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Buch erschienenFrüherer Bergheimer sichtet Torwarttalente für RB Leipzig

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Der frühere Glescher Sebastian Wagner ist Torwartscout für Red Bull Leipzig und hat ein Buch über Torwarttraining für Kinder geschrieben.

Der frühere Glescher Sebastian Wagner ist Torwartscout für Red Bull Leipzig und hat ein Buch über Torwarttraining für Kinder geschrieben.

Sebastian Wagner hat ein Buch über „Torwarttraining für Kinder“ geschrieben und bringt dabei auch seine Erfahrungen als Pädagoge ein.

Wenn Sebastian Wagner Fußball schaut, dann mit geschultem Blick. Und er richtet sein Auge meist nicht auf dem gesamten Spiel, sondern auf den Torwart. Der frühere Glescher Wagner ist Torwartscout in Diensten des Bundesligisten RB Leipzig und schaut sich im Auftrag des Vereins Videomaterial von Nachwuchsspielern oder möglichen Kandidaten für die Profis an.

Nun hat Wagner, der in Bergheim-Glesch (Rhein-Erft-Kreis) aufgewachsen ist und dort die Grundschule besucht hat, ein Buch über das „Torwarttraining für Kinder“ geschrieben. Leserinnen und Leser können in dem Werk QR-Codes scannen und sich dann Videos anschauen. „Dort kann man dann Coaching erleben und sehen, wie Torwarttrainer arbeiten und wie sie mit den Kindern reden“, sagt Wagner.

Bergheim: Trainiert vom früheren Köln-Profi Herbert Hein

Der heute 45-Jährige hat selbst als Torwart gespielt und in der Jugend bei BC Viktoria Glesch-Paffendorf angefangen, später ging er zu Jugend 07 Bergheim. Vom 1. FC Köln sei er gesichtet und zu Probetrainings eingeladen worden. „Doch letztlich hat das nicht geklappt“, sagt Wagner. Und so spielte er in der Region weiter, wieder bei Glesch-Paffendorf, bei der Spielvereinigung Oberaußem-Fortuna zeitweise unter dem früheren FC- und BVB-Profi Herbert Hein, dann wieder in Bergheim und später in Horrem.

Mit 29 dann änderte sich Wagners Leben. Das Studium der Sonderpädagogik in Köln hatte er abgeschlossen, und ein Knorpelschaden bremste ihn beim Fußball aus: „Ich bin nach Paderborn umgezogen, wo ich eine feste Stelle als Sonderpädagoge angetreten habe.“ 

Vom Fußball lassen wollte er allerdings nicht. „Aus einer Laune heraus habe ich einen Trainerschein gemacht“, sagt der Förderschullehrer. Das war 2012. Inzwischen habe er eine A-Lizenz und auch einen Torwarttrainerschein, denn ihm sei schnell klar gewesen, dass er sich nicht für das Team-, sondern für das Torwarttraining interessiere. „Ich habe dann alle 36 Erst- und Zweitligavereine angeschrieben und gefragt, ob ich bei ihnen hospitieren könne. Bei einigen warte ich immer noch auf eine Antwort.“

Einen positiven Bescheid erhielt er allerdings recht flott von Schalke 04. Und 2013 stieg er bei den Knappen als Torwarttrainer im Nachwuchsbereich ein. 2015 erreichte ihn dann eine Anfrage von Borussia Dortmund. „Das war eine wesentlich kürzere Fahrtstrecke, also habe ich das Angebot angenommen.“

Ich sichte sehr viel Videomaterial
Sebastian Wagner

Seine guten Beziehungen in der Branche brachten ihm dann 2021 ein nebenberufliches Engagement bei RB Leipzig ein. „Der Verein fragt mich oft um eine zweite Meinung, dann sichte ich sehr viel Videomaterial“, sagt der Vater von zwei Kindern. Auch zu Spielen fahre er bei Gelegenheit raus. Dabei sei es ein riesiger Unterschied, ob man einen Nachwuchsspieler unter die Lupe nehme oder einen potenziellen Torwart für die Erste Mannschaft.

Bei den Profis gehe es zumeist darum, ob ein Torwart in das aktuelle Spielsystem des Klubs passe. Bei den Talenten wiederum werde geschaut, ob sie die Befähigung haben, in vier oder fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. „Torverteidigung, Raumverteidigung, Offensivspiel – sie müssen in allen drei Bereichen gut sein“, sagt Wagner. „Wie mutig sind die Spieler? Gehen sie ins Getümmel? Gehen sie in die Flanke oder bleiben sie im Tor?“ 

Es geht nicht um Erfolg, sondern um die Bereitschaft, Dinge zu tun

Spielt ein junger Torwart beidfüßig, könne er später alle Winkel des Platzes bespielen, ohne von Gegenspielern unter Druck gesetzt zu werden. „Dabei geht es uns gar nicht darum, ob die Jungs im jungen Alter schon Erfolg mit ihren Aktionen haben, sondern grundsätzlich um die Bereitschaft, Dinge zu tun“, sagt Wagner. „So haben sie höhere Chancen, oben anzukommen.“

Max Braune wurde von Sebastian Wagner gescoutet. Der Torwart spielt aktuell beim Drittligisten MSV Duisburg.

Max Braune wurde von Sebastian Wagner gescoutet. Der Torwart spielt aktuell beim Drittligisten MSV Duisburg.

Zu seinen Scouterfolgen zählt er etwa Timo Schlieck, den er zur U13 des BVB geholt habe und der nun als Leihgabe von RB Leipzig bei Greuther Fürth spielt. Auch Max Braune habe er gesichtet, der nun beim MSV Duisburg das Tor hütet. „Damals auf Schalke war er noch Feldspieler, aber er kam immer schon mit Torwarthandschuhen zum Training“, sagt Wagner.

Sein Hauptberuf als Förderschullehrer war hilfreich beim Verfassen seines Buches. So setzt Wagner auch pädagogische und psychologische Impulse für Trainer und Eltern und gibt Antworten auf Fragen wie: Wie lernen Kinder? Welche kognitiven Fähigkeiten sind entscheidend?


Das 150 Seiten starke Buch „Torwarttraining für Kinder“ ist im Benevento-Verlag erschienen und kostet 24 Euro. Die ISBN lautet 9783710902420.