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Serie „Die gute Seele“Bergheimer zieht Lehren aus 40 Jahren beim Katastrophenschutz

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Das Bild zeigt Hornfeck mit einer orangen Jacke vor einem Dienstwagen mit Blaulicht.

Hans Günter Hornfeck engagiert sich seit 40 Jahren beim Katastrophenschutz.

Hans Günter Hornfeck hat bei den Maltesern in Elsdorf und Bergheim einiges erlebt. Auch bei der Flutkatastrophe in Erftstadt war er im Einsatz.

Ob Sanitätsbetreuung für den Weltjugendtag mit Papstbesuch oder die Evakuierung eines Seniorenheims während der Flutkatastrophe in Erftstadt: Hans Günter Hornfeck hat in 40 Jahren beim Katastrophenschutz schon einiges erlebt.

Heute ist der 1967 geborene Bergheimer, wie er scherzhaft sagt, der „Papa Schlumpf“ der Malteser in Bergheim. Seine Hauptaufgabe sei es, alles zusammenzuhalten und den Laden am Laufen zu halten. Er bildet auch den Nachwuchs aus und arbeitet als Fachberater, wird also in bestimmten Fällen alarmiert, um den Einsatzleiter der Feuerwehr zu beraten. Der Rhein-Erft-Kreis würdigte kürzlich sein langjähriges Engagement in einer Feierstunde.

Hornfeck seit 1985 beim Katastrophenschutz

Zum Katastrophenschutz kam Hans Günter Hornfeck 1985 nach der Schulzeit. Als Alternative zum Wehrdienst ging er zum Fernmeldezug der Malteser in Elsdorf. Die Aufgabe der Einheit war es, im Fall der Fälle eine Kommunikationsverbindung herzustellen, etwa weil sie ausgefallen war oder weil es in der Örtlichkeit keine gab.

Das Bild zeigt die Kabeltrommel.

Beim Fernmeldezug galt es, sich mit einem Tragegestell eine Kabeltrommel auf den Rücken zu schnallen und loszulaufen.

Dazu verlegten sie Feldkabel, um Funkanlagen zu betreiben. Mit einem Rückentragegestell schleppte Hornfeck eine 16 Kilogramm schwere Kabeltrommel, wie er erzählt: „Da sind 800 Meter Kabel drauf. Da ist die Devise wie bei der Bundeswehr: Lauf schneller, werde leichter.“ In den Übungen hätten sie üblicherweise Distanzen von zwei bis drei Kilometern überbrückt, einmal hätten sie mit mehreren Fernmeldezügen sogar eine 40 Kilometer lange Leitung verlegt.

Zum Weltjugendtag kam Papst Benedikt XVI. zum Rhein-Erft-Kreis

Mit der sogenannten Friedensdividende sei der Fernmeldedienst im Jahr 1994 aufgelöst worden, und die Hilfsorganisation strukturierte sich um, wodurch Hornfeck zu den Maltesern nach Bergheim kam. Er hatte sich bereits in der Sanitätsbetreuung und mit einem Lehrgang als Rettungssanitäter stärker auf den Bereich Gesundheit fokussiert. Auch beruflich gab es für ihn einen Wechsel: Arbeitete er zunächst als Fernmeldehandwerker, wechselte er um 1990 rum zur Berufsfeuerwehr.

Das Bild zeigt fünf rote Einsatzwagen, die hintereinander geparkt sind.

Die Malteserauf dem Weg nach Berlin zum Einsatz beim Katholikentag 1990.

Als prägende Ereignisse für sein Ehrenamt nennt Hornfeck unter anderem den Weltjugendtag im Jahr 2005, als Papst Benedikt XVI. das ehemalige Tagebaugelände auf dem Marienfeld besuchte. Mit über einer Million Besucherinnen und Besucher sei es eine logistische Herausforderung gewesen, die Infrastruktur für die Veranstaltung herzurichten. Die Malteser hätten damals die Verantwortung für die Sanitätsbetreuung übernommen.

Unterbringung von Geflüchteten im Jahr 2015

Fordernd sei auch die Unterbringung der Geflüchteten gewesen, die als Folge des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2015 nach Deutschland kamen. Die Hilfsorganisationen hatten damals in kürzester Zeit Notunterkünfte hergerichtet, beispielsweise am Gutenberg-Gymnasium in Bergheim.

Die politische Frage, die das Thema bis heute überlagert, habe sich für ihn damals gar nicht gestellt. „Wir haben Menschen gesehen, die bis zum Erbrechen gegessen haben, weil sie vorher nichts zu essen bekommen haben.“ Im Vordergrund stand erstmal, den Menschen Nahrung und Obdach zu bieten. „Da ist einfach eine Notlage, und die bewältigt man“, sagt Hornfeck. Bis heute habe er ein schwarz-rot-goldenes Armband aus Plastikstrohhalmen, das Kinder damals den Einsatzkräften gebastelt haben.

Bei Flutkatastrophe in Erftstadt im Einsatz

Auch während der Flutkatastrophe in Erftstadt war Hans Günter Hornfeck im Einsatz. Die Malteser seien am Tag der Flut morgens alarmiert worden und fuhren zu einem Seniorenheim. Das Wasser sei allerdings schneller als erwartet gekommen. Innerhalb einer Viertel- bis halben Stunde sei das Erdgeschoss unter Wasser gewesen. „Das Personal vom Altenheim hat eine Mordsleistung hingelegt. In kurzer Zeit haben sie die betroffene Etage geräumt“, erzählt Hornfeck.

Das Bild zeigt überflutete Straßen und Häuser.

Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der Flutkatastrophe 2021 in Erftstadt, hier im Stadtteil Blessem

Mit der leitenden Pflegekraft hätten sie gemeinsam überlegt, wie sie die nächsten Stunden mit der Situation umgehen können, was sie benötigen, und wie sie die Leute rausbekommen. „Dadurch, dass der Wasserstand sich ständig geändert hat, gab es unterschiedliche Möglichkeiten, die Leute rauszukriegen: mit Booten, teilweise mit watfähigen Fahrzeugen oder mit dem Hubschrauber.“ Um vier Uhr morgens sei der letzte Bewohner raus gewesen.

Die Lehren aus 40 Jahren beim Katastrophenschutz

Aus seinen 40 Jahren beim Katastrophenschutz zieht Hornfeck auch Lehren. „Wir müssen gucken, dass wir unsere Leute so gut wie möglich ausbilden und auf solche Sachen vorbereiten“, sagt er. Es komme irgendwann der Punkt, an dem man nicht weiter weiß und improvisieren muss, aber je später dieser Punkt komme, desto besser seien die Möglichkeiten, eine Krisensituation zu bewältigen.

Mit Blick auf die Gesellschaft nehme er wahr, dass viele Menschen wegen der Häufung von Krisen beunruhigt sind. „Das Gefühl, für alles eine Versicherung abschließen zu können, zerbricht gerade“, sagt Hornfeck. Gleichzeitig würden Organisationen wie THW, Feuerwehr oder Hilfsorganisationen sinkende Helferzahlen verzeichnen. Aktuell gebe es 25 Ehrenamtler bei den Maltesern in Bergheim.

Er wirbt dafür, in Hilfsorganisation einzutreten, den Sportverein zu unterstützen oder sich für Naturschutz einzusetzen. „Ein wichtiges Umdenken wäre zu sagen: Meine Demokratie, meine Welt, die gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt der langjährige Ehrenamtler.