Menschen zusammengebracht – nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Helfen“, sagte von Boetticher. Auch Sylvia Zanders, Vorsitzende des Vereins „Bürger für uns Pänz“, und Geschäftsführer Manfred Habrunner dankten Unrau bei der Feierstunde herzlich.

Burkhardt Unrau zeigte sich gerührt.
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Die Liste seiner Ehrungen ist entsprechend lang: Ehrenauszeichnung der Stadt Bergisch Gladbach, Goldene Ehrennadel des Rheinisch-Bergischen Kreises, Montanus-Plakette der Brauchtumsvereinigung und die Ernennung zum Ehrenschausteller des Landes Nordrhein-Westfalen. Nun kam das Bundesverdienstkreuz hinzu.
Die schönste Auszeichnung könne man sich allerdings nicht ans Revers heften, sagte von Boetticher. Es sei „die Wertschätzung der Menschen“ und die Dankbarkeit derjenigen, denen Unrau geholfen habe.
Eine Stadt wird von Menschen geprägt, die sich für sie engagieren und sie bunt und vielfältig machen. Du bist nicht alleine, aber ohne dich wäre die Stadt bedeutend ärmer.
Wie gut Bosbach seinen alten Schulfreund kennt, zeigte seine spontane Rede. „Wo Burkhard ist, ist vorne“, charakterisierte er den Mann, der nicht zu übersehen und schon gar nicht zu überhören sei. Wenn Unrau sich etwas in den Kopf gesetzt habe, lasse er nicht locker. Bosbachs Warnung an alle, die mit Unrau einmal ernsthaft unterschiedlicher Meinung sein sollten, gehörte zu den größten Lachern: Es sei für sie „gefahrloser, in einem roten T-Shirt durch eine Stierkampfarena zu gehen, als Burkhardt Unrau in der Fußgängerzone zu begegnen“.

Der Geehrte (M.) Burkhardt Unrau mit seiner Ehefrau Ute und Landrat Arne von Boetticher.
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Dann gebe es noch den „undiplomatischen Unrau“, der Politiker schon einmal kräftig kritisiere – und sie anschließend in den Arm nehme. Vor allem aber sei sein Freund leidenschaftlicher Lokalpatriot. Eine Stadt werde von Menschen geprägt, die sich für sie engagierten und sie bunt und vielfältig machten. Ohne Unrau, sagte Bosbach, „wäre die Stadt bedeutend ärmer“. Am Ende wurde er persönlich: „Vor allem bedanke ich mich für deine Freundschaft.“

Schulkameraden von der Gladbacher Realschule Wolfgang Bosbach und Burkhardt Unrau.
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Unrau machte in seinen Dankesworten deutlich, dass er das Bundesverdienstkreuz nicht als Auszeichnung für sich allein betrachtet. Es gehöre auch den Menschen, die ihn über Jahrzehnte unterstützt und manchmal „aushalten mussten“. Einige wichtige Wegbegleiter seien nicht mehr da und schauten nun „von oben zu“.

Eng verbunden: Burkhardt Unrau und Landrat a.D. Norbert Mörs.
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Er dankte seiner Frau Ute, seiner Familie, Freunden und Weggefährten, den Schaustellern sowie Unterstützern aus Politik, Verwaltung und Kirche. Gerade während der Corona-Zeit hätten viele dafür gesorgt, dass Schausteller und Kirmes eine Zukunft hatten. Er selbst sei dabei nur „ein kleines Teilchen“ gewesen.
Sein Lebensmotto brachte Unrau auf einen Satz: „Gemeinsam was bewegen. Geht nicht, gibt es nicht.“
Und schließlich kam er auf das zurück, was draußen vor den Rathausfenstern unübersehbar war – die Kirmes: „Das ist mein Leben“, sagte Unrau. „Das ist meine Liebe.“
