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Pendlerstrecke S11 gesperrtMit Bus, Bike und Geduld von Bergisch Gladbach nach Köln

6 min
Einen Schienenersatzverkehr-Bus steht im Busbahnhof von Bergisch Gladbach.

Ob mit den Schienenersatzbuslinien oder mit dem S11-Bike: Die Redaktion hat die Ersatzverkehrsmittel für die seit Freitagabend bis 3. Juli gesperrte S-Bahn-Linie 11 getestet.

Wie läuft's mit dem Schienenersatzverkehr für die S 11? Ein Selbstversuch vor dem ersten Pendleransturm. Was es zu beachten gilt und wo Fehler lauern.

Ein Kölsch in Köln? Klingt einfach – trotz gesperrter S 11. Dachte ich! Ein Selbstversuch zeigt: Der Weg dorthin ist komplizierter als gedacht. Immerhin gibt's gleich mehrere Schienenersatzverkehr-Optionen, seitdem die S-Bahnstrecke am Freitagabend bis zum 4. Juli voll gesperrt worden ist. Also: Einfach ausprobieren. Auto stehen lassen und auf geht's zu den Öffi-Alternativen.

Aufgeklebte Fußstapfen auf dem Bahnsteig des Bergisch Gladbacher S-Bahnhof sollen den Weg zum Schienenersatzverkehr weisen.

Hinweise auf den Ersatzverkehr: verwirrend angebrachte Fußstapfen am Gladbacher S-Bahnhof.

Und prompt: Ganz aus Gewohnheit erstmal zum S-Bahn-Gleis gelaufen. Die Hinweise, dass hier vorerst keine Bahn verkehrt, sind – sagen wir mal – kreativ angeordnet. Der erste Blick fällt zum elektronischen Schriftlaufband über dem Bahnsteig. „Ersatzverkehr mit Bus nach Köln-Mülheim“ ist auf der durchlaufenden Schrift zu lesen. Informationen zu den Haltestellen der besagten Busse finde man auf den Aushängen, heißt es weiter.

Der Wege zum Schienenersatzverkehr im Gladbacher S-Bahnhof ist etwas chaotisch ausgewiesen

Im etwas unübersichtlich bestückten Schaukasten am Bahnsteig ist dann tatsächlich ein Überblicksplan des benachbarten Busbahnhofs zu finden. Ich folge dem auf der Karte angezeigten Weg. Auf dem Boden sind mehrere Fußabdrücke mit der Aufschrift Schienenersatzverkehr zu sehen, die allerdings alle parallel zum erstbesten Busbahnsteig führen – wo der Schienenersatzverkehr jedoch gar nicht abfährt.

Ein großes Bodenplakat am Ende des Bahnsteigs zeigt auf dem Kopf stehend den Weg zum SEV.

Ein großes Bodenplakat am Ende des Bahnsteigs zeigt auf dem Kopf stehend den Weg zum SEV.

Ein großes Bodenplakat am Ende des Bahnsteigs wird da schon genauer: Vom Bahnsteig aus gesehen steht es zwar auf dem Kopf, verheißt aber eindeutig, dass der Schienenersatzverkehr an den Bussteigen 8 und 9 abfährt – also auf der gegenüberliegenden Seite des Busbahnhofs. Dort sind auch zusätzliche SEV-Haltestellenschilder aufgestellt. Mit Bildschirmen, auf denen die aktuellen Verbindungen angezeigt werden.

Zwei Ersatzbuslinien fahren nach Köln, eine zum Bahnhof Mülheim, die andere zur Straßenbahn in Dellbrück

Aha, ich habe also die Möglichkeit, mit der Schienenersatzverkehrlinie „BusS11A“ parallel zum regulären Streckenverlauf der S 11 bis nach Köln-Mülheim zu fahren und dort in die ab da wieder verkehrende S-Bahn nach Köln umzusteigen. Alternativ könnte ich die Linie „BusS11B“ zum Mauspfad in Dellbrück nehmen – je nachdem, was mich schneller zu meinem persönlichen Ziel in der Domstadt bringt.

In einem Schaukasten am Gladbacher S-Bahnhof hängen bunt durcheinander verschiedene Infozettel.

Unübersichtlich gefüllter Info Schaukasten am Gladbacher S-Bahnhof.

Da beide Linien laut Plan allerdings erst in 17 Minuten kommen, wähle ich die dritte Alternative: das bundesweite Pilotprojekt von Schienenersatzverkehr-Leihrädern.

Eine elektronische Anzeigetafel gibt Hinweise auf den nächsten Schienenersatzverkehr am Gladbacher S-Bahnhof.

Anzeige des nächsten Schienenersatzverkehrs am Gladbacher S-Bahnhof.

Nach ein bisschen Suchen sind die lila lackierten Fahrräder gefunden. Direkt neben den an der hiesigen Mobilstation schon seit längerem angebotenen Bergischen E-Bikes.

