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„Das war unfassbar“Ex-Mitarbeiter über besonderen Moment im Phantasialand

4 min
Gleise der Achterbahn F.L.Y. in der Themenwelt Rookburgh im Phantasialand.

Gleise der Achterbahn F.L.Y. in der Themenwelt Rookburgh im Phantasialand.

Seit über 45 Jahren ist Andreas Sartorius Fan des Freizeitparks – doch dieses Erlebnis war selbst für ihn etwas Besonderes.

Auf der Hochzeitseinladung von Andreas Sartorius prangt ein ungewöhnliches Motiv: das Paar auf der Achterbahn Taron. Seitdem der 50-jährige Berufskraftfahrer aus Jülich 2019 heiratete, ist die Kombination aus Liebe und Freizeitpark nicht mehr wegzudenken. Aber bevor die erste Hochzeitsfeier im Phantasialand stattfand – bevor überhaupt die Party-Planung lief – arbeitete Sartorius selbst dort.

Von 2019 bis 2023 war der Fan Aushilfe im Park. Der Grund war praktisch: Eine Band musste finanziert werden, die hochzeitsmusikalische Dienste leisten sollte. Also suchte Sartorius sich einen Job, bei dem das Herz für den Ort ohnehin schon schlug. „Das war ne geile Zeit“, sagt er rückblickend im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Vier Jahre lang kontrollierte er Sicherheitsbügel, leitete Gäste an, erlebte das Phantasialand nicht als flüchtig besuchender Fan, sondern als Arbeiter, der jede Schicht mit Fokus auf Taron absolvierte – die Attraktion, die er bis heute als seine Lieblingsbahn bezeichnet.

Soft-Opening von Rookburgh im Phantasialand

Diese intime Kenntnis des Betriebs hat seinen Blick auf den Park verändert. Als er beim Soft-Opening von Rookburgh dabei war – jenem geheimen Mitarbeiter-Event während Corona, bevor der Themenbereich seine Türen für reguläre Besucher öffnete – erlebte er einen Moment, den er heute noch in seinen Worten spürt: „Die Tore gehen auf, man geht durch diesen Tunnel, zum ersten Mal, und ich hab einfach gedacht: Was ist denn jetzt passiert? Das ist ja wie in einer anderen Welt.“

Blick auf das Tor zur Themenwelt Rookburgh im Phantasialand.

Blick auf das Tor zur Themenwelt Rookburgh im Phantasialand.

Drei Tage später kam er mit seiner Frau Kathrin zurück. Sie, eigentlich auch nur eine normale Besucherin, „ist aus den Latschen gekippt“, als sie Rookburgh sah. „Das war unfassbar“, so Sartorius, „absolut beeindruckend“.

„Eine Black Mamba kann ich nur im Phantasialand fahren“

Diese Erlebnisse aus dem Innendienst prägen bis heute, wie Sartorius über den Park argumentiert. Während viele Besucher über die Ticketpreise meckern – „Es gibt ja immer welche, die meckern“ –, verteidigt er das Konzept mit einer Klarheit, die nur jemand haben kann, der beide Seiten kennt: jene der geschätzten 3 bis 4 Millionen Besucher pro Sommer, und jene der wenigen, die hinter den Kulissen arbeiten.

Der Ex-Mitarbeiter und Super-Fan Andreas Sartorius im Phantasialand.

Der Ex-Mitarbeiter und Super-Fan Andreas Sartorius im Phantasialand.

„Eine Achterbahn hinstellen kann jeder Park“, sagt er. Das ist die Kernaussage, die sich durch alle seine Begründungen zieht. Efteling und Heidepark haben auch spektakuläre Bahnen. Aber: „Eine Black Mamba kann ich nur im Phantasialand fahren.“ Noch wichtiger aber ist das, was drumherum passiert. Klugheim, der Themenbereich, war der erste, bei dem die Theming-Kosten teurer waren als die Achterbahn selbst. Das erfordert nicht nur Geld, sondern eine Vision. „Dafür braucht man Ideen, die richtigen Leute, und man muss auch Bock drauf haben.“

Das ist es, was ihn immer wieder in den Park treibt – nicht die Attraktionen isoliert, sondern das Gesamtwerk. Deswegen sagt er ohne Ironie: „Ich fahre eben auch gerne Geister-Rikscha.“ Seine Frau verdreht dann die Augen. Doch es gibt Tage, da sitzt er zweieinhalb Stunden in der Geister-Gondel und fährt einfach immer weiter.

Die Nostalgie-Falle und das Neue im Phantasialand

Der Arbeitsplatz im Park hat Sartorius auch gelehrt, loszulassen. Ja, er vermisst die Hollywood-Tour. Die Gondelbahn 1001 Nacht auch – die Hollywood-Tour war sogar immer seine erste Attraktion. Das Schloss Schreckenstein, die Wikinger-Boote durch die Höhle: „Das war auch toll.“

Andreas Sartorius mit seiner Ehefrau Kathrin in der Themenwelt Mexico im Phantasialand.

Andreas Sartorius mit seiner Ehefrau Kathrin in der Themenwelt Mexico im Phantasialand.

Aber er kann nachvollziehen, dass man aufgrund des Platzmangels Raum schaffen muss. Galaxy, Condor, Ikarus – deren Abrisse verstörten ihn nicht. Dafür gibt es heute Chiapas, und der Soundtrack ist sein Handy-Klingelton und Weckton. Der Soundtrack von Mexico ist für seinen Musikgeschmack „das Beste, was jemals irgendwo in einem Park gelaufen ist“.

Als er sich einen alten Film aus den 90ern – „Adrenalin“ mit Til Schweiger – anschaute, erkannte er deutlich: Der Park sieht heute besser aus als damals. Das ist ein schwieriger Satz für einen Nostalgiker, aber Sartorius meint ihn ernst.

Die schlechteste und beste Erfahrung zugleich

Es gibt einen Moment, der zeigt, wie tief Sartorius mit dem Park verbunden ist – nicht romantisch, sondern real. Sein Großvater, der ihn als Kind immer hinbrachte, starb, während Sartorius im Phantasialand war. Das klingt tragisch, aber Sartorius findet es passend: „Das hat mir gefallen, dass Opa den Löffel reicht, während der Enkel im Phantasialand ist. Für Opa bin ich dann nochmal eine Runde Black Mamba gefahren.“

Heute, mit 50 Jahren, weiß Sartorius, dass er nicht ewig Achterbahn fahren wird. Auf Raik wird ihm schwindlig, die Winjas sind schwierig geworden. Manche Kurven vertragen sich nicht mehr mit seinem Körper. „Aber ich werde trotzdem weiter ins Phantasialand gehen. Auch wenn ich irgendwann nicht mehr Achterbahn fahren vertrage.“

Das ist kein Fan, der sich eine Fantasie bewahrt hat. Das ist jemand, der sein Lieblingsziel so oft besucht hat, dass er weiß: Der Park ist mehr als die Attraktionen. Es sind die Menschen hinter den Kulissen. Es ist die Musik von Chiapas. Es ist die Möglichkeit, sich in eine andere Welt treiben zu lassen. Es ist, wie er sagt: „Danke, dass es diesen obergeilen Park gibt.“