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„Kasse ist eh leer“Overather Bürgermeister übergibt „freiwillig“ den Rathausschlüssel an die Tollitäten

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Jungfrau Inke hält den symbolischen Rathausschlüssel in den Händen.

Mehr oder weniger freiwillig überreichte Bürgermeister Michael Eyer (CDU) den Rathausschlüssel an Jungfrau Inke.

Gut gefüllt war das Zelt auf dem Bahnhofplatz zur feierlichen Schlüsselübergabe von Michael Eyer (CDU) an das Sülztaldreigestirn.

Schon draußen auf dem Overather Bahnhofplatz tummeln sich Aliens mit blauen Haaren, Hippies, die aus den 1970er Jahren ins Heute gesprungen zu sein scheinen, kramen Geld aus ihren Taschen für die Bons hervor und auch die ein oder andere Maus flitzt durch den Nieselregen, um halbwegs trocken ins Festzelt zu kommen. Das Innere ist kurz vor Beginn der feierlichen Schlüsselübergabe allerdings noch recht leer. Die Jungs hinter dem Tresen, Teil der KG Spaß am Karneval, die die Veranstaltung ausrichtet, schieben nur hier und da mal ein Bier über die Theke.

Doch das ändert sich schlagartig, als die ersten Instrumente erklingen und das Tambourkorps Edelweiß einzieht – im Schlepptau das Overather Dreigestirn, das Sülztaldreigestirn und die Kinderprinzessinnen aus Heiligenhaus. Plötzlich quetscht es sich am Eingang, Bienchen, Giraffen, Feen und selbst Atze Schröder müssen anhalten und die gesamte Truppe einmal vorbei zur Bühne lassen.

Wirbelnde Tanzgarde heizt dem Publikum ein

„Wir starten mit einer sportlichen Hochleistung“, kündigt Niklas Habers, Geschäftsführer der KG, an, der gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden, Johannes Deppe, durch das Programm führt. Denn bevor der Bürgermeister entmachtet werde, soll die kleine Tanzgarde Marialinden dem Publikum so richtig einheizen. Und das tun die Kinder auch, wirbeln zu „Fastelovend Fiewer“ des Chors Laut aber Schief über die Bühne. Der Saal bebt, alle singen mit, klatschen, tanzen. Es ist ein gelungener Start.

Die kleinen Tänzerinnen und Tänzer der Tanzgarde Marialinden tanzen auf der Bühne.

Ließ den Saal zu „Fastelovend Fiewer“ beben: die kleine Tanzgarde Marialinden.

Dann ist das Sülztaldreigestirn dran, bestehend aus Prinz Dani (Müllenborn), Bauer Ute (Brombach) und Jungfrau Inke (Rottländer), die mit ihrem Tanz samt schwungvoller Regenschirm-Performance und sich im Kreis drehendem Gefolge das Publikum so begeistern, dass es nach einer Zugabe schreit. Die bekommt es auch.

Bürgermeister ergibt sich freiwillig seinem schlüssellosen Schicksal

Mit auf die Bühne geschlichen und taktisch am rechten Rand platziert hat sich auch Bürgermeister Michael Eyer (CDU), um seinen Hals trägt er einen riesigen goldenen Schlüssel, auf den das Damendreigestirn schon vorab einen Blick werfen konnte. Immerhin haben die Tollitäten ihn mit ins Zelt gebracht.

Michael Eyer spricht in ein Mikrofon und trägt einen schwarzen Hut mit goldener Krempe.

„Die Kasse ist eh leer“, sagte Bürgermeister Michael Eyer und überreichte den Schlüssel.

„Der Bürgermeister hat sich freiwillig ergeben“, sagt Prinz Dani mit einem breiten Grinsen. „Wir haben ihn festgenommen und ins Festzelt mitgenommen.“ Auch Eyer muss schmunzeln, schiebt den Schlüssel nicht gerade unauffällig, zur Seite und klemmt ihn unter seinen Arm. So ganz freiwillig scheint er ihn wohl doch nicht abgeben zu wollen.

Auch Michael Eyer präsentiert sich als textsicher

Letztendlich holt er den Schlüssel aber doch wieder hervor. „Ausnahmsweise“, sagt er und fügt hinzu, „die Kasse ist eh leer. Ihr könnt ja gerne etwas reinlegen.“ Die Damen lachen, dann ist es Zeit für Eyer, den Schlüssel wirklich zu übergeben. Entschlossen tritt er auf Jungfrau Inke zu und hängt ihr sein wertvollstes Gut um den Hals, „denn die Frauen, die können mit Geld umgehen“, wie er sagt.

Neben ihren Tänzen und der Schlüsselübergabe haben die Tollitäten noch einen ganz besonderen Auftritt in petto. Zur Melodie von Abbas „Mamma Mia“ hat Prinz Dani eine Ode an das Sülztal geschrieben, die die drei und ihr Gefolge mit Herzblut performen. „He em Sülztal sin mir emmer jood drop“, heißt es im Text, den das Publikum nach kurzer Zeit schon drauf hat. Und nicht nur das, auch Eyer präsentiert sich als textsicher. Bei all dem Trubel verschwendet er wohl keinen Gedanken mehr an Overaths leere Kasse. Zumindest bis Aschermittwoch.