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Interview

Parkchef Kenter
Phantasialand will Konkurrenz keine „wertvollen Einblicke“ liefern

5 min
Die Ausbaupläne des Brühler Phantasialand sind umstritten (Symbolbild).

Die Ausbaupläne des Brühler Phantasialand sind umstritten (Symbolbild).

Ralf-Richard Kenter, seit 1993 Beauftragter der Geschäftsführung des Brühler Freizeitparks, lehnt es ab, detaillierte Ausbaupläne frühzeitig offenzulegen.

Ralf-Richard Kenter ist seit 1993 für das Phantasialand tätig. Mit dem Beauftragten der Geschäftsführung sprach Wolfram Kämpf über den möglichen Ausbau des Parks und die Kritik, die Bürger an dem Vorhaben haben.

Herr Kenter, kritische Stimmen aus der Bürgerschaft fordern einen transparenteren Umgang des Phantasialands mit den Ausbauplänen. Warum haben Sie die Pläne für die Nutzung der Erweiterungsfläche bislang nicht konkret der Öffentlichkeit vorgestellt?

Ralf-Richard Kenter: Für eine Detailplanung fehlen uns die exakten baurechtlichen Rahmenbedingungen, zu deren Festlegung es erst im Bebauungsplanverfahren kommen wird. Zudem befindet sich das Phantasialand in einem intensiven Wettbewerbsmarkt – eine frühzeitige Veröffentlichung von Detailplanungen könnte Wettbewerbern wertvolle Einblicke liefern und ihnen ermöglichen, diese Informationen für eigene Zwecke zu nutzen.

Ralf-Richard Kenter ist seit 1993 für das Phantasialand tätig. Er ist Beauftragter der Geschäftsführung.

Ralf-Richard Kenter ist seit 1993 für das Phantasialand tätig. Er ist Beauftragter der Geschäftsführung.

Ist es denn richtig, dass eine Veranstaltungshalle sowie ein Hotel mit Aquapark gebaut würden, der sich an einem bestehenden auf Teneriffa orientiert?

Erst mit den Festlegungen im Bebauungsplanverfahren ist eine konkrete Planung sinnvoll. Ziel war und ist die Entwicklung des Phantasialand zum Kurzurlaubsziel. Im Regionalplanverfahren haben wir dazu ein erstes Nutzungskonzept vorgestellt. Dies umfasst unter anderem ein Aquapark-Hotelresort inklusive klassischer Freizeitparkattraktionen, eine Theater-/Konzerthalle, Grünflächen mit Gärten und Spielplätzen sowie zusätzliche Parkplätze. Das Phantasialand ist erfolgreich, weil wir nicht den Wettbewerb kopieren, sondern mit eigenen Angeboten Maßstäbe setzen.

Der Wettbewerb im Segment Freizeitparks ist deutlich anspruchsvoller geworden
Ralf-Richard Kenter, Beauftragter der Phantasialand-Geschäftsführung.

Ausbau-Gegner verweisen immer wieder auf die vielen Auszeichnungen, die der Park in seinen jetzigen Grenzen erhält. Müsste das Unternehmen ohne Erweiterung tatsächlich um sein Fortbestehen bangen?

Wir schätzen diese Preise und Auszeichnungen sehr, da sie die Arbeit unserer rund 1800 Mitarbeitenden würdigen. Diese Erfolge gewährleisten aber nicht die Zukunftssicherheit des Unternehmens Phantasialand. Der Wettbewerb im Segment Freizeitparks ist deutlich anspruchsvoller geworden. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, muss sich das Phantasialand noch stärker zum Kurzurlaubsziel entwickeln. Kurzurlaubsziel bedeutet, das Phantasialand für wesentlich mehr Menschen als heute für einen mehrtätigen Urlaub attraktiv zu machen. Die angesprochenen Kurzurlauber nehmen eine weitere Anreise in Kauf – damit vergrößern wir unseren Einzugsbereich weit über die üblichen zwei Stunden Reisezeit für Tagesgäste deutlich.

Kurzurlauber verfügen außerdem über ein etwa dreimal so hohes Tagesbudget wie Tagesgäste – damit erhöht sich der Umsatz pro Gast. Es ist bekannt, dass wir neue Angebote heute nur noch durch Überbau und Innenverdichtung auf der vorhandenen Fläche schaffen können. Wir können Attraktionen tauschen, in dem wir anderes zurückbauen, aber wir können das Angebot kaum quantitativ erweitern. Es fehlt schlichtweg der Platz für zusätzliche, speziell auf die längere Aufenthaltsdauer ausgerichtete Angebote.

Zu sehen ist ein Verkehrsschild, das auf die Route zum Phantasialand hinweist.

In welche Richtung sich das Phantasialand entwickelt, ist noch offen. Der Freizeitpark würde gerne wachsen, Umweltschützer sind dagegegen.

Ist es denkbar, den Ententeich zu erhalten und dennoch neue Bauten zu errichten – so eine Variante hatte die Brühler SPD im Wahlkampf ins Spiel gebracht?

