Hier wachsen mittlerweile 25 verschiedene Arten - alle waren sie einmal Baum des Jahres. Der Weg soll nun zum grünen Klassenzimmer werden.
Wald der ZukunftDie Zitterpappel verstärkt den Baum-des-Jahres-Pfad in Odenthal

Neuzugang am Baum-des-Jahres-Pfad: die robuste Zitterpappel, „Baum des Jahres“ 2026.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Die jüngsten Neuzugänge am Baum-des-Jahres-Pfad in Odenthal. Damit wachsen jetzt auf dem Gelände am Hahnenberg genau 25 sehr verschiedene Baumarten, die aber eines gemeinsam haben: Sie alle waren in der Vergangenheit einmal Baum des Jahres, eine Auszeichnung, die in Deutschland seit 1989 vergeben wird.
Dabei geht es nicht nur um gefährdete Bäume, sondern auch um andere Kriterien, etwa einen zu geringen Bekanntheitsgrad, besondere Widerstandsfähigkeit oder Nutzen für Mensch und Natur. In diesem Jahr wurde dazu die Zitterpappel gekürt, ein anspruchsloser und robuster Baum, der seinen Namen den schon bei leisestem Luftzug deutlich sichtbar zitternden Blättern verdankt.
Die Zitterpappel ist eine robuste Pionierpflanze
„Als heimische Pionierbaumart besiedelt sie rasch freie Flächen nach Stürmen, Bränden oder Borkenkäferschäden und unterstützt so die natürliche Waldverjüngung“, begründet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
Den ganz besonderen Waldpfad (den man über einen kleinen Weg zwischen Thomas-Mann-Straße 15 und 17 erreicht) gibt es seit 2023. Seit dem Start kommt jedes Jahr der neue Baum des Jahres hinzu, entweder neu gepflanzt oder frisch gekennzeichnet, falls die jeweilige Baumart im Mischwald vor Ort ohnehin schon zu finden ist. Hier wachsen inzwischen Winterlinde und Moorbirke, Flatterulme und Wildapfel, Esskastanie und Wildbirne und viele mehr … und nun eben auch die Zitterpappel.
Der Baum-desJahres-Pfad soll als grünes Klassenzimmer dienen
Der Baum-des-Jahres-Pfad ist ein Projekt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Volksbank Berg und soll auch in den kommenden Jahren wachsen und gedeihen. Künftig möchte man hier Odenthaler Grundschulklassen einen außerschulischen Lernort und Biologieunterricht im Wald anbieten.
Führungen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald könnten schon im kommenden Schuljahr vereinbart werden, kündigte Christoph Gubert, Vorstand der Volksbank Berg an, die das Projekt finanziert. QR-Codes informieren über die jeweilige Baumart und machen den kleinen Spaziergang ganz nebenbei zum Lehrgang.
Der Baum-Pfad hat auch Testcharakter für Klimaresilienz
Vor dem Hintergrund des Klimawandels hat der Baum-des Jahres-Pfad zudem Testcharakter. Welcher Baum kommt mit den sich auch im Bergischen Land verändernden Bedingungen besonders gut klar? Welcher nicht? Und da niemand in die Glaskugel schauen kann und heute schon weiß, wie der Wald in 50 oder 80 Jahren aussehen wird, ist „Vielfalt“ das Stichwort. „Die Mischung macht’s“, meint auch Rainer Deppe, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
Ein artenreicher Mischwald ist für ihn die beste Option. „Den perfekten Baum gibt es nicht, jeder hat Stärken und Schwächen“, sagt er. „In der Summe können sie aber einen Beitrag für mehr Diversität in unseren Wäldern leisten.“
Die Esskastanie kommt mit dem veränderten Klima gut klar
Die Esskastanie sei ein gutes Beispiel für den Wandel, berichtet Deppe. Der Baum sei vor rund 2000 Jahren von den Römern in den Norden mitgebracht worden, wo sich die Esskastanie nie so recht wohl gefühlt habe - zu rau, zu nass, zu kalt. Seit einigen Jahren entwickele sie sich hier aber immer besser, komme mit den klimatischen Veränderungen offensichtlich besser zurecht als manch heimisches Gewächs. „Ich weiß nicht, ob es der Baum der Zukunft sein wird“, sagt Deppe, „aber es macht Sinn, ihn in die Mischung mit hineinzunehmen“.
„Dieser ein Kilometer lange Weg, zum größten Teil im schattigen Wald, ist ein lohnendes Ziel für einen kostenfreien Familienausflug“, meint Odenthals Bürgermeisterin Laura Lundberg. Und falls die Esskastanie dann doch der Baum der Zukunft sein sollte, dann hat er in Odenthal schon Wurzeln geschlagen.
