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Arbeitersiedlung in AuenheimNach 53 Jahren zum Umzug gezwungen

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Seit 53 Jahren leben Wilhelm-Josef und Marie-Luise Britz in der Arbeitersiedlung in Auenheim. Sie wollen nicht weg.

Bergheim-Auenheim – Das Ende scheint besiegelt, die Arbeitersiedlung in Auenheim wird wohl abgerissen. Die verbliebenen Bewohner der 35 Häuser am Forellenweg, der Lourther und der Garsdorfer Straße haben Post von der Wohnungsbaugesellschaft für das Rheinische Braunkohlenrevier (WBG) bekommen, der Haupteigentümerin neben der Deutschen Annington. Darin heißt es, es sei „in Abstimmung mit der RWE Power AG nunmehr die Entscheidung getroffen worden, die Hauseinheiten für den Mietwohnungsbau aufzugeben und den Rückbau vorzunehmen“.

Damit verschwände ein nicht unerheblicher Teil Auenheims. 119 Wohnungen gibt es in der Siedlung – das Dörfchen im Schatten des Niederaußemer Braunkohlenkraftwerks hat etwas mehr als 600 Einwohner. Doch ein Teil der Wohnungen steht bereits leer: Die Wohnungsbaugesellschaft, an der die Kraftwerkseigentümerin RWE Power beteiligt ist, vermietet sie schon seit dem Winter nicht mehr neu, weil man überlege, was mit der Siedlung geschehen solle, hieß es im Frühjahr. Parallel gab es den Vorstoß der Bergheimer CDU, die leer stehenden und „wenig ansehnlichen Häuser“ abzureißen.

„Schlechte Bausubstanz“

„Eine Sanierung wäre nicht mehr wirtschaftlich“, sagt RWE-Power-Sprecher Manfred Lang. Die Häuser seien zum Teil aus den 1930er-Jahren, die Bausubstanz sei entsprechend schlecht. Hinzu komme, dass die Wohnlage nicht gerade die allerbeste sei. „Wenn man dann nach der Sanierung eine Mieterhöhung vornimmt, bekommt man wahrscheinlich Probleme bei der Weitervermietung.“

In der Siedlung fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Das Ehepaar Britz, das mit Wellensittich Nicki eine 64-Quadratmeter-Wohnung bewohnt, ist geschockt. „Wir leben seit 53 Jahren hier“, sagt Marie-Luise Britz (78). „Wie soll das in unserem Alter denn vonstatten gehen? Ich will hier bleiben.“ Auch ihr Mann Wilhelm-Josef ist alles andere als begeistert.

Räumungsklage nicht ausgeschlossen

„Ich habe 40 Jahre für Rheinbraun gearbeitet und habe einen kaputten Rücken – und jetzt soll ich aus den Werkswohnungen raus?“ Dass die Arbeitersiedlung in einem solch schlechten Zustand sei, habe doch die Wohnungsbaugesellschaft überhaupt erst verschuldet. „In 53 Jahren ist hier mal der Flur gestrichen worden, sonst haben die hier nichts gemacht“, sagt Marie-Luise Britz. Ein weiterer Bewohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, will es auf eine Räumungsklage ankommen lassen.

Auch Josef und Josefine Brand sind wenig begeistert, doch könnte sich das aus Bedburg stammende Ehepaar mit einem Auszug anfreunden. „Eigentlich wollten wir nur für ein Jahr hierbleiben und haben uns immer nach einem Häuschen umgesehen“, sagt Josefine Brand. Aber erst wegen der Kinder und dann wegen der Enkel sei man doch in der Siedlung geblieben. Aus dem einen Jahr wurden dann 49. Nun fürchte man sich, im hohen Alter von 79 und 78 Jahren den Anstrengungen eines Umzugs nicht mehr gewachsen zu sein.

Mieterversammlung

Am Montag, 7. Oktober, um 18 Uhr soll im Ordenshof eine Mieterversammlung stattfinden. Dort will die WBG auch ihr Angebot zur Unterstützung erneuern. So will sie Wohnungen aus dem eigenen Bestand zur Vermittlung anbieten, die Kosten für den Umzug oder das Einlagern von Möbeln übernehmen, Eigenleistungen in den Wohnungen bezahlen oder die Küche ab- und aufbauen lassen. Zur Zukunft der Fläche neben dem Kraftwerk will RWE Power eine sogenannte Dorfwerkstatt veranstalten. Nur eines sei dabei aber ausgeschlossen: eine Wohnbebauung.