Tiefe Einblicke in kuriose Fälle und menschliche Schwächen erlaubt das Buchdes Kriminalhauptkommissars.
„True Crime am Rhein“Odenthaler öffnet eindrucksvolles Fenster in den Alltag eines Ermittlers

Nach zehn Kriminalistenromanen bietet Hatterscheidt in seinem neuen Buch einen faszinierenden Einblick in den Polizeiberuf.
Copyright: Guido Wagner
Mehr als vier Jahrzehnte Polizeiarbeit, unzählige Einsätze und Geschichten, die zwischen Tragik, Spannung und Komik schwanken: Mit seinem neuen Buch „True Crime am Rhein“ öffnet Kriminalhauptkommissar Bernhard Hatterscheidt ein eindrucksvolles Fenster in den Alltag eines Ermittlers – und in die menschlichen Abgründe wie auch in die überraschend heiteren Seiten des Berufs.
Das Werk ist keine klassische Autobiografie, sondern eine literarische Sammlung realer Fälle, prägender Erlebnisse und teils skurriler Begebenheiten aus dem Polizeidienst. Hatterscheidt erzählt von Mordermittlungen, außergewöhnlichen Notrufen, Begegnungen mit eigenwilligen Tatverdächtigen und Momenten, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Einige Episoden reichen bis in seine Ausbildungszeit zurück, andere stammen aus späteren Jahren bei der Mordkommission und aus Ermittlungen, die ihn persönlich stark bewegt haben.
Über Jahre hinweg sammelte der Polizist Notizen zu seinen Fällen
„Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich diese ganzen Dönekes nicht einmal aufschreiben wolle“, berichtet Hatterscheidt, der bereits zehn Kriminalistenromane veröffentlicht hat. Die Idee zum aktuellen Buch entstand aus genau diesen Gesprächen – mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Menschen aus dem Publikum seiner Lesungen. Über Jahre hinweg sammelte er Notizen, Erinnerungen und Stichpunkte, die schließlich zu einer zusammenhängenden Sammlung von Geschichten geformt wurden.
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Denn Hatterscheidt ist längst nicht mehr nur Ermittler, sondern auch Bühnenmensch. Seine Lesungen haben sich zu Krimi-Shows und Krimi-Dinner-Formaten entwickelt, bei denen er Passagen aus seinen Geschichten mit Schauspiel, Interaktion und Humor verbindet. Diesen Samstag etwa tritt er im Altenberger Spiegelzelt auf (siehe „Den Autor und Polizisten live erleben“). Das neue Buch knüpft an diese Arbeit an und bringt seine Erlebnisse nun in gedruckter Form zu einem noch größeren Publikum.
Das Buch findet immer wieder zu humorvollen Momenten zurück
Besonders eindrücklich sind die Passagen, in denen der Autor von Einsätzen mit Kindern und Familien berichtet. Diese Fälle hätten ihn emotional nachhaltig geprägt, schreibt Hatterscheidt – nicht nur als Ermittler, sondern auch als Mensch. Ein Fall, in dem es um ein Baby ging, habe er genau zu jener Zeit bearbeitet, als er selbst Vater geworden sei, erzählt er im Gespräch bei sich zu Hause in Odenthal: „Das lässt einen dann nicht los“, sagt er mit nachdenklicher Mine. In den betreffenden Kapiteln wird deutlich, wie belastend Polizeiarbeit auch sein kann und wie schmal der Grat zwischen professioneller Distanz und unwillkürlich persönlicher Betroffenheit ist.
Gleichzeitig findet das Buch immer wieder zu humorvollen, fast absurden Momenten zurück. Hatterscheidt schildert bizarre Situationen, ungewöhnliche Anrufe bei der Leitstelle, skurrile Tatortmomente und unvergessliche Kollegenerlebnisse. So etwa der Anruf einer Bürgerin, die berichtete, merkwürdige Geräusche zu hören. „Wir sind dann da gewesen“, erinnert sich Hatterscheidt. „Sie wohnte über der U-Bahn-Einfahrt und fragte ständig: Hören Sie auch dieses Geräusch?“
Der Wechsel zwischen Tragik und Komik mach den Reiz des Buches aus
Der Autor versteht es, selbst ernste Themen mit feinem, teils schwarzem Humor zu erzählen, ohne dabei den Respekt vor Opfern oder der Ernsthaftigkeit des Berufs zu verlieren. Gerade dieser Wechsel zwischen Spannung, Tragik und Komik macht den Reiz des Buches aus. „Es muss nicht immer Mord und Totschlag sein. Die Realität ist oft viel skurriler“, weiß der Kriminalhauptkommissar und Autor.
Die Fälle wurden selbstverständlich anonymisiert. „Der eine oder andere Kollege könnte sich allerdings doch wiedererkennen“, sagt Hatterscheidt augenzwinkernd.
Hatterscheidt plant bereits einen weiteren fiktiven Kriminalroman
Mit Blick auf den geplanten Ruhestand in einigen Jahren versteht der 60-Jährige sein aktuelles Werk ein bisschen auch als eine Art Rückblick auf sein Berufsleben – und als Dokument einer außergewöhnlichen Laufbahn im Polizeidienst – vom Dienst in der Einsatzhundertschaft über Jahre in der Mordermittlung bis hin zu internen Ermittlungen, in denen Hatterscheidt heute tätig ist.
Zugleich ist es kein Abschied vom Schreiben: Hatterscheidt denkt bereits über weitere Projekte nach, darunter auch einen fiktiven Kriminalroman, möglicherweise mit Einblicken in interne Ermittlungen.
Auch Hatterscheidts Chef im Kölner Polizeipräsidium gefällt das Buch
Das Buch richtet sich nicht nur an Krimi-Fans, sondern an alle, die einen authentischen, direkten und oft überraschend menschlichen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit werfen möchten. Es zeigt, wie nah im echten Leben Tragik und Humor, Verbrechen und Menschlichkeit, Routine und Ausnahmezustand beieinanderliegen – erzählt von einem Mann, der vieles gesehen hat und gelernt hat, auch schwere Erlebnisse in Geschichten zu verwandeln.
Das gefällt übrigens auch Hatterscheidts Chef im Kölner Polizeipräsidium, Polizeipräsident Johannes Hermanns: „Spannend und aus dem Leben gegriffen schreibt Bernhard Hatterscheidt als Mann aus der Praxis für die Praxis“. Ganz offenbar ein ehrlicher Blick hinter die Polizeikulissen.

