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KarnevalDas Sülztal feiert sein Damen-Dreigestirn

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Das Foto zeigt das Immekeppeler Damen-Dreigestirn

Das Damen-Dreigestirn feiert auf der Bühne

Im Jugendheim von Overath-Immekepel ist zum ersten Mal ein Damen-Dreigestirn proklamiert worden

Der „kleine Gürzenich“, das Jugendheim von Immekeppel, platzt aus allen Nähten. Eine Atmosphäre aus Vorfreude, Schweiß und dem Duft der Freiheit durchdringt den Raum. Als Moderator Claus Rottländer zum Mikrofon greift, spürt jeder im Saal des Jugendheims: Dieser Abend markiert einen Wendepunkt. Die KG Neichen-Nallingen bricht mit der Tradition, um eine neue Ära einzuläuten.

Bevor die Zukunft beginnt, wird das scheidende Dreigestirn verabschiedet – ein emotionaler Moment, in dem Wehmut und Anerkennung aufeinandertreffen. „Ihr hattet eine tolle Session“, ruft der Moderator. Applaus und Jubel branden auf. Der Prinz springt von der Bühne, doch auch er muss schließlich Zepter und Kette an Bürgermeister Michael Eyer übergeben. Die Melancholie weicht schnell der Erwartung. Das Publikum sehnt sich nach dem Neuen, dem Unerhörten.

Nebelmaschinen rotieren

Dann laufen die Nebelmaschinen auf Hochtouren und der Jubel bricht los. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte tanzt ein reines Damendreigestirn durch den Mittelgang zur Bühne. Unter dem Motto „Neichen kann's: Dreigestirn mit Pferdeschwanz“ übernehmen drei Frauen das Zepter, die nicht nur im Sülztal verwurzelt sind, sondern auch auf dem Tennisplatz von Untereschbach zur Einheit reiften. Ein Triumphzug für Nani Müllenborn.

Die Vorsitzende der KG strahlt vor Stolz, und das aus doppeltem Grund: Sie ist die Mutter des neuen Prinzen. Bürgermeister Michael Eyer lässt es sich nicht nehmen, die Insignien der karnevalistischen Macht persönlich zu überreichen. Er übergibt sie an drei Frauen, die mitten im Leben stehen: Prinz Dani (Daniela Müllenborn), eine Sportjournalistin und Alpaka-Liebhaberin, die die nötige Souveränität für das höchste Amt mitbringt. „Du erinnerst mich an den Duracell-Hasen“, bescheinigt ihr der Bürgermeister, ehe sie Zepter und Kette übernimmt.

Schatzkammer der Stadt leer

Bauer Ute (Ute Brombach), eine leidenschaftliche Architektin und aktives Mitglied im Kirchenvorstand, agiert ebenso sicher im Karneval. Der Bürgermeister übergibt ihr die Schlüssel zur leeren Schatzkammer der Stadt – ganz entspannt. „Man kann da übrigens auch etwas reinlegen“, schlägt er unter dem Jubel der Jecken vor.

Jungfrau Inke (Inke Rottländer), Grundschullehrerin im Ort und Klarinettistin im Blasorchester Marialinden, hat als gebürtige Niedersächsin längst bewiesen, dass rheinischer Frohsinn keine Frage der Herkunft ist. „Wir sind beide Immis und haben das Rheinland lieben gelernt“, stellt Eyer fest, bevor er ihr das Spieglein übergibt. „Oh wie bist du schön“, schallt es dabei aus den Lautsprechern.

Schlagfertige Tollität

Schon bei der ersten Rede des Prinzen wird klar: Hier regiert kein steifes Protokoll, sondern lebendige Schlagfertigkeit. Das Trio deutet an, was das Sülztal in dieser Session erwartet: eine Mischung aus Witz und Energie, die keinen auf den Stühlen hält. Begleitet werden sie von drei Herren in gehäkelten Mützen. „Wenn ich die so sehe: Eine Mischung aus Mütze und Topflappen“, bemerkt Claus Rottländer. Die Prinzenführer sind Andreas Rütsch, Michael Schleicher und Thomas Rottländer.

Als erste Amtshandlung hängt Prinz Dani dem Bürgermeister den Sessionsorden um. Dann ruft sie den Präsidenten Achim Buntenschön auf die Bühne und bedankt sich für das Podest für den Einzug. „Du bist heute die Rakete und nein, du bekommst das Mikro nicht“, lacht sie.

Bei Rocky (Rolf Lambertz) bedankt sie sich dafür, dass er immer den Rosenmontagszug in Untereschbach organisiert, den es seit über 100 Jahren gibt. „Wir sind von den Socken, dass so viele gekommen sind“, ruft Prinz Dani dem jecken Volk zu und bemerkt: „Das Prinzenkostüm von meinem Onkel Heinz trägt nun Peggie, eine Puppe im Foyer. “ Ihr hatte das Prinzenkostüm leider nicht gepasst.

Als die drei Damen sich schließlich unter die Jecken mischen, ist die Botschaft im Saal angekommen: Diese Session wird grandios. Nicht, weil es Frauen sind – sondern weil diese drei Frauen den Karneval im Blut haben.