Ein Fahrschein reicht für die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehrs-Fahrrad nicht aus, man braucht auch eine App

Mein Fahrschein allein reicht allerdings nicht, um mir eines des SEV-Fahrräder auszuleihen. Dazu brauche ich die App des Anbieters Nextbike. Okay, die habe ich ja schon von Touren mit dem Bergischen E-Bike. Nach einer Aktualisierung der App werden mir darin nun auch die S11-Bikes angezeigt.

Eine Hand hält ein Handy mit einer App, mittels derer eines von mehreren Fahrrädern im Hintergrund ausgeliehen wird.

Mit der Nextbike-App lassen sich die SEV-Leihräder an den S11-Bahnhöfen zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim leicht ausleihen.

Die Ausleihe ist so einfach wie beim Bergischen E-Bike: Den QR-Code am Heck eines freien Rades mit der App scannen, auf „Fahrt beginnen“ drücken und – Klick – springt das Speichenschloss des gewünschten Drahtesels auf. Domstadt, ich komme!

Sei dein eigener Schienenersatzverkehr.
Rat des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit Hinweis auf Radrouten nach Köln

Aber wo geht's lang? „Sei dein eigener Schienenersatzverkehr“ hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) plakatiert und weist per QR-Code auf Radrouten in einer Navi-App hin. Ich suche aber lieber erstmal nach einem Wegweiser. Am Minikreisel vor der Einfahrt zum Rhein-Berg-Galerie-Parkhaus ist einer zu sehen: „Hier entsteht Route 2 Köln“. Das muss die vor der S11-Sperrung schonmal provisorisch ausgewiesene Radpendlerroute in die Domstadt sein. Auf geht's.

Schilder am Driescher Kreisel zeigen die Route nach Köln, der ADFC gibt digitale Hilfen.

Wegweiser zeigen die Route nach Köln, der ADFC gibt digitale Hilfen.

Am Driescher Kreisel dann gleich ein kleiner Dämpfer: Erstmal geht es auf dem Radweg einmal rund um den Kreisel und in Richtung Zandersgelände. Die dortige autofreie Passage auf der „Main Street“ lockt zwar, doch zuvor heißt es dreimal absteigen. Denn die Zebrastreifen am Driescher Kreisel darf man nicht im Fahrradsattel überqueren. Sei's drum, die Fahrt zwischen den historischen Bauten übers Zandersareal ist jedes Mal ein Vergnügen.

Ein Fahrrad fährt über die für Autos gesperrte Straße auf dem Zandersgelände.

Reizvoll ist die Radroute übers Zanders-Gelände und durchs Grüne.

An der Ausfahrt Cederwaldstraße weisen weitere Radschilder den Weg am Refrather Weg entlang und dann am Finanzamt auf die ehemalige Straßenbahntrasse Richtung Köln. Tschüss, Autoverkehr!

Radwegbeschilderung endet mitten im Gierather Wald und ist auch danach lückenhaft

Allerdings endet die Beschilderung plötzlich im Gierather Wald abrupt. Gut, die Markierung des Strundeweg geht sicher zu Not auch. Und auf der Gierather Straße ist dann auch wieder ein Wegweiser zu finden. Am Abzweig des Schlodderdicher Wegs allerdings schon wieder Fehlanzeige. Vielleicht sollte ich doch besser mit dem Bus weiter fahren? Zumal es mittlerweile kräftig regnet.

Der Autor des Zeitungsartikels fährt auf einem SEV-Leihfahrrad auf dem ehemaligen Bahndamm der Straßenbahn bei Bergisch Gladbach-Gronau.

Im Selbstversuch: Nicht überall ist die Route für die Schienenersatzvekehr-Radroute nach Köln gut ausgeschildert.

Der S-Bahnhalt Duckterath müsste nun die nächstgelegene der vier Ausleih- und Rückgabestellen für S11-Bikes sein. Allerdings ist die Radroute dorthin noch schlechter ausgeschildert als die Richtung Köln. Nämlich gar nicht.

Ein Fahrradabzweig zum Duckerather Bahnhalt lässt sich nicht finden – hilfreich ist, wenn man sich ein bisschen auskennt

Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn man sich ein bisschen auskennt. So ist auch die Zufahrt zum S-Bahnhalt Duckterath an der Damaschkestraße schnell gefunden. Die Abgabestelle befindet sich zwar am gegenüberliegenden Ende des Bahnsteigs an der Franz-Hitze-Straße, aber die Rückgabe funktioniert reibungslos: einfach das Speichenschloss schließen und schon wird die Ausleihzeit in der App gestoppt und abgerechnet. 1 Euro hat die 15-minütige Tour gekostet. Wer ein Aboticket beziehungsweise das Deutschlandticket besitzt, hat 30 Minuten Fahrt kostenfrei.

