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BrauchtumKürten nimmt Abschied von einer Institution

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Das Foto zeigt das Schützenheim in Dürscheid

Das Schützenheim in Kürten-Dürscheid

Die Schützen in Dürscheid richten kein Schützenfest mehr aus. Sie beteilige sich nur noch an kirchlichen Festen im Dorf

Unvergessliche Tage waren es im Juni 2019 für die Schützen aus Dürscheid. Das heimische Blasorchester spielte den Großen Zapfenstreich zu Ehren des 150-jährigen Bestehens der Bruderschaft, Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr standen mit ihren Fackeln Spalier. Ein großes Festprogramm begleitete den Geburtstag. Dürscheid feierte eine halbe Woche in Grün und Weiß. Im Jahr danach kam die Pandemie. Nicht nur in Dürscheid, überall in Deutschland brachen über Nacht Traditionen weg. Corona veränderte die Gesellschaft.

„Wir haben zwei kleine Schützenfeste danach noch gefeiert“, sagt Kunibert Meyer, der langjährige Geschäftsführer. Aber schon damals litt die Bruderschaft unter Personalsorgen. Jetzt gibt es noch 22 Aktive. Zu wenig, um ein mehrtägiges Volksfest angehen zu können. Es werde kein Schützenfest in Dürscheid mehr geben, sagt der Geschäftsführer. Damit geht eine Tradition zu Ende, die im Gründungsjahr 1869 begonnen hat. Auch zu benachbarten Feierlichkeiten, wie jetzt am Wochenende im Nachbarort Biesfeld, werde die Bruderschaft nicht mehr gehen.

Nur noch bei Kirchenfesten im Dorf

Das Einzige seien die kirchlichen Feste in Dürscheid. Zu Fronleichnam, übermorgen, begleitet eine Abordnung die Prozession im Ort. An eine Auflösung denkt die Bruderschaft aber bislang nicht. Dennoch: Es geht für Meyer und die verbleibenden Mitglieder um das Ende einer Tradition, mit schmerzhaften Einschnitten. Die Dürscheider stehen nicht alleine da. Das Brauchtum der Schützen scheint in der digitalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, mit Künstlicher Intelligenz und Soziale Medien, für manche Menschen aus der Zeit gefallen zu sein.

Große Schützenfeste sind selten geworden, allerhöchstens auf der Hand in Bergisch Gladbach, in Schildgen und in Rösrath geht es trubelvoll zu. Anderenorts wird eher klein gefeiert oder im internen Rahmen, wenn überhaupt. Als sich die viele hundert Jahre alte Bruderschaft in Odenthal auflöste, lange vor der Pandemie, war der gesellschaftliche Wandel bereits zu spüren gewesen.

In Offermannsheide, auch eines der Kürtener Kirchdörfer, traten die Schützen aus der Historischen Bruderschaft aus und gingen zum Sportschießen über. Bärbroich und Herkenrath sind seit Jahrzehnten gemeinsam unterwegs, und auch in Bensberg sind die Schützentraditionen schon vor vielen Jahrzehnten untergegangen. Für die Dürscheider, sagt Kunibert Meyer, sei es wichtig, dass es sie noch gibt, wenn auch anders. Im Dorf habe es Gerüchte geben, von Auflösung sei die Rede gewesen.

Keine Auflösung

„Das stimmt nicht“, tritt er diesen Gedanken entgegen. Das Vereinsheim der Bruderschaft, es steht am Ortsrand in der Nähe von Kindergarten, von Sportplatz und Tennisanlagen, könne weiterhin privat für Feiern und Feste angemietet werden. In der Vergangenheit war diese Location, wie man neudeutsch sagt, beliebt. In Dürscheid werden die meisten schon mal im Schützenhaus gefeiert haben. Das soll auch weiterhin möglich sein, erklärt Meyer.

Die Immobilie ist aber ein schwieriger Fall, denn sie ist auf einem Grundstück errichtet, das die Schützen langjährig in Erbpacht von der Gemeinde übernommen haben. Sollte es doch zu einer Auflösung der Bruderschaft kommen, fiele alles zurück an die Kommune mit allen rechtlichen Auswirkungen.

Grundsätzlich birgt ein Verkauf von Immobilien in Erbpacht Schwierigkeiten, zuvor müsste die Situation rechtlich überprüft werden. Welcher Weg zu späterer Zeit beschritten werden könnte, ist offen. Die Abwicklung eines Vereins ist immer komplex, das mussten in den vergangenen Jahren auch Dutzende von Männerchören erleben. Deren Tradition muss sich ebenfalls neuen Herausforderungen stellen.

Flohmarkt am Vereinsheim

Vor kurzem hat es auch einen Flohmarkt am Vereinsheim gegeben. Da seien zahlreiche technische Gegenstände an befreundete Verein oder private Interessenten abgegeben worden, Stromkabel, Steckdosen, wichtige Dinge für die Ausrichtung von Festen. „Aus der Zeit war das, als noch auf dem Schützenfest gefeiert wurde“, so der Geschäftsführer der Schützen.

Den Platz im Ortskern verließen die Schützen schon vor Jahrzehnten, Ende der 1990er-Jahre flackerte nach Jahren der Pause mit der Kirmesgesellschaft der Vereine ein kurzzeitiges Intermezzo auf. Kirmes und Schützenfest, das waren die Ereignisse, denen die bergische Jugend früher entgegenfieberte, dort lernten sich die jungen Leute oft näher kennen. Beim Tanzen entstanden erste Kontakte zum anderen Geschlecht. Heute ist der Dürscheider Festplatz bebaut, und die Jugend chattet über die Sozialen Medien miteinander.

Das soziale Leben, an dem die heute hochbetagten Senioren in ihren Jugendjahren teilnahmen, ist seit langem im Verschwinden, mit Schützenfesten, mit Männerchören, mit Kirmesmärkten oder auch dem Feldhandball als sportliche Betätigung. Über vieles ist die Zeit hinweggegangen. Die Signale stehen auf Abschied, auch in Dürscheid. Und was die Zukunft für das Vereinsheim bringt, ist offen.