Ursprünglich waren rund 30 Hektar Erweiterungsfläche geplant. Im Zuge des Regionalplanänderungsverfahrens 2013 und der begleitenden, sehr umfassenden Konfliktmoderation wurde der Flächenbedarf um etwa die Hälfte auf 18,5 Hektar reduziert; von dieser Fläche sind nur die westlichen 14,5 Hektar aus immissionsschutzrechtlichen Gründen intensiv nutzbar. Nur diese soll gemäß des Koalitionsvertrags von CDU und SPD nun Gegenstand des Bebauungsplanverfahrens werden. Die ursprüngliche, eingriffsminimierte Flächenkonzeption für die 30 Hektar messende Erweiterung sah eine Inanspruchnahme des Ententeichs nicht vor. Da damals auch durch die Erweiterungsgegner propagiert worden war, eine Erweiterung westlich der L194 zu unterbinden, kam es zur Reduktion der Fläche auf die besagten 18,5 Hektar inklusive einer Überplanung des Ententeichs. Dies war nicht das Ziel des Phantasialand, ist aber das Ergebnis des demokratischen Abstimmungsprozesses und auf dieser Grundlage nehmen wir als Unternehmen unsere Planungen vor.

Die politische Mehrheit hat sich für den Erhalt der Kleingärten auf der östlichen Parkseite ausgesprochen. Was bedeutet das für die Planungen des Parks und was war dort vorgesehen?

Auf der Fläche waren etwa Edutainment-Angebote, Spiel- und Picknickzonen, Betriebsgebäude und -wohnungen sowie eine Mitarbeiter-Kita geplant. Nachdem der Koalitionsvertrag von CDU und SPD eine Entwicklung dieser Flächen nicht vorsieht, fehlt dafür nun der Platz.

Ein großes Thema in der Öffentlichkeit ist die Bedeutung des Phantasialands als Steuerzahler. Was ist von der Ansicht der Ausbaugegner zu halten, die sagen, eine Erweiterung würde durch Abschreibungen die Steuerzahlungen über Jahre sinken lassen?

Das Phantasialand veröffentlicht grundsätzlich keine über die handelsrechtlichen Pflichtangaben hinausgehenden betriebswirtschaftlichen Daten oder Informationen. Die Behauptung, hohe Investitionen würden dazu führen, dass kaum Gewerbesteuer fließe, greift zu kurz. Abschreibungen sind gesetzlich geregelt und verteilen sich zum Teil über viele Jahre. Das Phantasialand hat auch in der Vergangenheit regelmäßig in seine Bestandsfläche investiert, dennoch – oder gerade deshalb – stellte Bürgermeister Dr. Marc Prokop in der Ratssitzung im Mai zu Recht klar, das Phantasialand gehöre in Brühl deutlich zu den größeren Gewerbesteuerzahlern. Das zeigt, dass Investitionen und Gewerbesteuereinnahmen kein Widerspruch sind.

Sofern Sie grünes Licht für den Ausbau erhalten, kann man abschätzen, wie viel Zeit ein Ausbau in Anspruch nehmen würde?

Wenn das Bebauungsplanverfahren gestartet ist, können wir einen ungefähren Zeitplan vorlegen. Bei dem gegenwärtigen Verfahrensstand macht das keinen Sinn. Wichtig ist vor allem, dass der Aufstellungsbeschluss bald gefasst wird, damit sich alle Brühlerinnen und Brühler in einem fairen, transparenten und vor allem ergebnisoffenen Verfahren über das Projekt und seine mögliche Umsetzung informieren können. Ein solches Verfahren einfach abzulehnen, weil damit bereits eine Festlegung für die Erweiterung getroffen sei, ist faktisch falsch und darüber hinaus eine Missachtung demokratischer Regeln.


Umweltschützer organisieren Bürgerdialog und Demonstration

Zum Bürgerdialog über den geplanten Ausbau des Phantasialands lädt das Netzwerk NSG Ententeich für Samstag, 4. Juli, 17.30 Uhr, in die Jugendakademie Bornheim-Walberberg, Wingert 1, ein. Laut Veranstalter sind kurze Präsentationen der Vertreter des Netzwerks geplant, zudem wird die Teilnahme von Parkdirektor Ralf-Richard Kenter angekündigt. Anschließend gibt es Themenblöcke, zu denen Fragen gestellt werden können. Anmeldungen erfolgen online.

Zu sehen sind Demonstranten, sie halten Plakate und Transparente hoch.

Umweltschützer und Teile der Politik wehren sich gegen die Überbauung des bisherigen Naturschutzgebietes rund um den sogenannten Ententeich.

Für Donnerstag, 9. Juli, 17.30 Uhr, ruft das Netzwerk zu einer erneuten Demonstration vor dem Rathaus an der Uhlstraße auf. Dort tagt um 18 Uhr der städtische Planungsausschuss. Auf der Tagesordnung steht der Start eines Bauleitverfahrens zum möglichen Ausbau des Freizeitparks.

Das Netzwerk NSG Ententeich teilte mit, man lehne „die leichtfertige Inanspruchnahme des sensiblen Naturraums Naturschutzgebiet Ententeich zugunsten der Phantasialand-Erweiterung“ nach wie vor ab und erwarte eine transparente und offene Darlegung der Projektbausteine. „Mit der Vorlage zur Erläuterung der Verfahrenswahl begründet die Verwaltung, dass der Vorhabenträger nicht willens sei, Projektpläne zu präsentieren, und dass deswegen die Anwendung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans nicht möglich sei“, so das Netzwerk. Die entscheidende Frage sei aber, was das Beste für die Stadt ist. (wok)