Fußabdruck-Wegweiser zeigen den Weg zu SEV-Haltestelle an der Mülheimer Straße, im Hintergrund stehen SEV-Leihräder.

Auch am Bahnhalt Duckerath lassen sich SEV-Räder ausleihen. Fußabdruck-Wegweiser zeigen hier zuverlässig den Weg zu SEV-Haltestelle an der Mülheimer Straße.

Vom Bahnhalt Duckterath ist die SEV-Bushaltestelle leicht zu finden. Hier sind die violetten SEV-Fußabdrücke so auf den Gehweg geklebt, dass man ihnen gut folgen kann und zuverlässig die Schienenersatzbushaltestelle an der Mülheimer Straße erreicht.

An der Mülheimer Straße sind offenbar die Fahrpläne an den SEV-Haltestellen vertauscht worden

Aber was ist das? Auf den elektronischen Anzeigetafeln an den eigens aufgestellten SEV-Haltestellenschildern werden in Richtung Köln die Abfahrten nach Bergisch Gladbach und auf der anderen Straßenseite, wo eigentlich die Busse zum Gladbacher S-Bahnhof abfahren, die Abfahrten in Richtung Köln angezeigt.

Eine SEV-Sonderhaltestelle steht an der Mülheimer Straße in Bergisch Gladbach-Gronau.

An der Mülheimer Straße sind offenbar die Fahrpläne an den SEV-Haltestellen vertauscht worden.

Offenbar sind die beiden Haltestellen vertauscht oder falsch programmiert worden. Dass Bergisch Gladbach auf den Schildern immer wieder mal mit Bindestrich zu lesen ist, soll nicht weiter stören – Hauptsache, der Ersatzbus kommt. Und das tut er und bringt mich zuverlässig nach Köln-Mülheim, von wo aus ich gleichwohl mit ordentlicher Verspätung die Verabredung in Köln-Deutz erreiche.

Für eine Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr sollte man anfangs mehr als eine Stunde zusätzlich einplanen

Gut, wenn man Freunde hat, die auch mal auf einen warten. Für die Fahrt zur Arbeit mit dem Ersatzverkehr sollte man unterdessen am besten noch deutlich mehr Zeitpuffer einplanen, als die Stunde, die ich am Samstagabend draufgeschlagen hatte. Zumal sich manches im Ersatzverkehr auch noch einspielen muss.

Das ist am Abend auf der Rückfahrt zu merken, als eine Busfahrerin etwas verunsichert Fahrgäste fragen muss, ob sie zum Gladbacher Busbahnhof am Beit-Jala-Platz besser in die Haupt- oder in die Dechant-Müller-Straße abbiegt. Die Fahrgäste stutzen ob der Frage, raten dann aber zuverlässig zur Dechant-Müller-Straße.

Schienenersatzverkehrsbusse stehen und fahren im Gladbacher Busbahnhof.

Manches muss sich noch einspielen: Schienenersatzverkehrsbusse im Gladbacher Busbahnhof.

So hat auch dieser SEV-Bus am Ende sicher sein Ziel erreicht. Und ich? Ich würde wieder mitfahren: Mit Bus, Bike und etwas Geduld kommt man auch während der S11-Sperrung ganz gut nach Köln.


Darum ist die S11-Strecke bis zum 3. Juli gesperrt

Die ersten Bahnbaufahrzeuge stehen bereits am Bergisch Gladbacher S-Bahnhof: Während einer dreimonatigen Sperrung der S11-Bahnstrecke zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim bis zum 3. Juli werden unter anderem Arbeiten zur Einrichtung des neuen modernen Stellwerks Köln-Mülheim durchgeführt. Dieses Stellwerk ersetzt das mehr als 100 Jahre alte und laut Bahn störanfällige Stellwerk an der Tannenbergstraße in Bergisch Gladbach.

Baufahrzeuge und Material stehen am Gladbach er S-Bahnhof bereit für die Arbeiten an der Strecke nach Mülheim in den nächsten Wochen.

Baufahrzeuge und Material stehen in Gladbach bereit für die Arbeiten an der Strecke nach Mülheim in den nächsten Wochen.

Parallel dazu werden während der aktuellen Sperrphase laut Bahn „umfangreiche Arbeiten zur Ausrüstung der Strecke mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS“ durchgeführt. Dieses System überwacht die Geschwindigkeit und Einhaltung von Signalen kontinuierlich, um Kollisionen und Sicherheitsverletzungen zu vermeiden.

„Mit dieser Baumaßnahme wird ein weiterer wichtiger Meilenstein hin zur Digitalisierung des gesamten Bahnknotens Köln gelegt“, so die Deutsche Bahn. 2027 wird die Strecke für weitere drei Monate gesperrt. Dann werden unter anderem die Haltepunkte Dellbrück und Holweide barrierefrei umgebaut. (wg)