Christine Hölzmann und das Netzwerk NSG Ententeich wollen das Bauleitverfahren zum Ausbau des Brühler Freizeitparks mit einem Bürgerentscheid stoppen.
Phantasialand-AusbauNaturschützerin Hölzmann: „Das ist eine riesige Entscheidung für Brühl“

Das Brühler Phantasialand möchte weitere Attraktionen für seine Besucher schaffen.
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Christine Hölzmann ist Koordinatorin des Netzwerks Naturschutzgebiet Ententeich, das es sich zum Ziel gesetzt hat, den Ausbau des Phantasialands auf Kosten geschützter Natur zu verhindern. Über ihre Beweggründe und das weitere Vorgehen sprach Wolfram Kämpf mit der 50-jährigen Brühlern, die beruflich als selbstständige Suchttherapeutin tätig ist.
Frau Hölzmann, der städtische Planungsausschuss hat der Aufnahme eines Bauleitverfahrens zur Erweiterung des Phantasialands zugestimmt. Strebt das Netzwerk NSG Ententeich nun wie angekündigt ein Bürgerbegehren an?
Christine Hölzmann: Genau. Dies ist eine der noch verbliebenen Möglichkeiten, das Verfahren zur Erweiterung demokratisch zu stoppen.
Was sind denn die weiteren Schritte?
Wir haben bereits eine Liste zur Sammlung von Unterschriften vorbereitet. Sobald der Beschluss aus dem Planungsausschuss offiziell veröffentlicht worden ist, also voraussichtlich in wenigen Tagen, beantragen wir das Bürgerbegehren bei der Stadt. Dann muss die Verwaltung die Kosten eines erfolgreichen Bürgerentscheids beziehungsweise einer gestoppten Bebauung ermitteln, weil diese Information auf der Unterschriften-Liste aufgeführt werden muss. Anschließend haben wir sechs Wochen Zeit, mindestens 2500 gültige Unterschriften von über 16-jährigen wahlberechtigten Brühler Bürgerinnen und Bürgern zu sammeln.
Wie werden Sie vorgehen?

Christine Hölzmann kämpft als Koordinatorin des Netzwerks NSG Ententeich um den Erhalt des gleichnamigen Naturschutzgebietes am Phantasialand.
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Wir werden an Haustüren klingeln, Stände in der Stadt aufbauen und die Liste auch online hinterlegen – mit Letzterer kann jeder mitsammeln. Dann erfolgt die Übergabe an die Stadt, die die Unterlagen prüft und binnen drei Monaten den Bürgerentscheid einleiten muss. Dieser läuft ab vergleichbar einer Wahl. Die Entscheidung ist dann für zwei Jahre bindend. Das größte Risiko aus unserer Sicht ist das Erreichen des Quorums: 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen abstimmen, das sind rund 7300 Menschen. Beim Ratsbürgerentscheid zum Neubau des Brühler Rathauses wurde diese Marke sehr knapp verfehlt.
Das Verfahren wird Ressourcen in der Stadtverwaltung binden und auch Ihnen großen Einsatz abverlangen. Warum akzeptieren Sie nicht die politischen Konstellationen im Stadtrat? Schließlich ist seit der Kommunalwahl nicht mal ein Jahr vergangen und das Thema Phantasialand-Ausbau war eines der bestimmenden – mit klaren Aussagen der Parteien.
Die damalige Wahlentscheidung beruhte nicht auf diesem einem Thema. Andere Dinge waren ebenfalls wichtig und es gab auch einen Einfluss durch den Bundestrend. Außerdem ist Klimaschutz eigentlich kein parteipolitisches Thema. Der Ausbau des Phantasialands ist eine riesige Entscheidung für Brühl, daher ist ein Bürgerentscheid sinnvoll.

Das Netzwerk NSG Ententeich organisierte bereits zwei Demonstrationen gegen den Ausbau des Phantasialands auf Kosten des Naturschutzgebietes.
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Es geht um rund 15 Hektar Wald und Gewässer. Mit dem Schutz wird man den Klimawandel nicht stoppen. Lohnt sich der Kampf oder gäbe es Möglichkeiten, sich effektiver für den Naturschutz einzusetzen?
Klar, es gibt Leute, die sagen, es gehe nur um ein Prozent der Waldfläche in Brühl. Aber rechnet man das auf Bundesebene hoch, sprechen wir von einer Fläche, die der der Stadt Frankfurt am Main entspricht. Die Versiegelung nimmt immer weiter zu, dabei müssten wir aufforsten, um Kohlendioxid zu binden. Wald ist zudem für das lokale Klima wichtig, er sorgt für Kühlung.
Welche weiteren Bedenken lösen die Erweiterungspläne aus?
Die Überflutungsgefahr für angrenzende Stadtteile bei Starkregen nimmt zu, weil der Ententeich noch im großen Stil Wasser zurückhält. Die Mindestanforderungen zur Versickerung bei einer Bebauung würden auf keinen Fall dem Status quo entsprechen. Bebaute Fläche ist eben kein Waldboden oder Feuchtgebiet. Mehr Besucher bedeuten außerdem mehr Verkehr, Lärm und Abgase. Zudem würden wohl Straßen und Autobahn ausgebaut werden, was die Versiegelung nochmals verstärkt.
